Harburg
Albert-Schweitzer-Viertel

Millionen für das Problemquartier

Planungsausschuss der Kreisstadtsoll den Weg für Verlängerung des Sanierungsprogramms frei machen.

Winsen.  Im Albert-Schweitzer-Viertel der Kreisstadt soll die Sanierung in den kommenden vier Jahren anhalten. Das soll der Planungsausschuss am heutigen Donnerstagabend beschließen. „Wir wollen das Programm Soziale Stadt verlängern und verhandeln zudem mit der AFP Nord“, sagte Bauamtschef Andreas Mayer, dem Abendblatt. Dabei geht es darum, dass das Luxemburger Unternehmen auch Geld in die Außenbereich der Anlage investieren sollen.

AFP hat die Siedlung von der insolventen Berliner Capricornus gekauft und mit der Stadt einen städtebaulichen Vertrag geschlossen, über den die 189 Wohnungen bewirtschaftet und modernisiert werden sollen. In dem Viertel leben rund 500 Menschen.

Wichtiger Hintergrund für den geplanten Beschluss ist die bislang schwierige, juristische Situation für die Stadt. Die Insolvenz von Capricornus hatte die Arbeiten immer wieder verzögert. Denn oftmals fehlte die notwendige Zustimmung des Eigentümers zu den Arbeiten. Das Programm Soziale Stadt würde nach zehn Jahren Ende 2017 auslaufen. „Das Land Niedersachsen hat jedoch signalisiert, dass Städte und Gemeinden eine Verlängerung beantragen können“, sagte Mayer.

Dies soll nun zum 1. Juni geschehen. Als Bedingung für weitere Fördermittel von Land und Bund gilt dabei, dass AFP Nord auch Geld für den Außenbereich bereitstellt. Angedacht ist, Hochparterre-Wohnungen mit Terrassen auszustatten, Stellplätze und Wege anzulegen und Müllboxen aufzustellen.

Der neue Eigentümer aus Luxemburg steht einem Engagement hier offensichtlich positiv gegenüber. „Neben den weitreichenden, im städtebaulichen Vertrag ohnehin festgelegten Maßnahmen, sind auch weitere begleitende Maßnahmen an den Außenanlagen und im Wohnumfeld, teilweise mit öffentlichen Fördermitteln vorgesehen“, sagte AFP-Sprecher Dirk T. Schmitt dem Abendblatt.

Für die ersten zehn Jahre waren im Programm Soziale Stadt 1,7 Millionen Euro vorgesehen. Die Stadt zahlt davon ein Drittel, zwei Drittel sind Fördergelder. 300.000 Euro sind bislang noch nicht ausgegeben. Die Summe für die Außenanlagen könnte sich nun weiter erhöhen.

Für die renovierungsbedürftigen Wohnungen will die AFP Nord in den kommenden vier Jahren mehr als vier Millionen Euro investieren. Damit sollen Schäden beseitigt, das Sanierungsgebiet aufgewertet und das Wohnen verbessert werden, so das Luxemburger Unternehmen. Der genaue Ablaufplan für die Arbeiten soll voraussichtlich im Sommer bekanntgegeben werden. „Die Arbeiten sollen spätestens im Herbst starten“, sagte AFP-Sprecher Schmitt.

Den Auftakt sollen Arbeiten an den Dächern und gezielten Sanierungen in den Wohnungen bilden. Für die folgenden beiden Jahren ist geplant, die Fassaden gegen Wärmeverlust zu dämmen, Heizungen zu modernisieren und sie auch teilweise zu erneuern.

„Es gibt hier viel nachzuholen“, heißt es aus der AFP-Geschäftsführung. „Wir gehen davon aus, dass wir bis zum Sommer 2017 die massiven Verwaltungsprobleme, die wir angetroffen haben, bewältigen können.“

In das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt wurden bis 2016 insgesamt 783 Maßnahmen in 441 Städten und Gemeinden aufgenommen und gut 1,4 Milliarden Euro investiert. 2014 stiegen die Bundesmittel, die 2013 noch bei 40 Millionen Euro lagen, auf 150 Millionen Euro an. Nachdem 2015 ebenfalls 150 Millionen Euro geflossen waren, lag die Summe im vergangenen Jahr bei knapp 125 Millionen Euro.

„Soziale Stadt“

Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge eröffnet am Sonnabend, 29. April, um 11 Uhr den Quartiersladen im Sanierungsgebiet „Am Weißen Turm“. Ein Tag der Offenen Tür schließt sich bis 14 Uhr an. Seit 2015 wird das Gebiet im Programm „Soziale Stadt“ gefördert. Ansprechpartnerin für die Bewohner im Laden an der Bögestraße 6 ist Nadine Fischer.

Mit dem Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“ unterstützen der Bund und die Länder seit 1999 die Aufwertung städtebaulich, wirtschaftlich und sozial benachteiligte Stadt- und Ortsteile. Ziel ist es, eine lebendige Nachbarschaften zu schaffen und den sozialen Zusammenhalt zu stärken.