Harburg
Kulturforum

Buxtehudes kulturelles Herz schlägt am Hafen

Team

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Foto: Roger Steen / HA

Aus einem alten Fabrikgebäude entstand vor zehn Jahren das Kulturforum am Hafen mit einer Galerie und Platz für Veranstaltungen.

Buxtehude.  Das passiert einer Gemeinde höchst selten: Es gibt unverhofft Geld aus Fördertöpfen zur Denkmalpflege. So ein Vorgang ereignete sich vor rund zehn Jahren in Buxtehude. Wohin also mit dem Geld? Der Architekt Jens Wilke und der Fotojournalist Dieter Klar hatten die Idee, die ehemalige Steingutfabrik von William Dawson zu einem Kulturzentrum umzubauen. Das war der Startschuss für das Kulturforum am Hafen. „Wir wollten uns beide in Buxtehude engagieren“, sagt Dieter Klar, der bis vor kurzem der Präsident des Trägervereins war, aber weiterhin der künstlerische Leiter ist.

Der Gebäudekomplex aus Backstein beherbergte zuvor eine Malerschule, danach diente er als Wohngebäude für Sozialhilfeempfänger. Nun sollte es ein Veranstaltungszentrum mit Bühne, Tagungsräumen und Gastronomie werden. „Von der Notwendigkeit einer Gastronomie mussten wir die Stadt erst überzeugen“, erinnert sich Dieter Klar. „Man fürchtete Konkurrenz für die Lokale in der Altstadt. Ohne Bistro und Galerie hätte ich das Vorhaben aber nicht umgesetzt.“

Im Nachhinein habe sich dieser Weg als richtig erwiesen, denn so kann das Kulturforum ohne Subventionen betrieben werden. Das Gebäude gehört weiter der Stadt, der Verein kann es mietfrei nutzen und trägt alle anderen Kosten selbst.

Zum Konzept gehört, dass der Übergang zwischen Konzert, Ausstellung, Gastronomie und Vermietung fließend ist. Ausstellungen verteilen sich auf mehrere Räume, in denen Konzerte oder auch Tagungen stattfinden. „Dann sehen umso mehr Leute die Ausstellung, ein Extra-Eintritt wird dafür ja nicht verlangt“, erläutert Klar. Ob der kleine Saal oder die größere ehemalige Malerschule bespielt werden, hängt dann von der jeweils erwarteten Zuschauerzahl ab.

Besonderen Charme erhält das Gebäude dadurch, dass ein Stück gläserner Fußboden noch den Blick auf die alten Brennöfen freigibt. Das offene Gewölbe bietet sich im Sommer sogar für Ausstellungen und Veranstaltungen an. Und weil es ja das Kulturforum „am Hafen“ ist, gehören auch ein kleines Ausflugsschiff – die „Buxtehude“ – und ein Floß – die „Phoenix“ – dazu.

„Ich habe alles rangeholt, was Musik macht“, erinnert sich Dieter Klar an die Anfänge. Das gilt bis heute: Ein breit gefächertes Programm soll das ebenso vielseitig interessierte Publikum erfreuen. „Man kann sogar an den Zuschauern erkennen, welches Programm wir haben“, meint Klar. Und fast an jedem Tag wird etwas geboten, mittlerweile nicht nur Musik, sondern auch Vorträge, Tanzveranstaltungen und Kino. Vieles davon würde ohne das engagierte Team aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern nicht funktionieren.

Aus einer Schnapsidee entstand das besondere Montagskino. „Lasst uns doch mal alte Filme zeigen“, war der grundlegende Gedanke. Daraus entwickelte sich die Idee, ein Essen passend zum Film anzubieten. „Wir zeigten ,Der 3. Mann’ und servierten dazu Tafelspitz und Apfelstrudel“, erzählt Klar. Oder es wurde zu dem Film „Am goldenen See“, in der eine Forelle namens Walter vorkam, als Hauptgang „Forelle Walter“ gereicht. Das führte dazu, dass das Kulturforum-Team also gemeinsam kochte, um die Kinogäste zu bewirten. Sie sind mit Freude dabei, stehen an solchen Tagen oft schon ab 11 Uhr in der Küche, „aber es macht allen großen Spaß.“

Und manchmal kochen sogar lokale Promis, darunter der Landtagsabgeordnete Helmut Dammann-Tamke: „Er ist passionierter Jäger, und so bereiteten er und seine Frau Rehrücken für 50 Personen zu“, sagt Dieter Klar. Gegessen wird an langen Tafeln, und alle kommen miteinander ins Gespräch. „Die ersten sind schon um kurz vor sechs hier, das Essen beginnt aber erst um 18.30 Uhr.“

Zum Team gehören rund 25 Ehrenamtliche, hauptamtlich beschäftigt sind eine Bürokraft, eine Reinigungskraft und ein Booker für die Veranstaltungen. Sie alle kümmern sich um den reibungslosen Ablauf bei Veranstaltungen, die immerhin 400 bis 500 Gäste pro Woche anlocken. Nur bei Vermietungen werden bezahlte Kräfte für den Service und anderes engagiert.

Der Laden läuft, und so hat sich Dieter Klar, der in diesem Herbst 80 Jahre alt wird, aus der Vereinsführung zurückgezogen. Ein neuer Präsident soll im Mai gewählt werden. Aber künstlerischer Leiter will er zunächst bleiben. „Das Forum ist meine Spielzeugeisenbahn“, sagt er, und sieht dabei sehr zufrieden aus.

Die nächsten Termine:

Musik Jazz-Matinée mit „Black Jass“, 30. April, 11 Uhr

Theater Das English Theatre Buxtehude spielt „Grandee“, 6./7./8. April, jeweils 20 Uhr

Kino „Stadt, Land, Fluss - unterwegs entlang der Este“ von Werner Schmidt, 9. April, 11 Uhr

Literatur Literarisches Café mit sage & schreibe, 19. Mai, 20 Uhr

Ausstellung Silja Ritter: „Every cloud has a silver lining“, bis 1. Mai

Sonstiges Das philosophische Café – Gedanken über das Leben, 5. April, 19.30 Uhr

InfosTelefon 04161 / 502556 und www.kulturforum-hafen.de