Harburg
Verkehr

Mehr Platz für Räder auf der Straße

Zahlreiche Radwege im Landkreis verkommen zu Holperstrecken und werden vielerorts als Gefahrenstelle ausgewiesen wie hier an der Hittfelder Landstraße.

Zahlreiche Radwege im Landkreis verkommen zu Holperstrecken und werden vielerorts als Gefahrenstelle ausgewiesen wie hier an der Hittfelder Landstraße.

Foto: Bianca Wilkens / HA

Radwegekonzeptfür den Kreis wird am 18. Oktober vorgestellt. Diskussion über neue Regelungen für Schilder

Winsen.  Die Liste der Ärgernisse für Radfahrer ist lang. Zu enge, holprige Wege, die teilweise gemeinsam mit Fußgängern genutzt werden müssen. Dazu Verkehrsschilder, die die Radler auf diese Wege zwingen, obwohl sie gern auf die Straßen ausweichen würden. Solche Probleme hatte zuletzt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Landrat Rainer Rempe in einem Brandbrief vorgehalten. Die Gruppe Grüne/Linke setzte im Kreis-Bauausschuss nach. „Wir haben eine unbefriedigende Situation für Radfahrer“, kritisierte Karina Kressel (Grüne). „Es muss endlich bauliche Veränderungen geben. Das Auto darf nicht immer Vorrang haben.“

Ohne Zweifel zeigt sich die Kreisverwaltung mit dem Ende 2015 in Auftrag gegebenen Radwegekonzept (siehe Infokasten) willig. Aktionen werden zunächst jedoch noch auf sich warten lassen. Denn das Konzept, auf das sich die Grünen/Linken mit ihrem Antrag gern beziehen wollten, liegt noch nicht vor. „Das Thema brennt allen unter den Nägeln“, räumte Kreisrätin Monika Scherf ein. Derzeit sei man aber noch mit den Gutachtern im Gespräch. Das Konzept soll nun am 18. Oktober in einer Sondersitzung des Bauausschusses vorgestellt und diskutiert werden. „Wir wissen auch“, so Scherf, „dass die Radwege derzeit nicht so sind, wie sie sein müssten.“

Schon seit 1997 gilt die Radweg-Pflicht nicht mehr

Immerhin: Bereits am 4. September soll der zuständige Kreis-Ordnungsausschuss nun das Thema der Verkehrsregelungen angehen. Denn schon seit 1997 gilt die Benutzungspflicht für Radwege für Fahrradnutzer nicht mehr. Besonders seit immer mehr von ihnen mit elektrischer Unterstützung und damit auch mit höherem Tempo unterwegs sind, sei eine gemeinsame Nutzung der Wege den Fußgängern nicht mehr zuzumuten, meint Kressel.

„Wir haben aber das Gefühl, dass im Landkreis Recht ignoriert wird.“ Deshalb fordert die Gruppe Grüne/Linke nun:
■ Schilder zu ersetzen, die Fußgänger und Radler auf einen Weg zwingen.

■ Eine Liste für die Bereiche vorzulegen, wo die Beschilderung auf Grund einer besonderen Gefahrenlage nicht geändert werden kann und diese Auffassung zu begründen.

■ In diesen Bereichen die Radwege nachzubessern und zudem

■ mit den Städten und Gemeinden das Gespräch zum Thema zu suchen.

Doch solche Listen vorzulegen, hält Kreisrätin Scherf für kaum möglich. „Wir müssen beim Abbau von Schildern in jedem Einzelfall detailliert prüfen“, sagte sie im Ausschuss. Dies ist schon deshalb zeitintensiv, da die Untere Verkehrsbehörde, zu der neben dem Landkreis auch Buchholz, Winsen und Seevetal sowie in Ausnahmefällen die Gemeinden Tostedt und Neu Wulmstorf gehören, sich auch mit der Polizei und den jeweiligen Straßenbaulastträgern auseinander setzen muss. Die Baulastträger sind zwar wiederum bei Land, Kreis und Gemeinden angesiedelt. Ihre Mitarbeiter sind aber in anderen Ämtern beschäftigt als das Personal der Verkehrsbehörde.

„Wir können die Beschilderung nur sukzessive verändern“, sagt Kreis-Sprecher Bernhard Frosdorfer.

Der Stellenwert des Radverkehrs ist im Landkreis zuletzt gestiegen. So wurden zwischen 2008 und 2015 rund elf Millionen Euro für Neubau und Sanierung investiert, während in den Jahren von 2000 bis 2007 noch sechs Millionen Euro ausgegeben wurden. Die Länge der hergerichteten und neuen Wege stieg dann im vergangenen Jahr auf sieben Kilometer an. Für dieses Jahr sind insgesamt sechs Kilometer geplant. „Aus dem Radwegekonzept werden aber voraussichtlich weitere notwendige Maßnahmen resultieren“, sagt Frosdorfer. „Bund, Land und Nachbarkreise sind ebenfalls mit im Boot.“ Auch ihnen wird der Landkreis das neue Radwegekonzept vorlegen.