Harburg
Verkehr

„Der Landkreis braucht ein Lärmkonzept“

Claus Eckermann, Thomas Bohn, Ursula Caberta und Gerd Schulz

Claus Eckermann, Thomas Bohn, Ursula Caberta und Gerd Schulz

Foto: Rolf Zamponi / HA

SPD-Kreistagsfraktion fordert einen Aktionsplan für den Verkehr im Kreis. Landrat soll Lkw-Durchfahrt in Pattensen verbieten.

Winsen/Pattensen.  Das Hinweisschild an der kurvenreichen, engen Ortsdurchfahrt Pattensens nahe der historischen Gertrud-Kirche von 1628 ist eine deutliche Mahnung. Seit mehr als 2000 Tagen warteten die Einwohner hier auf ein Lkw-Fahrverbot, das der Kreistag am 23. Mai 2011 einstimmig beschlossen hatte, tut das Schild kund. Denn das Verbot kam nicht.

Vielmehr müssen die Bürger bis heute Lärm und Abgase vor allem von Lkw hinnehmen,die auf der Achse Luhdorf-Pattensen-Thieshope das Maschener Autobahn-Kreuz umfahren. „Doch wir lassen nicht locker. Gibt’s nicht, gibt es für mich nicht“, ist das Motto von Ursula Caberta, Mitglied im SPD-Ortsverein Pattensen, Kreistagsabgeordnete und zudem als ehemalige Sektenbeauftragte Hamburgs im Kampf gegen die Scientology-Kirche gestählt. Die Unterstützung der SPD-Kreistagsfraktion ist der Politikerin gewiss.

Die fordert in einem Antrag für den Kreistag am 26. September jetzt nicht nur ein Durchfahrtverbot für Lkw ab zwölf sondern schon ab 7,5 Tonnen. Landrat Rainer Rempe soll diesen Verkehr auf der Kreisstraße 8 untersagen und dem Land nahebringen, dies auch für die in Niedersachsens Regie liegende Pattenser Hauptstraße zu tun.

Als Begründung verweist die SPD auf eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgericht von 2011. Darin heißt es: „Mögliche Verkehrsbeschränkungen und -verbote sind auch im Hinblick auf die Verhältnismäßigkeit daran zu messen, inwieweit sie dem Ziel dienen können, den Durchgangsverkehr mit schweren Nutzfahrzeugen insbesondere zum Schutz der Wohnbevölkerung auf der Autobahn zu halten beziehungsweise dorthin zurückzuleiten.“

Das Lkw-Durchfahrtverbot gilt dabei in Pattensen bei SPD und der Interessengemeinschaft Pro Pattensen nur als erster Schritt für eine Verkehrsberuhigung. Der zweite wäre Tempo 30, das über ein vom Land gestartetes Modellprojekt erreicht werden könnte. Winsen, zu dem der Ortsteil Pattensen zählt, will dabei sein.

Start für das Projekt, das über eine Laufzeit von drei Jahren Aufschluss über die Auswirkungen von reduzierter Geschwindigkeit auf Lärm, Luft, Sicherheit und Verkehrsfluss geben soll, wird im kommenden Jahr sein. „Es ist aber noch nicht entschieden, ob wir dabei sein werden“, sagt Stadt-Sprecher Theodor Peters. Am Mittwoch kommt nun der SPD-Verkehrsexperte und Landtagsabgeordnete Gerd Will nach Pattensen, um Perspektiven zur Verkehrsberuhigung aufzuzeigen (siehe Info rechts unten).

Eine Ortsumgehung für Luhdorf und Pattensen gehört für den SPD-Ortsverein Winsen jedoch nicht dazu. Schon wegen der geschätzten Kosten von rund 30 Millionen Euro, die „nicht zu verantworten“ seien. Zudem drängen Caberta sowie Gerd Schulz von der Interessengemeinschaft auf rasche Veränderungen und wollen nicht weiter über Jahre hinweg auf eine ungewisse Lösung hoffen.

Auf Kreisebene hat das Problem Lärm für die SPD Priorität. „Wir nehmen den Antrag aus Winsen zum Anlass, das Problem ganzheitlich an die Oberfläche zu bringen“, sagt der Fraktionsvorsitzende Tobias Handtke. „Wir brauchen ein Konzept, um Verkehrsbelastungen im gesamten Kreis zu verringern. Da müssen wir aktiver werden.“

Denn der Verkehr, da ist auch der stellvertretende Landrat Uwe Harden sicher, nimmt im Landkreis immer mehr zu. Hauptgründe dafür seien der Sog von Hamburg, wohin Pendler täglich unterwegs sind und der Transport von online bestellten Paketen, Er dürfte mit dem Amazon-Zentrum in Winsen weiter zunehmen. „Aber auch die Entfernung, aus der die Arbeitnehmer anreisen, wird immer größer. Wir sind zum Transitlandkreis geworden“, so Harden. „Alle, die aus dem Süden kommen, müssen hier durch.“

Für Niedersachsen sei der Landkreis, da sind sich Harden und Handtke einig, ein „Motor für die Wirtschaft.“ Das lasse sich schon an den nach Hannover fließenden Steuern ablesen. Doch die Infrastruktur hinke hinterher. Der Nahverkehr sei auf die Bedürfnisse von Schülern ausgerichtet, die Bahnhöfe abends kaum mehr zu erreichen und aus der Kreisstadt müsse man noch immer nach Ashausen fahren, um von einem günstigen HVV-Tarif zu profitieren. Da sei das Land gefordert. Denn die Solidarität des Kreises gelte auch umgekehrt. „Wir haben im Verkehr und beim teuren Wohnen Probleme wie Großstädte aber geringere Einnahmen,“ sagt Handtke, der im Oktober für den Landtag kandidiert.

Lkw-Fahrverbote und Tempo 30: Das wären erste Schritte, um den Verkehr zu lenken und so die Nerven der Bürger zu schonen. „Ein Konzept zur Lärmverhinderung“, sagt Handtke, „steht uns da gut zu Gesicht.“