Harburg
Karriere

Der Marmstorfer im Weinberg

Daniel Eilers aus Marmstorf findet Erfüllung im Weinberg

Daniel Eilers aus Marmstorf findet Erfüllung im Weinberg

Foto: Eilers / HA

Daniel Eilers gehört zu Deutschlands besten Nachwuchswinzern 2017. Seine Berufung lebt er in Franken aus

Marmstorf/Würzburg.  Der Harburger Süden wird zum Exzellenzzentrum gehobener Alkoholproduktion: Nicht nur, dass der ehemalige Weltmeister der Biersommeliers ein Sinstorfer Brauer ist, nein: auch einer der besten Nachwuchswinzer Deutschlands, lernt seinen Beruf zwar in Würzburg, ist aber eigentlich ein Marmstorfer: Daniel Eilers, 23, der derzeit seine Ausbildung auf dem „Weingut am Stein“ genießt, ist auf Umwegen in Franken und in dem Beruf gelandet.

Für den Bundeswettbewerb der Nachwuchswinzer musste er allerdings zurück in den hohen Norden kommen: Die Berufswettbewerbe der Landjugend richtete Mecklenburg-Vorpommern aus. Selbst dort gibt es noch ein richtiges Weingut.Daniel Eilers belegte den sechsten Platz. Die meisten seiner Konkurrenten sind im Weinberg aufgewachsen und hatten deshalb ein wenig Vorsprung.

Anfang Juni fanden die Final-Wettbewerbe der Landjugend in Güstrow statt. An den Vorentscheiden hatten sich bundesweit mehr als 10.000 junge Menschen in den Kategorien Forst-, Tier, Haus- und Landwirtschaft sowie Weinbau beteiligt.

Die Winzer hatten dabei kein leichtes Los: Das einzige ernstzunehmende Weingut Mecklenburg-Vorpommerns liegt 120 Kilometer vom Hauptort der Finalwettbewerbe entfernt. „Für den praktischen Teil der Prüfung wurden wir dann morgens von Güstrow zum Schloss Rattey gebracht und abends zurück. Da hatten die anderen Disziplinen längst Feierabend, wenn wir ankamen“, sagt Daniel Eilers.

Missen möchte er die Wettbewerbe allerdings nicht: „Der Austausch mit vielen anderen Jungwinzern tat gut und bringt neue Ideen und Perspektiven“, sagt er.

Weinbau war nicht das erste, was Daniel Eilers in den Sinn kam, als er vor fünf Jahren das Immanuel-Kant-Gymnasium verließ. Zunächst führte ihn sein Weg nach Leipzig. Dort studierte er Philosophie. „In Leipzig geriet ich eher zufällig in eine Weinverkostung und sprach mit der Winzerin und dem Winzer über Wein und Weinbau. Da war mein Interesse schon geweckt.“

Dass das Philosophiestudium für ihn nichts war, hatte Eilers nämlich schon nach dem zweiten Semester gemerkt. Direkt in den Weinberg ging es dennoch nicht. Zunächst bereiste Daniel Eilers Indien. „Danach stand mein Entschluss allerdings fest: Ich wollte Winzer werden.“

Das Weingut am Stein ist Eilers’ zweiter Lehrbetrieb: „Die Herangehensweise meines Lehrherren, ökologischen Anbau mit Spitzenweinen verbinden zu wollen, hat mich fasziniert“, sagt Daniel Eilers, „hier kann ich Weinbau lernen, wie ich ihn in Zukunft gern selbst betreiben und weiter entwickeln möchte. Deshalb habe ich noch einmal meine Lehrstelle gewechselt.“ Offensichtlich haben ihm aber beide Lehrherren ordentliches Können vermittelt, sonst hätte er in den Wettbewerben nicht so gut abgeschnitten. Im Finale stand er unter anderem vor der Aufgabe, eine Zeile Reben für einen neuen Weinberg anzupflanzen oder Wein aus einem Fass abzufüllen, ohne Hefe aufzuwirbeln. Abstich nennt sich das. Dazu kamen Aufgaben aus Berufstheorie und Allgemeinwissen. Punkten konnte er, wenn er Gefahrenzeichen kannte oder wusste, wie lang ein Jugendlicher maximal pro Woche arbeiten darf. Der Marmstorfer erreichte am Ende 81,2 Punkte. Damit schaffte er es bundesweit in die Top 6 der Nachwuchs-Kräfte seines Fachs. Beachtlich, denn jedes Bundesland mit Weinbau hatte zwei Teilnehmer ins Rennen geschickt.

„Das Leistungsniveau beim Bundesentscheid war enorm“, sagt Kathrin Muus, die stellvertretende Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend, „Viel beeindruckender waren aber der Zusammenhalt und das Miteinander bei diesem Wettbewerb. Diese starken Nachwuchskräfte werden die Zukunft der Branche bestimmen“.

Was die eigene Zukunft angeht, gibt es bei Daniel Eilers noch keine sichere Prognose. „Die meisten anderen Jungwinzer sind im Familienbetrieb aufgewachsen und übernehmen ihn irgendwann. Das ist bei mir ja nicht gegeben. Aber es ist auch eine Chance: Ich würde mich nach der Ausbildung gerne erst einmal in anderen Weinbauregionen der Welt umsehen. Südamerika und Neuseeland erscheinen gerade sehr interessant“, sagt er.

Sicher ist allerdings, dass Eilers im Weinbau bleibt: „Die Arbeit draußen, das Vielfältige des Berufs und die Erzeugung eines natürlichen Produkts haben mich begeistert und mich den Beruf suchen und finden lassen“, sagt er. „Und was die Philosophie angeht: Der Weinberg hält da mehr und tiefere Erkenntnisse für mich bereit, als der Hörsaal.“