Groß Moor

Großmoordamm ist kaum noch befahrbar

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Angelika Hillmer
Ein Scherzbold hat Radkappen ins Begleitgrün gehängt

Ein Scherzbold hat Radkappen ins Begleitgrün gehängt

Foto: Angelika Hillmer / HA

Seevetal sieht Handlungsbedarf für eine Grundsanierung der viel genutzten Straße, die Harburg mit niedersächsischen Anrainern verbindet.

Groß Moor.  Er ist der direkte Weg von Bullenhausen, Over und Groß Moor zur Harburger Innenstadt, wird von Einwohnern aus Meckelfeld und Stelle genutzt und bei Stau auf der A1 von noch viel mehr Autos befahren. Den Großmoordamm passieren täglich mehrere Tausend Fahrzeuge – und die haben damit ihre liebe Mühe.

Denn der niedersächsische Abschnitt und der an ihm anschließende Friesenweg sind so marode, dass die knapp vier Kilometer lange Strecke seit Jahren nur noch mit Tempo 30 zu befahren ist. Am Wegesrand zeugen mehrere abgefallene Radkappen davon, dass nicht jedes Auto die Passage heil überstanden hat.

„Mir ist mal eine Radkappe, die sich von dem vor mir fahrenden Pkw löste, fast ins Fahrrad eingeschlagen. Zum Glück hat sie mich knapp verfehlt“, erzählt Günter Thonfeld. Er ist nicht nur passionierter Radfahrer, sondern auch Ortsbürgermeister von Over, Bullenhausen und Groß Moor.

„Viele Autofahrer aus unseren Orten finden den Zustand der Straße unerträglich. Es muss etwas geschehen“, sagt er. Radfahrern rät Thonfeld komplett ab, die Straße zu nutzen, vor allem nachts: „Wenn man im Dunkeln die Schlaglöcher nicht sieht, wird es lebensgefährlich.“

Die Seitenränder sacken weg und brechen ab

Für die Straße, die nach dem Verkehrsaufkommen eine Kreisstraße sein könnte, ist die Gemeinde Seevetal zuständig. Der einst schmale Wirtschaftsweg, der ein paar Moordörfer verband, ist in seiner Bedeutung längst über sich hinaus gewachsen. Er wurde verbreitert, doch ist an den Seiten der Untergrund nicht stabil genug.

Die Folge: Die Randbereiche sacken immer wieder ab und brechen weg. „Die Moorstraßen Großmoordamm, Friesenweg, Höchtweg und Hagoltweg sind die großen Sorgenkinder der Seevetaler Straßen“, schrieb die Gemeindeverwaltung bereits 2014. Daran hat sich nichts geändert.

Im Juni 2014 senkte die Verwaltung wegen massiver Fahrbahnschäden auf einem zwei Kilometer langen Abschnitt die Geschwindigkeit auf zehn Kilometer pro Stunde. Soweit ist die Straße jetzt noch nicht runtergekommen. „Wir haben die Verkehrssicherheitspflicht, und der gehen wir nach“, sagt Andreas Schmidt, Sprecher der Gemeindeverwaltung. „Wer sich an das Tempo 30 hält, kommt nicht zu Schaden.“

Im Rahmen der Straßenunterhaltung werden die schlimmsten Stellen hin und wieder ausgebessert. So versenkte die Gemeinde im Juli 2015 jeweils 35 Tonnen Asphalt im Wert von jeweils gut 9100 Euro in den Friesenweg und den Großmoordamm, berichtete Uwe Pesel, Leiter der Tiefbauabteilung, damals dem Verkehrsausschuss des Gemeinderats.

Dies habe lediglich dazu gedient, „die Stellen auszubessern, die massive Gefahrenstellen darstellen. Aber letztlich ist es nur angeflickt. Im Winter wird Wasser eindringen und den Asphalt wieder auffrieren“, sagte Pesel damals in der Ausschuss-Sitzung.

