Harburg
Buchholz/Harburg

Falsche Polizisten täuschen Rentner in Region Harburg

Trickbetrüger sind aktuell verstärkt im Landkreis Harburg aktiv.

Trickbetrüger sind aktuell verstärkt im Landkreis Harburg aktiv.

Foto: imago stock&people / imago/Schöning

Betrüger tricksen am Telefon und erbeuten mehrere Tausend Euro und Münzsammlung. Diebe sind derzeit verstärkt in der Region unterwegs.

Buchholz/Harburg. Die Polizei warnt vor Betrügern, die zur Zeit in der Region als falsche Polizisten ihr Unwesen treiben. Dabei waren sie in mindestens einem Fall äußerst erfolgreich, wie die Polizei gestern mitteilte. Eine 78-jährige Frau aus Buchholz fiel auf die falschen Polizisten herein. Sie verlor mehrere Tausend Euro Bargeld und Goldmünzen im Wert von ebenfalls mehreren Tausend Euro. Die Kripo ermittelt.

Die Masche, mit der die Betrüger im Landreis Harburg unterwegs sind, hat es nach Angaben der Polizeiinspektion Buchholz so und in dieser Form und in dieser Konzentration hier bisher nicht gegeben. „Am Wochenende erhielten mehrer Bürger aus dem Raum Buchholz einen Anruf, bei dem die Telefonnummer 04181/110 eingeblendet wurde“, sagt Polizeisprecher Jan Krüger. Ein Mann, der sich als „Polizeibeamter Frank Neumann“ ausgab, habe versucht, die – vornehmlich älteren – Gesprächspartner davon zu überzeugen, dass sie in den nächsten Tagen Opfer eines Einbruchs werden könnten. Deshalb sei es „sicherer, hohe Geldbeträge und Wertsachen der Polizei zu übergeben“, behauptete der falsche Polizist Neumann am Telefon.

Wenn die Angerufenen den Betrugsversuch nicht sofort erkannten, meldete sich kurz darauf ein weiterer Mann, der sich als Staatsanwalt ausgab, um der frei erfundenen Geschichte noch mehr Seriosität zu verleihen. Eine ältere Dame aus Buchholz fiel auf die Masche herein. Aus Angst vor einem möglichen Einbruch und weil die falschen Polizisten sie bedrängten, „schon morgen“ könnten die Einbrecher bei ihr zuschlagen, übergab die gutgläubige Frau dem falschen Polizisten ihre Ersparnisse von mehreren Tausend Euro und eine wertvolle Münzsammlung. Der falsche Polizist nahm Geld und Münzen an sich und verschwand.

„Danach erzählte die Dame ihrer Familie davon“, sagt Polizeikommissar Krüger. Die Angehörigen wurden sofort misstrauisch. Sie gingen mit der Frau zur Polizei und erstatteten Anzeige. Doch das Vermögen der alten Dame ist futsch. Dass Betrüger ihren Opfern mit Hilfe von „Call-ID-Spoofing“ vorgaukeln, dass die Polizei anruft, ist nicht neu (siehe Kasten). In Buchholz hatte es das aber bisher nicht gegeben. Die Rufnummer „04181/110“ sei frei erfunden und würde bei einem Anruf der echten Polizei niemals angezeigt werden, versichert Krüger.

„Wir würden Sachverhalte, bei denen es um Diebstahl geht, nie am Telefon mit den Betroffenen erörtern“, stellt Krüger unmissverständlich klar. „Entweder machen wir es schriftlich. Oder wir treffen uns zum persönlichen Gespräch.“

Wenn sich Fremde an der Haustür als Polizisten ausgeben, sei grundsätzlich Vorsicht geboten. Es könnten Betrüger sein. „Wenn jemand an der Haustür klingelt, und sich als Polizist ausgibt, sollte man sich von ihm erst einmal den Namen und seine Dienststelle nennen lassen“, rät Krüger. Dann könne man freundlich darauf hinweisen, dass man die Angaben bei der Polizeidienststelle überprüfen möchte und die Tür schließen. „Jeder echte Polizist wird dafür Verständnis zeigen“, sagt Krüger. Betrüger würden jedoch in solchen Fällen schnell das Weite suchen.

Anfang des Jahres waren zwei Trickdiebe, die in Winsen mit der Polizistenmasche unterwegs waren, an der Cleverness einer 77-Jährigen gescheitert. Sie hatten einen scheckkartengroßen Ausweis mit dem Aufdruck „Polizei“ gezeigt und wollten ihr Haus betreten – angeblich, um sie zu Einbrüchen in der Nachbarschaft zu befragen. Die Frau wurde misstrauisch und ließ die Männer nicht ins Haus. Als sie den Notruf 110 wählte, um sich nach der Echtheit der angeblichen Polizisten zu erkundigen, machten sich die Trickdiebe aus dem Staub. Die Frau habe vorbildlich reagiert, betont der Kommissar. „Es ist gut, auf sein Bauchgefühl zu vertrauen und sich durch einen Anruf bei der örtlichen Polizeidienstelle oder über die „110“ Klarheit zu verschaffen.“ Dass die Täter sich derzeit offenbar auf den Raum Buchholz konzentrierten, sei damit zu erklären, dass die Trickdiebe gern in einem begrenzten Radius agierten. Schon morgen können sie mit einer anderen Vorwahl in einem anderen, nahen Gebiet aktiv werden – etwa im Süden Hamburgs: Vor mehreren Wochen waren auch in Harburg verstärkt falsche Polizisten unterwegs, sagte ein Polizeisprecher.