Harburg
1000 Wohnungen

Startsignal für die Wohnungsbaugesellschaft des Kreises

Kreiswohnungsbaugesellschaft, Notartermin und der neue Chef , Joachim Thurmann, erster KWB-Geschäftsführer

Kreiswohnungsbaugesellschaft, Notartermin und der neue Chef , Joachim Thurmann, erster KWB-Geschäftsführer

Foto: KWB / HA

Innerhalb von fünf Jahren sollen 1000 neue Wohnungen für Menschen entstehen. Hollenstedt, Stelle und Tostedt noch nicht dabei

Winsen.  Im Landkreis Harburg geht jetzt die seit Anfang 2016 geplante Kommunale Wohnungsbaugesellschaft (KWG) an den Start. Termin ist der 1. Oktober, nachdem in dieser Woche der Vertrag notariell beurkundet und die Gesellschafterversammlung den Aufsichtsrat gewählt hat. Das Gremium hat sich wiederum einstimmig für Joachim Thurmann als neuen Geschäftsführer entschieden. In den kommenden fünf Jahren soll die Gesellschaft 1000 Mietwohnungen in den Gemeinden des Kreises bauen. „Wir schlagen mit der Gründung ein neues Kapitel im Landkreis Harburg auf“, sagte Landrat Rainer Rempe, der auch Aufsichtsratschef der Gesellschaft ist, am Freitag in Winsen.

Gedacht sind die Wohnungen vor allem für Menschen mit Jahreseinkommen zwischen 20.000 und 30.000 Euro. Dazu gehören soziale Berufe, Handwerker oder auch Fachkräfte in der Gastronomie oder im Handwerk. Solche Arbeitskräfte kommen aber nicht ausreichend in die wachsende Region im Süden Hamburgs, wenn sie dort kaum bezahlbaren Wohnraum finden können.

Die neue Gesellschaft soll nun Mieten um 8,50 Euro und im sozialen Wohnungsbau für 5,60 Euro pro Quadratmeter anbieten. „Bei diesen Wohnungen“, bestätigte auch Heinz Lüers, der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Chef der Sparkasse Harburg-Buxtehude, „herrscht Mangel.“

Das soll sich nun ändern: Als Ergänzung zur privaten Wohnungswirtschaft, nicht als Konkurrenz. Denn immerhin liegt der errechnete Bedarf an Wohnungen im Landkreis bis zum nächsten Jahrzehnt bei 3000 Wohnungen. Geplant sind nun Mehrfamilienhäuser mit bis zu zehn oder 15 Wohnungen, Stadtvillen und Reihenhäuser, die auch als Typ häufiger aufgestellt werden könnten. Platz soll dort sowohl für junge Familien aber auch für Auszubildende und Senioren geschaffen werden.

Thurmann wird die Projekte zunächst von einem Büro im Winsener Gründerzentrum aus organisieren. Der 59-Jährige wohnt seit 1969 in Stelle und hat sein Architekturstudium als Diplom-Ingenieur abgeschlossen. Seine beruflichen Stationen waren zunächst sechs Jahre die Baubehörde in Hamburg, dann zwei Jahre die Hamburgische Wohnungsbaukreditanstalt. Die vergangenen 26 Jahre arbeitete er in unterschiedlichen Leitungsfunktionen beim kommunalen Wohnungsbaukonzern Saga GWG Hamburg. Thurmann setzte sich bei der Auswahl gegen 44 Bewerber und gegen noch fünf in der Endausscheidung durch. Als neuer Geschäftsführer will er für die Anfangsphase noch weitere fünf Mitarbeiter einstellen.

Voraussichtlich zu Beginn des kommenden Jahres dürften die ersten Bauprojekte beginnen. Das machten am Freitag auch die nach Winsen gereisten Bürgermeister aus dem Landkreis klar. So bietet Bürgermeister Hans-Heinrich Höper der KWG ein Projekt mit zehn Wohnungen in Jesteburg an, das die Gemeinde zunächst selbst bauen wollte: „Die Baugenehmigungen liegen vor.“ „Bei uns steht im kommenden Jahr das Gebiet Grotsche Heide bereit“, sagte Dirk Seidler, der Bürgermeister von Rosengarten. Auch Salzhausen will rasch bei Neubauten dabei sein, versicherte Bürgermeister Wolfgang Krause.

„Wir müssen Flächen ausweisen, weil die Menschen zu uns kommen wollen“, sagte Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen. Für Seevetal gebe es aber noch keine Ratsbeschlüsse. „Die Politik muss sich auf den Weg machen.“ Derzeit hat Oertzen in Seevetal mit 43.000 Einwohnern gerade mal 100 Sozialwohnungen gezählt. Weitere 40 gehören der Genossenschaft Süderelbe. „Das war’s“, fasst Oertzen die Lage zusammen. Immerhin, versichert Sparkassen-Chef Lüers, gebe es bei den Flächen für Neubauten derzeit „keinen Engpass.“ Die Sparkasse wird sich mit zehn Prozent an der KWG beteiligen.

Mit seinen Besuchen vor Ort und zahlreichen Informationsabenden hat es der Erste Kreisrat Kai Uffelmann zwar geschafft, dass sich die Mehrzahl der Gemeinden im Landkreis an der neuen Gesellschaft beteiligt. Doch es fehlen noch Hollenstedt, Tostedt und Stelle. Dort sollten insgesamt 200 Wohnungen entstehen. Denn je nach dem vorgesehenen finanziellen Beitrag ist auch der Anteil an den Wohnungen für die Gemeinden bemessen. Für Winsen, Buchholz, und Seevetal je 150, für Tostedt und Neu Wulmstorf 100 und für die kleineren Gemeinden je 50. Von den anvisierten 45 Millionen Euro Eigenkapital sind jetzt 36,35 Millionen Euro eingeworben. Es bleibt aber bei dem Ziel, innerhalb von fünf Jahren die 1000 neuen Wohnungen zu errichten. Die Bausumme würde dann bei 150 Millionen Euro liegen.

Landrat Rempe hat die drei Gemeinden noch nicht aufgegeben. „Es besteht Hoffnung, dass sie sich noch für die KWG entscheiden“, sagte er am Freitag. Er setzt auf den Erkenntniszuwachs, sobald die „Gesellschaft zeigt, dass sie liefern kann und sich die Mär von der Konkurrenz zur Privatwirtschaft zerstreut.“ Für weitere Mitglieder, versichert er , sei man offen. Denn grundsätzlich sollten ja alle Gemeinden dabei sein.