Harburg
Kinderbetreuung

„Der Kitaplan zeigt nicht den wahren Bedarf“

Foto: Stefanie Ender / HA

Grüne üben heftige Kritik am aktuellen Zahlenwerk des Landkreises – Problem liegt in der Datenerhebung.

Winsen.  Wie aussagekräftig ist der Bedarfsplan für Kindertagesstätten im Landkreis? Diese Frage beschäftigte die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses in ihrer jüngsten Sitzung im Winsener Kreishaus. „Wirklich zielführend ist der Plan nicht. Weil er den wahren Bedarf gar nicht aufzeigt und somit auch keine Planungsgröße für die Gemeinden darstellt“, lautete das Urteil der Grünen-Abgeordneten Elisabeth Meinhold-Engbers. Martina Menzel vom zuständigen Fachbereich „Besondere Leistungen für Kinder und Jugendliche“ verteidigte das Zahlenwerk.

Es sei „ordnungsgemäß“ erstellt. Das werde jedenfalls von der übergeordneten Aufsichtsbehörde des Landes regelmäßig amtlich bestätigt. Tatsächlich liefert das umfangreiche Zahlenwerk aber kaum mehr als eine statistische Momentaufnahme. Die noch dazu vom 1. August 2016 stammt, weil aktuelle Zahlen aus 2017 laut Menzel noch gar nicht vorliegen.

„Das ist genau der Punkt: Wir rennen der Zeit ständig hinterher, statt den Fokus auf Prognosen zu legen“, so Meinhold-Engbers. Das sei freilich nur möglich, wenn der Bedarf da abgefragt werde, wo man ihn genau kennt, nämlich bei den Eltern, ergänzte ihr Fraktionskollege Dr. Erhard Schäfer. Das sei organisatorisch wie personell aber offenbar nicht leistbar. „Doch ohne deutlich belastbare Zahlen stellt sich uns als Fraktion dann natürlich die Frage nach der Sinnhaftigkeit solch eines Plans“, erklärte Schäfer.

Exemplarisch deutlich wird das Spannungsverhältnis zwischen den in den Gemeindeverwaltungen abgefragten Zahlen und der Realität am Beispiel der Gemeinde Seevetal. Gemäß Bedarfsplan gab es dort per 1. August vergangenen Jahres 750 Kinder zwischen 1 und 3 Jahren. Von denen hatten 357 einen Krippenplatz, weitere 98 wurden in der Tagespflege betreut.

Das entspricht einer Versorgungsquote von respektablen 61 Prozent. Auf der Warteliste war angeblich nicht ein einziges Kind vermerkt. Nach Informationen der Grünen fehlen in Seevetal aber mindestens 113 Krippenplätze. Diesem Missverhältnis Herr zu werden ist offenbar schwierig.

Das Problem beginnt schon damit, dass es im Grunde kaum eine zentrale Erfassung gibt. In der Regel führen die Kitas ihre eigenen Wartelisten. Buchholz hat sich gerade auf den Weg gemacht, Angebot und Nachfrage über ihr neues Kita-Portal auf der Webseite der Stadt transparent zu machen.

Eltern können sich fortan direkt von zu Hause über die Kindertagesstätten in Buchholz informieren. „Nach einer einmaligen Anmeldung mit Profil­erstellung können sie anhand einer Suchmaske Kriterien für die Kita-Suche definieren und ihr Kind dann in bis zu fünf Einrichtungen anmelden“, so Stadtsprecher Heinrich Helms. Zu den Kriterien gehören die Ortslage der Einrichtung, die Betreuungszeiten, ab wann der Platz benötigt wird und ob die Einrichtung integrativ sein soll.

Das alles wird indes nur Wunschkonzert bleiben, so lange die Kapazitäten nicht konsequent ausgebaut werden. Laut Bedarfsplan sollen bis Ende 2017 zwar landkreisweit 264 neue Plätze im Krippen- und 370 Plätze im Elementarbereich (bis zur Einschulung) entstehen. Doch werden auch sie den wahren Bedarf kaum decken können.

Um den Kommunen größere finanzielle Spielräume für den Bau neuer Kitas zu eröffnen, soll die Kreisumlage um 2,5 Prozentpunkte abgesenkt werden. „Zusätzlich werden 3,54 Millionen Euro an die Gemeinden ausgezahlt“, so Sozialdezernent Reiner Kaminski.

Plätze und Bedarf

4517 Krippenkinder waren per 1. August 2016 im Landkreis Harburg registriert, die meisten in Seevetal (750), gefolgt von Buchholz (717) und Winsen (701). Für sie gab es 1969 Krippenplätze und 704 Plätze in der Tagespflege. 294 Kinder standen auf den Wartelisten.

Im Elementarbereich waren es 6907 Kinder, die meisten in Buchholz (1088), gefolgt von Seevetal (1061) und Winsen (1034). Für sie standen 7984 Plätze zur Verfügung, Ganztagsplätze: 3331.

Von 9519 Schulkindern im Alter von 6 bis 10 Jahren konnten lediglich 3201 Ganztagsangebote nutzen. Für weitere 1847 standen betreute Mittagstische zur Verfügung, 427 hatten einen regulären Hortplatz. Damit lag die Versorgungsquote bei 58 Prozent.

Nur Seevetal hat bis 2018 den Ausbau von 40 Plätzen in der nachschulischen Betreuung gemeldet.