Harburg
Harburg

Fast 80 Millionen Euro für Harburgs Schulen

Foto: Katharina Geßler / HA

Die aufwendige Rochade zur „Standortoptimierung“ im Harburger Zentrum betrifft insgesamt sechs Bildungseinrichtungen.

Harburg.  Es wird abgerissen, neu gebaut, umgebaut, saniert und vor allem: investiert. 79,6 Millionen Euro steckt Hamburg in die „Standortoptimierung für die Schulen im Harburger Zentrum“. So nennt es die GMH (Gebäudemanagement Hamburg GmbH), die sämtliche Vorhaben im Auftrag der Schulbehörde koordiniert und realisiert.

Kein leichtes Unterfangen, denn beteiligt sind viele: die Goethe Schule Harburg, die Grundschule Kerschen­steinerstraße, das Regionale Bildungs und Beratungszentrum Harburg (ReBBZ) mit den Standorten Schwarzenbergstraße und Baererstraße, sowie die Lessing-Stadtteilschule und das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium.

Eine Schulrochade, die ein bisschen was von dem alten Kinderspiel „Bäumchen wechsel dich“ hat. Weil die Goethe Schule an der Eißendorfer Straße aus allen Nähten platzt, wird sie erweitert. Deshalb muss die Grundschule Kerschensteinerstraße im Sommer umziehen, und zwar vorübergehend an die Baererstraße 81, wo bis April noch die zum ReBBZ gehörende Sprachheilschule untergebracht war (wir berichteten). Die wiederum hat ihren Sitz jetzt an der Schwarzenbergstraße, unter einem Dach mit der dortigen Förderschule.

Im Sommer 2020 soll die „Kersche“ dann erneut umziehen, und zwar in die Gebäude des ehemaligen Lessing-Gymnasiums „Am Soldatenfriedhof“. Voraussetzung: das frühere Gymnasium, heute Lessing-Stadtteilschule, zieht um zum Hanhoopsfeld. Da wird seit gut einem Jahr intensiv gebaut – mit 45 Millionen Euro das kostspieligste Bauvorhaben der Hamburger Schulbehörde. Stadtteilschule und Alexander-von-Humboldt-Gymnasium erhalten hier einen Neubau, der nach aktueller Planung 2018 fertiggestellt sein soll.

Die Arbeiten an einem neuen Klassentrakt für das AvH-Gymnasium sollen schon im Sommer abgeschlossen sein, der Grundstein für eine Mehrzweckhalle, die AvH und Stadtteilschule gemeinsam nutzen, wurde im Dezember gelegt und auch die vier „Schulvillen“, so die Bezeichnung im preisgekrönten Architektenentwurf, für die Stadtteilschule sind im Entstehen. Läuft alles nach Plan, werden am Hanhoopsfeld ab Sommer 2018 insgesamt gut 1700 Schüler unterrichtet.

22 Millionen Euro wird in die Erweiterung der Goethe Schule investiert. Der Neubau an der Eißendorfer Straße enthält den neuen Haupteingang mit multifunktionaler Mensa, die auch als erweiterte Aula genutzt werden kann. Im Obergeschoss ist eine Einfeld-Sporthalle vorgesehen, die die beiden vorhandenen Hallen ergänzt und auch für den Vereinssport zur Verfügung stehen werden.

Ein weiterer Neubau an der Kerschen­steinerstraße enthält die Räume für den Schwerpunkt Naturwissenschaften. Die neuen Gebäude werden mit Aufzügen ausgestattet und schaffen einen barrierefreien Übergang zu den angrenzenden Altbauten. Die Gebäude, die bislang die Grundschule „Kersche“ beherbergten, werden abgerissen. Die Arbeiten für die Erweiterung der Goethe Schule, die in diesem Jahr beginnen, sollen bis 2019 abgeschlossen sein.

Rund 1,3 Millionen Euro werden aktuell in Umbau und Sanierung der Räume an der Baererstraße 81 gesteckt, vom kommenden Schuljahr an vorübergehend die neue Heimat der „Kersche“, die ab Sommer 2020 dann zum Standort „Am Soldatenfriedhof“ zieht und zur „Projektschule im Park“ mutiert. Ist die Lessing-Stadtteilschule zum Hanhoopsfeld gezogen, werden die denkmalgeschützten Gebäude Am Soldatenfriedhof für die Grundschule auf Vordermann gebracht – für rund 6,7 Millionen Euro.

4,6 Millionen Euro waren notwendig, um das Regionale Bildungs- und Beratungszentrum Harburg (ReBBZ) an der Schwarzenbergstraße 72, so herzurichten, dass dort nun auch die Schüler der Sprachheilschule von der Baerer­straße unterrichtet werden können.

Insgesamt 13 dieser ReBBZ gibt es in Hamburg. Sie entstanden im Zuge der Inklusionsvereinbarungen: Die Förderschule Schwarzenbergstraße, die Sprachheilschule Baererstraße sowie die Harburger Regionale Beratungs- und Unterstützungsstelle (REBUS) bilden deshalb seit 2012 gemeinsam das ReBBZ Harburg.

Dass jetzt alle 285 Schüler an einem Standort unterrichtet werden, empfindet Kirsten Wimbert, Leiterin der Bildungsabteilung an der Schwarzenbergstraße, als großen Vorteil. Der Umzug von der Baererstraße dorthin war allerdings ein Kraftakt, bei dem ihr Team an sein Limit gegangen sei. So mussten zum Beispiel 1000 Umzugskartons ausgepackt werden.

Seit dem 18. April sind nun alle Klassen an der Schwarzenbergstraße vereint. Manchen Schülern falle die Orientierung noch schwer, sagt Wimbert. Ihnen sei anzumerken, dass sie sich erst noch eingewöhnen müssen. Dass das bei ihnen das vielleicht länger dauert als bei vielen anderen Kindern, verwundert nicht. Denn im ReBBZ werden ausschließlich Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet.

Sie haben Defizite beim Lernen, Sprechen sowie in der sozialen und emotionalen Entwicklung. Woanders manches Mal als Schulversager abgestempelt, erhalten sie hier eine Chance auf einen regulären Abschluss oder zumindest auf einen Beruf und damit ein eigenständiges Leben. 2014 mit dem Bildungspreis ausgezeichnet, vermittelt die Schule praktische Kenntnisse u. a. in der Schulküche, der Fahrradwerkstatt sowie im Bereich Gesundheitspflege.

Die GMH

1987 wurde die GMH (Gebäudemanagement Hamburg GmbH) für den nachhaltigen Bau und Betrieb gewerblicher und kommunaler Immobilien gegründet.


Seit 2013 ist GMH ein Tochterunternehmen der Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement mbH und damit mittelbar ein Unternehmen der Freien und Hansestadt Hamburg. Schwerpunkt ist die Sanierung und Bewirtschaftung von Schulbauten im Hamburger Süden. Auf der Internetseite heißt es: „Wir achten auf den Einklang wirtschaftlicher, sozialer, ökologischer Aspekte.“