Harburg

Weniger Flüchtlinge in den Schulen

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Katharina Gessler
In der Vorbereitungsklasse werden Flüchtlingskinder auf die Teilnahme am regulären Schulunterricht vorbereitet

In der Vorbereitungsklasse werden Flüchtlingskinder auf die Teilnahme am regulären Schulunterricht vorbereitet

Foto: Wolfram Kastl / dpa

An 23 Harburger Standortenwerden in 42 Vorbereitungs- und Basisklassen derzeit noch 447 Kinder unterrichtet.

Harburg.  Der Höhepunkt ist überschritten: Nachdem die Zahl der Flüchtlingskinder im vergangenen Jahr drastisch angestiegen war – von 223 in 2016 auf 537 –, zeigt die Kurve aktuell deutlich nach unten. Aktuell werden an insgesamt 23 Harburger Schulen nur noch 447 Kinder und Jugendliche in 42 sogenannten Internationalen Vorbereitungs- beziehungsweise Basisklassen (IVK/BK) unterrichtet.

Die Anforderungen, die das Unterrichten in diesen Klassen an die Pädagogen stellt, sind enorm, denn die Voraussetzungen ihrer Schüler variieren stark: Einige haben in ihrem Heimatland noch nie oder nur selten eine Schule besucht, andere haben weiterführende Schulen besucht.

Was das bedeutet, haben Fabian und Helene Müller, beide 31 Jahre alt und Klassenlehrer von je einer IVK am Heisenberg-Gymnasium, in den vergangenen Monaten tagtäglich in ihrer Arbeit erfahren, die auch durch hohe Fluktuation geprägt war. Denn immer wieder sind Schüler umgezogen oder an Schulen gewechselt, die näher an ihrem Wohnort liegen. Und auch Abschiebungen hat es gegeben. Wie damit umgehen? „Wir können nur versuchen, soviel Normalität herzustellen, wie möglich“, sagt Helene Müller. Ihr Mann ergänzt: „Es gibt Schüler, die wollen gar nicht nach Hause gehen. Für sie ist die Schule ein geschützter Ort.“

Ein Ort, der zudem vieles bietet, was es in ihren Unterkünften nicht gibt – angefangen von einem strukturierten Tagesablauf bis hin zu Tätigkeiten, die standardmäßig zum Ganztagsangebot des Heisenberg-Gymnasiums gehören, Sport etwa, Koch- oder Kunst AGs.

Die meisten der Schüler, die das Ehepaar Müller seit 2014 unterrichtet hat, haben inzwischen den ersten Schulabschluss (ESA, früher Hauptschulabschluss) geschafft. Die Mehrheit besucht inzwischen Regelklassen der umliegenden Stadtteilschulen. Insgesamt 20 Mädchen und Jungen haben sogar den Sprung in die Regelklassen des Heisenberg-Gymnasiums geschafft. Einer von ihnen ist Roudy Alkalash (17). Der Syrer wusste immer schon, was er wollte: Abitur machen und Architekt werden. „Aber der Krieg hat alles kaputt gemacht“, sagt er. Drei Jahre hingen er und seine Familie in der Türkei fest. „Ich habe als Eisverkäufer gearbeitet, als Friseur und Schneider“, erzählt Roudy.

Kinder mit einer solchen Vita sind nicht selten hoch motiviert. Das hat auch Satka Vyletalova erfahren, die am Immanuel-Kant-Gymnasium als Klassenlehrerin in einer IVK Deutsch gibt. Eine Arbeit, die ebenso herausfordernd wie befriedigend sein kann: „Diese Kinder zu unterrichten, ist eine einzigartige menschliche Erfahrung“, sagt Vyletalova: „Man lernt viel über andere Kulturen und wird offener.“

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