Harburg
Landkreis Harburg

Touristenschwund bringt Restaurants und Hotels in Not

Servicekräfte bei der Arbeit (Symbolbild)

Servicekräfte bei der Arbeit (Symbolbild)

Foto: (FREELENS POOL) Giese / Cordula Giese

In Niedersachsen stieg die Zahl der Gäste im vergangenen Jahr, im Kreis Harburg sank sie. Erste Betriebe reduzieren ihre Öffnungszeiten.

Landkreis Harburg.  Auffälliger Rückgang bei den Übernachtungen im Landkreis Harburg. Ihre Zahl ist 2016 im zweiten aufeinander folgenden Jahr gesunken. Nach 638.083 im Jahr 2015 schliefen im vergangenen Jahr noch 623.572 Menschen in den Hotelbetten und auf Campingplätzen im Landkreis.

Das geht aus den aktuellen Zahlen des Landesamtes für Statistik Niedersachsen hervor. Auch die Zahl der Betriebe ging von 2015 auf 2016 von 116 auf 108 zurück. „Das Sterben der dörflichen Gastronomie setzt sich fort“, sagt Heinz-Georg Frieling, Geschäftsführer des Bezirksverbandes Lüneburg des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Zudem hielten die „Probleme bei der Übernahme von Familienbetrieben“ an.

Doch das ist noch nicht alles. Der Verband und der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) streiten vor den in den nächsten Wochen beginnenden Tarifverhandlungen über die Auswirkungen des Arbeitszeitgesetzes für die Branche. Die Dehoga hat dafür sogar eine bundesweite Kampagne gestartet. Denn nach einer Umfrage hat mehr als jeder zweite Betrieb wegen der starren Vorgaben der Arbeitszeit von acht Stunden die Öffnungszeiten reduziert.

„Diese Regelungen haben zu der im Landkreis Harburg absehbaren Entwicklung sicherlich beigetragen“, sagt Frieling. „Die Mitarbeiter stehen zu wenig zur Verfügung.“ Nur in Ausnahmefällen sind für sie maximal Schichten über zehn Stunden erlaubt.

Deshalb will der Verband nun die Arbeitszeit flexibel auf die Woche verteilen und die Regelung von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umstellen. Dann könnten die Mitarbeiter bei Hochzeiten bis tief in die Nacht bleiben, der Service im Biergarten in lauen Nächten länger anhalten und Probleme bei verspätet ankommenden Reisegesellschaften würden komplett vermieden. Ohnehin beklagt der Verband, die aufwändige Dokumentation der Arbeitszeiten, für die Finanzkontrolle Schwarzarbeit zuständig, die zum Zoll gehört.

Hintergrund ist hier die Frage, ob der Mindestlohn eingehalten wird. An der Regelung für die Arbeitszeiten will die NGG aber in jedem Fall festhalten. Der Vorstoß zur Wochenarbeitszeit gilt bei der Gewerkschaft als „Irrweg“, wie Steffen Lübbert, der neue Geschäftsführer der NGG in Lüneburg sagt. „Jeder, der im Gastgewerbe arbeitet, weiß, dass Überstunden gerade in der Hochsaison dazugehören. Das Arbeitszeitgesetz sorgt aber dafür, dass das für den Einzelnen erträglich bleibt.“

Nach den Vorschlägen der Arbeitgeber wären künftig dagegen extrem lange Schichten möglich, befürchtet die Gewerkschaft. „Ein 14-Stunden-Einsatz in der Küche, im Restaurant oder an der Rezeption haut jedem die Füße weg“, ist Lübbert sicher. Zudem halte man mit solchen Arbeitszeiten Schulabgänger davon ab, eine Ausbildung im Gastgewerbe zu machen. Angesichts eines sich schon jetzt verschärfenden Fachkräftemangels in der Branche seien die Vorschläge „kontraproduktiv“.

Ob die Betriebe wirklich eine gesetzliche Änderung brauchen, sei fraglich, meint Lübbert. Flexibilität habe für die Gastro-Mitarbeiter auch im Kreis Harburg schon immer dazugehört. Jetzt sei es Zeit, mehr Menschen einzustellen und die Leistung der Beschäftigten stärker anzuerkennen, fordert der NGG-Geschäftsführer.

Doch die Belegschaften aufzustocken, hält Dehoga-Geschäftsführer Frieling für wirtschaftlich nicht vertretbar. Auch die Forderung, nach 5,5 Prozent mehr Lohn vom 1. Mai an nennt er schlichtweg „illusorisch.“ Die Gewerkschaft hat den Entgelttarifvertrag auf Landesebene zum 30. April gekündigt und will nun günstigere Bedingungen durchsetzen. So sollen die Einkommen in den kommenden zwölf Monaten um mindestens 100 Euro steigen.

Denn niedersachsenweit hat die Branche ein „sehr erfolgreiches Jahr 2016“ hinter sich, wie das Landesamt für Statistik bestätigt hat. Die Rekordwerte des Jahres 2015 würden übertroffen. Insgesamt übernachteten 2016 annähernd 14,1 Millionen Gäste in Niedersachsen, ein plus von 4,9 Prozent. Die Zahl der Übernachtungen, Ausländer eingeschlossen, stieg um 3,5 Prozent auf nahezu 42,8 Millionen.

„An der guten Bilanz haben die Beschäftigten in Hotels, Pensionen und Gaststätten einen enormen Anteil“, ist Lübbert überzeugt. Angesichts schon jetzt großer Belastungen seien Forderungen nach immer längeren Arbeitszeiten dagegen „vollkommen fehl am Platz“.