Harburg

Brückenbau bereitet neue Probleme

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Lars Hansen
Die Brücke Hannoversche Straße ist Baujahr 1956, sie ist 73 Meter lang und 24 Meter breit. Ihre Spannbeton-Konstruktion weist bereits Mängel auf, weshalb die Brücke abgerissen und durch einen in der Länge verkürzten Neubau ersetzt werden soll

Die Brücke Hannoversche Straße ist Baujahr 1956, sie ist 73 Meter lang und 24 Meter breit. Ihre Spannbeton-Konstruktion weist bereits Mängel auf, weshalb die Brücke abgerissen und durch einen in der Länge verkürzten Neubau ersetzt werden soll

Foto: Jochen Gipp / HA

Suche nach alten Weltkriegsbomben: Pause auf der Baustelle für die Fußgänger- und Radfahrer-Hilfskonstruktion an der Hannoverschen Straße.

Harburg.  Während die baufällige Brücke an der Hannoverschen Straße über die Bahngleise der Unterelbebahn erneuert wird, soll ein Behelfskonstrukt Radfahrern und Fußgängern weiterhin ermöglichen, hier die Gleise zu queren. Der Bau dieser Behelfsbrücke steht vor dem Abriss der alten Brücke. Im März wurde mit der Behelfsbrücke begonnen und man konnte sie fast täglich wachsen sehen. Nur in den letzten Wochen tat sich nichts: Der Brückenbau war im wahrsten Sinne des Wortes in der Luft hängen geblieben. Seit gestern geht es allerdings weiter.

Der Grund für die Pause: Dort, wo das Fundament für den nächsten Pfeiler mit Pfählen gegründet werden sollte, konnte man diese Pfähle nicht versenken. „Aufgrund von verschiedenen Leitungsfunden im Bereich der Tiefgründung müssen die weiteren Pfeiler für die Brücke leicht versetzt gegenüber den anfänglichen Planungen errichtet werden“, sagt Christian Füldner, Pressesprecher der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, „Die neuen Flächen müssen zunächst nach Kampfmitteln sondiert werden.“

Die Kampfmittelsondierung wird nach Füldners Angaben in dieser Woche durchgeführt. In der zweiten August-Woche werden laut Füldner die Pfähle für die Tiefgründung gebohrt. Danach folgen die Fundamente und die Aufstellung der restlichen Überbauten. Voraussichtlich ab September werden die Leitungen, die jetzt noch in der alten Brücke die Bahntrasse queren, wie etwa Strom und Telekom, in die Behelfsbrücke verlegt. „Das wird bis zum Ende des Jahres dauern“, sagt Christian Füldner.

Auf die für Januar geplante Freigabe der Behelfsbrücke für Fußgänger und Radfahrer soll die jetzige Verzögerung keinen Einfluss haben. Die Zeit lasse sich bis dahin wieder aufholen und vor allem sind die Gleise bereits überquert, so dass man bei der Bahn keine neuen Sperrzeiten beantragen muss. „Es bleibt bei der Freigabe der Brücke Anfang 2018“, sagt Füldner.

Von der Behelfsbrücke aus wird man auch einen guten Blick auf die Abbrucharbeiten der alten und die Bauarbeiten der neuen Brücke haben. Außer den Gleisen überspannte die alte Brücke auch diverse Betriebsgebäude der Bahn. Diese werden nicht mehr benötigt und wurden zum größten Teil bereits abgerissen. Auch der Rest bleibt nicht mehr lange stehen. Die neue Brücke kann daher um einiges kürzer ausfallen, als die, die sie ersetzt: Statt vorher 71 Metern muss sie nur noch 26 Meter überbrücken. Das heißt auch, dass der als Damm aufgeschüttete Anstieg zur neuen Brücke sanfter ausfallen wird.

Bei aller Kürze lässt die neue Brücke sogar noch Platz für ein mögliches drittes Gleis, von dem die Bahn noch nicht weiß, ob sie es überhaupt bauen möchte. Diese Unsicherheit hatte zu einiger Planungsverzögerung beim Neubau geführt. Schließlich entschied sich der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer dazu, nicht weiter abzuwarten und gleich die größere Variante zu planen. Die Zeit drängt nämlich, da die bestehende Brücke immer weiter verfällt. Für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen ist sie bereits gesperrt. Auch eine Vollsperrung war zeitweise im Gespräch. Die Spannbetonkonstruktion hat nun etwas über 60 Jahre auf dem Buckel.

Auch wenn der Neubau unten herum deutlich kürzer ausfallen wird als sein Vorgänger, so hat die Brücke in Zukunft doch oben mehr zu tragen und wird deshalb an Breite zulegen: Die Brücke erhält einen zusätzlichen Fahrstreifen und einen breiten Radfahrstreifen für die Hamburger Veloroute 11. Sechs Meter Zusatzbreite bringen die Brücke dann auf stolze 30 Meter , das sind vier Meter mehr, als sie lang ist. Die voraussichtlichen Kosten des Neubaus liegen bei knapp 13 Millionen Euro. Das Projekt soll Mitte 2019 beendet sein. Dann wird auch die Behelfsbrücke wieder zurückgebaut.

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