Harburg
Cranz

Wanderwege an der Este wuchern zu

Henning Wulff pflegt den Estewanderweg in Privatinitiative

Henning Wulff pflegt den Estewanderweg in Privatinitiative

Foto: Lars Hansen / xl

Chaotische und ungeklärte Besitzverhältnisse sorgen dafür, dass sich niemand zuständig fühlt – außer zwei Anwohnern.

Cranz.  „Wenn mein Nachbar und ich den Este-Wanderweg nicht regelmäßig mähen würden, wäre er schon nicht mehr benutzbar“, sagt Henning Wulf. „Wir machen das zwar gerne, damit der Weg auch für Touristen und Ausflügler ansehnlich ist, aber das wir es als Privatleute machen müssen, finde ich ärgerlich!“

Was passiert, wenn so ein Weg nicht gepflegt wird, sieht man am zweiten Fußweg durch das 25 Morgen genannte grüne Dreieck links der Estemündung, dem 25-Morgen-Weg: Zweige hängen bis auf Augenhöhe herunter in den Weg, der Boden ist schlammig und voll tiefer Pfützen, Sträucher und Jungbäume wuchern von beiden Seiten und machen den Weg immer schmaler.

„Este-Wanderweg“ wäre für den 750 Meter langen Pfad, den Wulf und sein Freund Gerd Rehder pflegen, eigentlich eine etwas hochtrabende Bezeichnung, aber dieses Stück ist nur ein Teil eines gut fünf Kilometer langen Fußwegs, der auf der Deichkrone oder am wasserseitigen Deichfuß über die Landesgrenze hinweg von der Estemündung flussaufwärts bis nach Königreich führt. „Tourismus ist für Cranz ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“, sagt Wulf, „und ich finde, dass die Gäste sich hier wohlfühlen und ihre Zeit hier genießen sollen.“

Dafür wurde der Weg einst auch schön angelegt: Es gibt Bänke, die einen Blick auf den Fluss und die gegenüberliegende Werft erlauben, eine Holzbrücke über die große Wettern, die hier mit der Este verbunden ist und eigentlich sollte man auch beim Wandern immer wieder einen Blick auf die Este werfen können. Allerdings sind die Ufer mit Weiden und Pappeln zugewachsen. „Den Weg mähen wir, aber an die Bäume gehen wir nicht heran. Die Genehmigung dafür erhält nur der Grundeigentümer.“

Wer das ist, haben Wulf und Rehder noch nicht herausgefunden. Angelegt wurde dieser Teil des Estewanderwegs einst von der Sietas-Werft, welcher der Uferstreifen gehörte. Als die Werft in die Insolvenz ging, wurde der reine Schiffbaubetrieb zwar von einem neuen Investor übernommen, die zahlreichen Nachbargrundstücke der Werft, die Sietas einst aufgekauft oder gepachtet hatte, jedoch nur zu einem kleinen Teil.

Theoretisch müsste die Hamburg Port Authority für das Gelände zuständig sein, weil dieses immer noch als Hafengebiet gewidmet ist. „Die HPA pflegt aber nur die Wettern und den Uferstreifen daneben, damit sie ihn befahren kann“, sagt Wulf, „mehr machen die selten. Neulich wurden an der Holzbrücke allerdings einige morsche Bohlen ausgetauscht, nachdem es jahrelang Beschwerden darüber gegeben hatte.“

Nicht nur Touristen nutzen den Este-Wanderweg. Auch für die Cranzer selbst ist er eine wichtige Verbindung zum Fähranleger Neuenfelde am neuen Este-Sperrwerk. Wenn die Elbfähre nämlich mal wieder wegen des Wasserstandes nicht bis nach Cranz fährt, müssen die Cranzer dorthin, um den Dampfer nehmen zu können. Über den Este-Wanderweg geht das nicht nur einige entscheidende Minuten schneller als der Weg entlang der Straßen, sondern es ist auch schöner und mit deutlich weniger Belastung durch vorbeifahrende Autos verbunden.

Eine solche Abkürzung ist auch der 25-Morgen-Weg. Er führt parallel zum Elbdeich hinter den Obstfeldern entlang zur Este und zum Este-Wanderweg. „Dieser Weg wurde einmal für die Obstbauern angelegt, und sie nutzen ihn auch immer gern“, sagt Wulf, „aber sie kümmern sich nicht darum.“

An einigen Stellen ist der 25-Morgen-Weg behelfsmäßig asphaltiert, an anderen allerdings eine bloße Schlammlandschaft, die man mit Trecker und Gummistiefeln eventuell noch bewältigen kann, als normaler Fußgänger jedoch nicht. Die Cranzer Bezirksversammlungsabgeordnete Gudrun Schittek (Grüne) will jetzt wissen, wer an welcher Stelle des Gebietes für die Wegepflege zuständig ist und ob es einen Plan gibt, welche Pflegemaßnahmen die Eigentümer durchzuführen haben. „Das Problem der unklaren Zuständigkeiten wiederholt sich in Cranz immer wieder“, sagt Gudrun Schittek, „bei den Radwegen am Deich, beim Schulweg und jetzt hier.“

Henning Wulf findet die Anfrage gut: „Es muss hier mal Klarheit geschaffen werden. Ich bin ja auch schon Rentner. Wer mäht denn hier den Wanderweg, wenn Herr Rehder und ich nicht mehr können?“