Harburg
Landkreis Harburg

Peinliche Panne im Ministerium

Unternehmensgründungen: Studie lässt Landkreis Harburg aus – Verfasser sieht ihn als Hamburger Stadtteil.

Landkreis Harburg. Wenn es um Neuansiedlungen von Unternehmen geht, ist der Landkreis Harburg ganz weit vorn – immerhin auf Platz zehn bundesweit. Doch ausgerechnet in einer Studie zu diesem Thema, die die Landesregierung in Hannover mit vorgestellt hat, taucht der niedersächsische Spitzenreiter nicht auf. Ursache sind offensichtlich mangelnde Geografiekenntnisse der Verfasser dieser Studie beim Bundesverband Deutscher Startups. Die haben nämlich den Landkreis Harburg mit dem Hamburger Bezirk verwechselt und die benachbarten Lüneburger gleich mit vergessen. Das nimmt die CDU im Landkreis jetzt als Grund für eine Postkartenaktion.

Die Partei ruft dazu auf, Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) den Landkreis „ein wenig näher zu bringen.“ Doch das Land sieht sich als falschen Adressat und wird von sich aus keine Korrekturen verlangen. „Wir sind weder Initiator noch Auftraggeber noch ist die Auswertung ein Maßstab für politische Entscheidung“, sagte Ministeriumssprecher Stefan Wittke dem Abendblatt.

Nachhilfe in Geografie

Die Post wird Wittke damit wohl nicht mehr aufhalten. Denn die CDU-Kreisvorsitzende Britta Witte hat bereits 1000 Karten drucken lassen, die nun über die Ortsverbände verteilt werden sollen. Die CDU-Mitglieder in den beiden Städten sowie zehn Einheits- und Samtgemeinden sollen die Karten in ihrer Nachbarschaft und dem Bekanntenkreis verbreiten. „Wir hoffen, dass sich viele Bürger des Landkreises an der Aktion beteiligen und die Karten nach Hannover schicken, um der Landesregierung etwas Nachhilfe in Geografie zu geben.“

Dass der Landkreis Harburg in einem offiziellen Gutachten zur Clusterbildung von Start-up-Unternehmen als einzige Region in Niedersachsen unterschlagen wurde, findet die Kreis-CDU in jedem Fall „ein starkes Stück.“ Unter dem Titel „Moin, Herr Minister Lies!“ wird Lies eingeladen, den mehr als 1200 Quadratkilometer großen Landkreis zu besuchen und sich von der Leistungsfähigkeit zu überzeugen.

Lücke auf der Karte

Die Posse nahm ihren Anfang bei einem Pressefrühstück in Hannover. Dabei ging es um ein Förderprogramm für Start-Up-Unternehmen. Präsentiert wurde auch eine Landkarte, auf der die Firmen-Standorte eingezeichnet waren. Doch im gesamten Nord-Osten des Landes klaffte eine Riesenlücke. Im gesamten Monat März störte das offensichtlich aber niemanden.

Schließlich ergriff Wilfried Seyer, der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg, die Initiative und ging der Sache nach. Denn der Wirtschaftsexperte weiß nur zu gut, dass der Landkreis erst im Dezember 2016 in einer bundesweiten Studie des renommierten Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn einen Spitzenplatz bei den Neuansiedlungen von Unternehmen belegt hatte. „Wir liegen auf Platz zehn unter 430 Landkreisen und damit im Norden weit vorn. Auch der Landkreis Lüneburg nimmt in diesem Bereich einen Platz unter den ersten 100 Kreisen ein.“

Irritiert fragte er in Berlin beim Bundesverband an und bekam zunächst die Antwort, dass der Landkreis Harburg nicht zum Land Niedersachsen gehöre. Offensichtlich hatte der Head of Research den Landkreis mit dem Bezirk Harburg verwechselt. Später entschuldigte er sich für die Verwechslung. Das war’s dann auch, bis Seyer in seinem Newsletter die Sache publik machte.

In Hannover verwies Ministeriums-Sprecher Wittke am Montag darauf, dass die Untersuchung des Bundesverbandes „nie einen Anspruch auf Vollständigkeit“ erhoben habe. Vielmehr gehe sie auf eine Befragung des Verbandes zurück, zu der viele Antworten aus den Regionen Braunschweig, Hannover und Oldenburg eingegangen seien. „Wir hätten uns über eine flächendeckende Beteiligung gefreut“, sagte Wittke. Doch der Start-up-Monitor sei eine Sache des Verbandes, den er eigenständig erstelle. Zudem müsse sich die Definition des Verbandes nicht mit der des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung decken.

Doch die Sache ist nun mal passiert und bei der Kreis-CDU kommen rasch weitere Themen auf, bei denen der Landkreis in der Landeshauptstadt nach ihrer Auffassung „zu häufig“ vergessen wird, wie Christian Horend, der stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende, sagt. Rastanlage Seevetal, Decatur-Brücke, die Infrastruktur in der Metropolregion, zählt Horend auf. Zuletzt sei auch die Benennung eines Verkehrskoordinators abgelehnt worden. Auch der Konflikt um die Erstattung von Kosten für die Flüchtlinge ist nicht ausgestanden. Läuft gerade nicht so gut zwischen Landkreis und Land.