HR-Regional

Die Klingel löst Nutzungskonflikte

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Eine Glosse vonLars Hansen

Fragt man seine Kommunalpolitiker, ist das Fahrrad das urbane Fortbewegungsmittel der Zukunft. Fragt man meinen Hausarzt, muss ich mich mehr bewegen. Wie gut, dass ich ein Fahrrad besitze, und die Strecke von Wilstorf, wo ich wohne, an die Harburger Rathausstraße, wo ich dies und anderes schreibe, sich damit eigentlich gut bewerkstelligen lässt.

Eigentlich. In die Redaktion komme ich auch zumeist fix. Nur gelegentlich parkt ein Ignorant auf dem Fahrradstreifen an der Wilstorfer Straße. Zurück ist das ein ganz anderer Schnack. Die Straßenverkehrsordnung – und wer wäre ich, ihr vorsätzlich zuwiderzuhandeln – verpflichtet mich, den Fahrradweg auf dem Bürgersteig zu benutzen. Und da gerate ich in Konflikt mit lauter Leuten, die den Radweg auch benutzen, allerdings nicht zum Fahrrad fahren. Das fängt gegenüber dem Kino an: Wenn ich Feierabend habe, gehen die Nachmittagsvorstellungen zu Ende, die Abendfilme beginnen und große Menschenmassen wollen die Straße queren. Weil sie dabei nur auf die Autos achten stehen sie jetzt wo? Genau: Auf dem rot gepflasterten Fahrradweg. Erster Einsatz der Klingel.

Immer noch an derselben Kreuzung, nur eine Ampel weiter: Der Typ mit der Baseballkappe klebt mit seinen Augen am Smartphone, steht mit seinen Füßen im roten Bereich und hat die Ohren voll Kopfhörer. Klingeln vergeblich. Lautes Anschreien erfolgreich. Weiterradeln. Einen Schlenker um die schlecht abgestellten Pizzadienst-Motorroller machen. Bloß nicht die Hand von der Klingel lassen. Da vorne steht eine Punkerin mit Hund auf dem Radweg. Die Klingel bewirkt, dass sie meckernd zur Seite geht. Ihr Hund bleibt da. Dazwischen die Leine. Im letzten Moment trottet der Köter vor meinem Vorderrad entlang in Richtung Frauchen und macht den Weg frei. Endgültig anhalten muss ich vor dem Wettbüro. Die beiden Männer auf dem Bürgersteig sind so in ihre Diskussion vertieft, dass Sie die Klingel ignorieren. Erst, als ich stehe, gehen sie. Aus dem Imbiss nebenan zieht es in meine Nase: Adana Kebab – würziges Hackfleisch, am Spieß gegrillt. Jetzt bin ich nicht nur sauer, sondern auch hungrig.

Neulich mal wieder beim Arzt: „Deine Fitness hat sich verbessert“, sagt er, „aber Dein rechter Daumen sieht seltsam aus. Was machst Du immer damit?“

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