Harburg
Bullenhausen/Ramelsloh

Seevetal unter Kitaplatzdruck

Spielen in der Containerkita: In Bullenhausen gibt es dank der provisorischen Lösung nun zwölf neue Krippenplätze

Spielen in der Containerkita: In Bullenhausen gibt es dank der provisorischen Lösung nun zwölf neue Krippenplätze

Foto: Stefanie Ender / HA

Kita im ContainerSchnell steigende Geburtenzahlen zwingen die Gemeinde Seevetal dazu, nun neben soliden Gebäuden auch provisorische Pavillons als Kita zu nutzen.

Bullenhausen/Ramelsloh.  Aufgeregt läuft der 14 Monate alte Luca durch den neuen Containerbau der Bullenhausener Kindertagesstätte. Seit gestern ist er hier der Hahn im Korb, denn da zog er mit fünf Mädchen in die provisorische Kita ein. Die schnell steigenden Kinderzahlen in Seevetal zwingen die Gemeinde, auf spartanische Lösungen wie diese sogenannten Pavillons zurückzugreifen. Auch in Maschen und Fleestedt sind für das kommende Jahr Container geplant. An anderen Stellen werden feste Kitagebäude gebaut – aktuell in Ramelsloh.

„Wir wenden die Holzrahmenbauweise an, denn sie erlaubt es uns, schnell zu bauen“, erklärt Thorsten Hein, Leiter der Seevetaler technischen Gebäudewirtschaft. Er steht vor dem hochgezogenen, noch eingezäunten aber soliden Haus an der Ohlendorfer Straße in Ramelsloh. Seit Frühjahr dieses Jahres wird hier gebaut.

55 Betreuungsplätze werden entstehen, zwei Krippengruppen und eine Gruppe für drei- bis Sechsjährige. „Wir wollen das Gebäude Ende des Jahres an den Träger übergeben. Es fehlt nur noch die Inneneinrichtung“, so Hein.

Die Zeit drängt, denn es gibt zu wenige Krippenplätze. Trotz des Ramelsloher Neubaus werden nach aktuellem Stand 2018 insgesamt 326 von 728 gemeldeten Seevetaler Kindern im Alter von ein bis drei Jahren keinen Platz bekommen.

Im Elementarbereich, der Kinder von drei bis sechs Jahren umfasst, rechnet die Gemeinde hingegen einen Überschuss aus: nur 1107 Kinder kommen auf ganze 1198 Plätze. „Wir brauchen diese Versorgungsquote von über 100 Prozent für den Elementarbereich, denn viele Kinder stehen kurz vor dem Wechsel von der Krippe in die Kita“, erklärt Manja Theuerkauff, Leiterin der Seevetaler Sozialabteilung.

Das Problem seien die zu knappen Krippenplätze, meint auch Gemeindesprecher Andreas Schmidt. Denn selbst wenn Eltern ihre Kinder bereits zu Beginn der Schwangerschaft anmelden, bleibe der Gemeinde nur eine Vorplanzeit von einem Jahr. Die Gemeinde rechnet außerdem mit zukünftig steigenden Kinderzahlen.

„Eine Prognose ist schwierig, aber wir erwarten, dass mehr Familien in die Seevetaler Neubaugebiete ziehen und dass es verstärkt dritte Kinder in den Familien gibt“, so Schmidt. Auch der Generationenwechsel in den Orten lasse vermuten, dass es mehr Kinder geben wird. „Ältere ziehen aus, junge Familien mit Kindern ein“, fasst Theuerkauff zusammen.

Deshalb nun also die Container. Sie können schneller gebaut werden und kosten deshalb auch weniger. „Wir können die Pavillons in maximal eineinhalb Jahren umsetzen“, so Theuerkauff. Seit vergangener Woche ist der erste in Bullenhausen in Betrieb. Bereits sechs Krippenkinder spielen hier täglich. Bis Ende des Jahres werden insgesamt zwölf aufgenommen. „Wir lassen den Kindern Zeit für ihre Eingewöhnung“, erklärt Leiterin Sabine Witzel die langsame Belegung des Containers. Von außen wirkt der braune Klotz gegenüber dem bunten Bullenhausener Kindergarten eher trist.

Die hellen und freundlichen Räume im Inneren lassen allerdings nicht vermuten, dass hier Kinder in einem Container spielen. Von einem bunten Flur aus erstrecken sich ein geräumiger Gruppenraum, ein Schlafraum, der wegen klappbarer Betten tagsüber zum Bewegungsraum umfunktioniert werden kann, ein Mitarbeiterraum, ein Hauswirtschaftsraum, Küche und Bad.

„Wir haben hier eine Luxusausstattung. Das hätte ich nie gedacht“, freut sich Witzel. Auch der kleine Luca rennt durch den langen Flur und lacht. „Dadurch dass es diesen neuen Platz hier gibt, hatten wir keine Probleme einen Kitaplatz zu finden“, sagt Marlene König und nimmt ihren Sohn Luca auf den Arm.

Die Situation ist nicht überall in Seevetal gleichermaßen schlecht. Mit dem aktuellen 1,3 Millionen teuren Neubau, der vom Land mit 360.000 Euro und vom Landkreis mit 82.500 Euro bezuschusst wird, kann die Gemeinde mit Blick auf Ramelsloh, Ohlendorf und Holtorfsloh vorerst aufatmen. „Wir erreichen hier eine gute Quote“, so Theuerkauff.

„Ich spüre keinen Stillstand. Die Gemeinde ist sehr engagiert, aber zaubern können die eben auch nicht“, meint Catrin Feddersen, Leiterin der Meckelfelder Kita und beratendes Mitglied im Sozialausschuss. So fehlen im Raum Maschen und Fleestedt Betreuungsplätze, und zwar akut sowohl im Krippen- als auch im Elementarbereich. Deshalb plant die Gemeinde dort im nächsten Jahr je einen Container aufzustellen.

In jeden sollen eine Krippen- und eine Elementargruppe passen. Derzeit werde noch ein geeigneter Standort gesucht. Die Kirche habe ihr Gelände in Maschen angeboten, erzählt Gemeindesprecher Schmidt. Das Ganze müsste auf der nächsten Sitzung des Sozialausschusses am 21. September von der Politik mitgetragen werden, um auf den Weg gebracht zu werden.

Kitaplatzmangel

In Maschen, Horst und Hörsten fehlen trotz vier Maschener Kindergärten aktuell 113 Krippen- und 43 Kitaplätze. Mit einer Versorgungsquote von 34,5 Prozent schneiden die Orte in der Krippenbetreuung sehr schlecht ab.

Fleestedt und Beckedorf haben 48 Krippen- und 30 Kitaplätze zu wenig. Die Versorgungsquote im Elementarbereich ist mit 73,5 Prozent zu niedrig. Deshalb soll die vom DRK betriebene Kita in Fleestedt Verstärkung bekommen.

Mit den weiteren Containern, die für das kommende Jahr in Maschen und Fleestedt geplant sind, würde sich die Situation etwas entspannen. Maschen würden dennoch 98 Krippen- und 18 Kitaplätze fehlen. In Fleestedt gäbe es immerhin noch 33 Krippen- und fünf Kitaplätze zu wenig.

Die Versorgungsquoten der Gemeinde werden dem Sozialausschuss am 21. September vorgelegt, der darauf basierend über den Pavillonbau diskutiert.