Harburg
Harmstorf

50 Jahre Engagement für die „Modersprak“

Vier aus 54: Annemarie Nitsche (v.li.) ist mit 93 ältestes Mitglied der Plattdüütschen Runn, Annchen Kopelke (92) und Luise Hering (75) sind die einzigen noch lebenden Gründungsmitglieder. Christa Braasch (76) kümmert sich seit langem um die Finanzen

Vier aus 54: Annemarie Nitsche (v.li.) ist mit 93 ältestes Mitglied der Plattdüütschen Runn, Annchen Kopelke (92) und Luise Hering (75) sind die einzigen noch lebenden Gründungsmitglieder. Christa Braasch (76) kümmert sich seit langem um die Finanzen

Foto: Martina Berliner / HA

De Plattdüütsche Runn feiert ihren Geburtstag in Harmstorf. Mitgliederschwund ist kein Thema. Ganz im Gegenteil.

Harmstorf.  „Ick weet in de Heid eene Plattdüütsche Runn“, klingt es im Saal des Harmstorfer Gasthauses „Maack“. Kraftvoll schmettern mehrere Dutzend Seniorenkehlen das Lied der Plattdeutschen Runde. Sie singen ihren Song zu Anfang jedes Treffens, jeden ersten Montag und Mittwoch des Monats.

Das Volkslied wurde für den Kreis der Platt-Fans eigens etwas umgedichtet. Weißhaarige Häupter und gebeugte Schultern sind stolz erhoben, hinter Brillengläsern blitzen hellwache Augen. Man kann hören und sehen, wie sehr die betagten Damen und Herren mit Herz und Seele bei der Sache sind.

Die „Plattdüütsche Runn“ gibt es nun schon ein halbes Jahrhundert, das Jubiläum steht kurz bevor. Und tatsächlich hat der Kreis ordentlich was zu feiern. Denn anders als viele Gruppen vom Chor bis zum Schützenverein leidet die Runde keineswegs unter Mitgliederschwund. Ganz im Gegenteil.

Zum 30. Geburtstag gehörten 14 Teilnehmer dazu. Zehn Jahre später waren es schon doppelt so viele. Jetzt, zum 50-jährigen Bestehen, zählt die „Plattdüütsche Runn“ sogar 54 Mitglieder. Und weil die Begeisterung groß ist, trifft heute man sich nunmehr zweimal im Monat anstatt nur einmal, wie einst.

Dabei könnten viele Neueinsteiger gar nicht selbst Platt sprechen, erklärt Luise Hering, die zu den Gründungsmitgliedern gehört und im Kreis Regie führt. „Aber sie verstehen es und hören es sehr gern. Auf unsere Mitglieder übt der Klang besonderen Zauber aus.“

Die Niederdeutsche Sprache wecke bei vielen Kindheits- und Jugenderinnerungen, auch an die Stimmen von Eltern und Großeltern. Platt sei für etliche eine Art Muttersprache. „Es ist viel Nostalgie dabei. Es macht einfach Spaß, sich für den Erhalt des Plattdeutschen zu engagieren“, meint die Hittfelderin.

Mit ihren 75 Jahren entspricht Luise Hering dem Altersdurchschnitt. Das älteste Mitglied ist 93, das jüngste Mitte 60. Bis auf eine Handvoll Männer ist die Runde weiblich, ein großer Teil verwitwet. Die Gemeinschaft und die Aussicht auf Abwechslung bilden einen starken Anreiz. „Als wir zusätzlich zum Abendtermin am Montag auch Treffen am Mittwochnachmittag eingeführt haben, geschah das, weil viele Frauen nicht gern spät aus dem Haus gehen. Aber jetzt kommen fast alle zweimal monatlich nach Harmstorf. Auch diejenigen mit weiterem Anfahrtsweg. Einige wohnen in Buchholz und drei Harburgerinnen sind auch dabei.“

Es ist die große Herzlichkeit der Gruppe, die anziehend wirkt. Zu Weihnachten bekommt jeder ein kleines Geschenk von Luise Hering – natürlich erst nach Aufsagen eines plattdeutschen Gedichts. Wer lange dabei war, aber aus Altersgründen nicht mehr kommen kann, erhält sein Geschenk zu Hause persönlich überreicht. „Das ist für mich ganz selbstverständlich“, sagt Luise Hering, die auch im Seniorenheim „Haus Hittfeld“ regelmäßig ehrenamtlich plattdeutsche Nachmittage veranstaltet.

Neben der Geborgenheit ist möglicherweise auch Unkompliziertheit Teil des Erfolgsrezepts. Da es sich nicht um einen Verein handelt, gibt es weder Beitrittsformulare noch Vorstandswahlen, keine Protokolle, keine Hierarchie und - vor allem – keine Beiträge. Der Kreis finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Und das gelingt, obwohl zuweilen auch unter Niederdeutsch-Fans bekannte Referenten von Außerhalb zu Gast sind, die für ihren Vortrag Honorar fordern.

Das Jahres-Programm ist abwechslungsreich. Mal präsentieren die sogenannten Quitschen, die Neueinsteiger der Plattdüütschen Runn, ihre sprachlichen Fortschritte mit Sketchen, mal lesen Schüler in der Harmstorfer Runde Platt vor.

Im Sommer wird ein gemeinsamer Ausflug unternommen und während der Adventszeit mehrfach ein weihnachtliches Schattenspiel vorgeführt – in Kulturzentren, Schulen, Altenheimen der Umgebung. Entsprechend bekannt und beliebt ist der Kreis.

Zum internen Jubiläum werden unter den Gratulanten die Bürgermeister aus Harmstorf und den umliegenden Ortschaften erwartet. Auch der Landtagsabgeordnete Heiner Schönecke hat seine Teilnehme bereits fest zugesagt.

De Plattdüütsche Runn

Die Plattdüütsche Runn kehrt einen Trend um: Während Sport- und Schützenvereine oft schrumpfen, verzeichnet die Runde wachsende Mitgliederzahlen. Derzeit zählt der Zirkel 54 Mitglieder.

Öffentlich wird der runde Geburtstag am Sonnabend, 13. Mai, mit einem Plattdeutschen Musikabend im Harmstorfer Gasthaus Maack gefeiert. Es singt der Chor „Die Immenbeeker Heckenrosen“. Außerdem werden Sketche aufgeführt.

Einlass ist ab 18 Uhr. Der Eintritt ist wie immer bei der Runde frei. Weitere Infos gibt Luise Hering, Tel. 04105/539 43