Immer wieder einzelne Löcher zu füllen und die seitlichen Abbrüche nachzubessern sei auf die Dauer nicht sinnvoll, sondern verbrenne nur das Geld der Steuerzahler, betont auch Andreas Schmidt. „Deshalb sieht die Verwaltung Handlungsbedarf. Wir brauchen eine Grundinstandsetzung.“

Die ginge aber über den finanziellen Rahmen der Unterhaltungsmaßnahmen hinaus. Über zusätzliche Mittel müssten die Kommunalpolitiker beschließen. „Wir rechnen mit einem politischen Antrag des Ortsrates Over“, sagt Schmidt. Im nächsten Schritt müsste der Seevetaler Gemeinderat darüber befinden und Geld Verfügung stellen.

Einen ersten Anlauf für eine umfassende Sanierung gab es vor zwei Jahren. Im Frühjahr 2015 wurde eine 90 Meter lange Teststrecke angelegt, auf der die mehrfach geflickte Asphaltdecke abgefräst und erneuert wurde – auch auf diesem Stück zeigen sich bereits wieder Risse. Im Sommer 2015 hatte die Gemeinde in ihrem Haushalt 2,15 Millionen Euro zur Grundsanierung des Großmoordamms und des Friesenwegs eingeplant.

Doch die scheiterte schon vor Beginn der Bauarbeiten: Nach eingehender Untersuchung des Baugrunds wurde klar, dass drei Millionen Euro nötig sein werden, um die Straßen zu sanieren. Der Verkehrsausschuss kam damals einhellig zum Schluss, dass unter dieser Prämisse und angesichts der sich abzeichnenden Verkehrsrückgänge wegen der Einschränkungen auf der Decatur-Brücke eine Grundsanierung nicht realisierbar sei – und verlegte sich ein weiteres Mal auf das Ausbessern.

Anwohner wollen keine Rennstrecke vor der Haustür

Schon damals sah Tiefbauspezialist Uwe Pesel nur zwei Möglichkeiten: entweder die beiden Straßen werden ausgebaut „oder der Verkehr muss aus ihnen herausgenommen werden“, sagte er vor dem Verkehrsausschuss. Beide Alternative wären Gift für die Anwohner der Straßen. Sie wollen zwar keine Rennstrecke vor ihrer Haustür, sind aber – wie die Bewohner der Nachbardörfer – dafür, die Straße so nachhaltig auszubessern, dass sie nicht immer nur kurzfristig passabel zu befahren ist.

Mancher Bullenhausener und Ove­raner meidet längst den Großmoordamm und fährt die etwas längere Strecke am Elbdeich nach Harburg – die jüngste Verkehrszählung auf dem Großmoordamm aus April 2015 erbrachte nur noch 2000 Fahrzeuge pro Tag; 2012 waren es noch 4100, ein Jahr zuvor 3000.

Einige Autofahrer biegen an der Hamburger Stadtgrenze in die Fünfhausener Straße ab, um anschließend den recht gut ausgebauten Hamburger Teil des Großmoordamms zu befahren – und belasten damit die Anwohner im Örtchen Fünfhausen. Viele quälen sich aber weiterhin über die marode Straße, weil diese eine Abkürzung ist. „Die Gemeinde muss unbedingt etwas machen“, fordert Ortsbürgermeister Thonfeld. „Sie riskiert Schadensersatzklagen, wenn die Löcher noch tiefer werden.“

Die Moordörfer

Die Straße Großmoordamm verbindet die vier Moordörfer Groß Moor, Klein Moor, Hörsten und Gut Moor. 1937 wurde das am westlichsten gelegene Gut Moor zusammen mit Harburg und Wilhelmsburg vom Groß-Hamburg-Gesetz der Stadt zugeschlagen. Die anderen drei Dörfer gehören zu Niedersachsen.

Die Landesgrenze ist hier im wahrsten Sinne fließend, sie verläuft oft entlang der Entwässerungsgräben – und verschwimmt in den Köpfen der Menschen. Im Schützenverein Moor und bei der Freiwilligen Feuerwehr treffen sich noch immer die Bewohner der vier Moordörfer, obwohl Gut Moor Rönneburg zugeordnet ist.

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