Harburg
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So dienen Catering und Pferde der Integration

Drei der Frauen hinter dem Catering-Service Chickpeace (v. l.): Manuela Maurer, Rahsan Tütünen, die die Köchinnen schult, und Shjkri Abdilahi Ibrahim

Drei der Frauen hinter dem Catering-Service Chickpeace (v. l.): Manuela Maurer, Rahsan Tütünen, die die Köchinnen schult, und Shjkri Abdilahi Ibrahim

Foto: Peter Kafka

Ohne Ehrenamtliche, Kooperation und Ideen geht es in der Flüchtlingshilfe nicht. Bezirk bewilligt Geld für „Chancenreiter“.

Harburg.  Für viele Mädchen und Jungen sind die Sommerferien die schönste Zeit des Jahres. Andere, die nicht verreisen können, fallen mit Ferienbeginn in ein Loch. Das gilt vor allem für viele der Flüchtlingskinder, die in Harburger Unterkünften wohnen. „Sie erleben ständig, dass sie anders sind. In den Ferien verstärkt sich das oft“, sagt Birgit Rajski, Geschäftsführerin von Open arms, einer gemeinnützigen Gesellschaft mit Sitz im hit-Technopark. Seit 2015 arbeite sie vor allem daran, Flüchtlingen bei der Integration zu helfen sowie Ehrenamtliche zu stärken und zu vernetzen.

Angeboten wurden bereits unterschiedliche Workshops zu Themen wie Asylrecht oder interkulturelle Kompetenzen. Aber auch um „Argumente gegen Stammtischparolen“ ging es. In der Bostelbeker Flüchtlingsunterkunft Am Radeland gibt es darüber hinaus Sprachkurse, Nähtreffs und ein Nachbarschaftscafé.

Dabei setzt Open Arms auf Kooperationen. Etwa mit dem Roten Kreuz, den Lokalen Partnerschaften oder dem Kindertreff Heimfeld.

„Wir sind bestrebt, dass die Kinder gerade in der schulfreien Zeit auch in Kontakt mit anderen kommen und Schönes erleben“, schreibt fördern und wohnen, Betreiber mehrerer Flüchtlingsunterkünfte in Harburg. Das geht nicht ohne den Einsatz Ehrenamtlicher und die Angebote unterschiedlicher Träger – vom Jugendcafé im Neugrabener BGZ bis zum Mädchentag im Freizeitzentrum Feuervogel von In Via.

Natürlich, die Mitarbeiter der Unterkünfte geben Tipps, helfen bei der Orientierung und halten die üblichen Angebote aufrecht. Am Radeland sind das beispielsweise neben Sprachkursen auch Nähtreffs und für alle offenen Spielnachmittage im „Blauen Haus“. In der Wohnunterkunft Neuenfelder Fährdeich sind unter anderem ein Schwimmprojekt und ein Fußballturnier geplant. In der Unterkunft in Lewenwerder in Neuland gibt es ein einwöchiges Projekt „Figurenspiel“, die Kinder von der Unterkunft an der Winsener Straße besuchen kostenfrei den Zirkus Karawane in Neugraben. Das Ferienprogramm steht im Internet: http://www.hamburg.de/harburg/2948178/sommerferienprogramm/.

Generell gilt: Ohne freiwillige Helfer wäre dies und vieles mehr kaum möglich. Was aus ehrenamtlichen Engagement alles entstehen kann, zeigt sich am Beispiel von Manuela Maurer. Die Sozialpädagogin hatte zunächst privat an einem Workshop von Open arms teilgenommen, noch bevor die ersten Flüchtlinge Am Radeland einzogen. Als sie dann da waren, die Menschen aus Syrien, dem Irak, Iran, Afghanistan, Eritrea und Somalia, stellte sich die Frage: Was können wir speziell für Frauen tun, gerade diejenigen, die allein nach Harburg gekommen waren. Manuela Maurers Idee: Buffet-Begegnungen.

Über sechs Wochen treffen sich jeweils fünf Flüchtlingsfrauen mit fünf Einheimischen sonnabends oder sonntags zum Kochen. Das fördert das Kennenlernen, erleichtert das Erlernen von Sprache, und immer gibt es etwas zu Essen – internationale und deutsche Kost. Wer Lust hat mitzumachen, wendet sich an Estelle Bolin (estelle­­­­_bolin@hotmail.de; mobil 0176 610 17 095). Was als Begegnung angefangen hat, ist inzwischen sogar zu einem Unternehmen und für einige der geflüchteten Frauen zu einer beruflichen Perspektive geworden: der Catering-Service Chickpeace hat schon für Firmenfeste, Vernissagen und Empfänge gekocht. Ein bis zwei Aufträge pro Woche gingen derzeit ein, sagt Manuela Maurer: „Auch aus anderen Stadtteilen.“

Sie selbst werkelt schon wieder an einer neuen Idee. Dieses Mal stehen Mädchen und Jungen zwischen drei und 17 Jahren im Fokus. „Chancenreiter“ nennt sie dieses neue Projekt mit Pferden, das zunächst Am Radeland starten soll und für das der Hauptausschuss jetzt 31.000 Euro bewilligt hat.

Weitere 8500 Euro steuert Open arms bei. Geschäftsführerin Birgit Rajski ist ganz angetan: Der Umgang mit Pferden soll den Kindern nicht nur helfen, die Schrecken der Flucht zu verarbeiten, sondern auch, sich die Umgebung zu erschließen.

Erfahrungen mit sogenannter tiergestützter Pädagogik hat Manuela Maurer reichlich. Ihr Verein Hundebande war Träger eines bundesweit einmaligen Projektes: Ehemalige Häftlinge bildeten Welpen zu Blindenführhunden aus. Diese Erfahrungen sollen einfließen in die „Flüchtlingshilfe auf vier Beinen“. Maurers Ziel: Kinder und Jugendliche sollen nicht nur am sozialen Leben außerhalb der Unterkunft teilhaben, sie sollen auch die Chance bekommen, Teil einer neuen Gemeinschaft zu werden.