Harburg
Harburg

Atomprotest im Amtsgericht

Foto: Jörg Riefenstahl / HA

Prozessauftakt Angeklagte soll Angekettete mit Lebensmitteln versorgt haben. Dafür muss sie sich nun vor Gericht verantworten.

Harburg.  Vor dem Amtsgericht Harburg musste sich gestern eine Anti-Atom-Aktivistin gegen den Vorwurf verantworten, gemeinschaftlich am 18. August 2014 die Weiterfahrt eines Atomtransportzugs in Hamburg-Veddel blockiert zu haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft Irene K. (28) Nötigung und Störung öffentlicher Betriebe vor, weil sie eine an den Bahngleisen angekettete Atomkraftgegnerin mit Lebensmitteln versorgt hatte. Rund 25 Anti-Atom-Aktivisten, die aus ganz Deutschland angereist waren, nutzen den Prozess für eine Demonstration gegen Atomenergie. Ebensoviele Polizisten sicherten das Gebäude.

Im Sommer 2014 war ein Güterzug mit 50 Containern – beladen mit Uranerzkonzentrat – von rund zehn Atomkraftgegnern auf dem Gelände der Hafenbahn der Hamburger Port Authority von 7 Uhr an über mehrere Stunden blockiert worden. Vor und hinter dem Zug hatten sich die Demonstranten angekettet.

Irene K. soll Elisabeth L., eine der Angeketteten, Essen und Trinken gereicht haben. Aus Sicht der Staatsanwaltschat lieferte Irene K. damit einen Tatbeitrag. „Der Bahnbetrieb wurde gestört“, sagte die Staatsanwältin. Die Polizei brauchte mehrere Stunden, um die Angekettete von den Gleisen zu lösen. Erst um 9.40 Uhr war die Frau von den Gleisen. Bis der Betrieb wieder reibungslos lief, dauerte es bis zum Mittag

Vor dem Harburger Amtsgericht und im Gebäude rollten Kernkraftgegner Transparente aus („Atomkraft? Nix da!“). Ein Justizbeamter unterband die nicht genehmigte Demonstration. Die Protestler nahmen im Zuschauerraum Platz. Der war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Irene K. nutzte den Prozess vor allem als politische Bühne für raumgreifende Ausführungen über die Anti-Atombewegung in Deutschland seit den 60er-Jahren bis heute – und kritisierte in dem Zusammenhang die Rolle der Polizei und der Justiz. Anträgen der Angeklagten und ihres Verteidigers, in einen größeren Saal umzuziehen und angebliche „Zivilpolizisten“ aus dem Raum zu entfernen, hatte das Gericht zuvor nicht stattgegeben.

Zum Tatvorwurf selbst bezog die Angeklagte nur indirekt Stellung. „Wenn es darum geht politisch unliebsame Menschen zu verfolgen, können Staatsanwaltschaft und Gerichte schon mal kreativ werden“, sagte die Angeklagte. Der Prozess wird am 25. April um 9 Uhr, fortgesetzt.