Harburg
Moorwerder

Moorwerder kriegt schnelles Internet

Michael Weinreich (v.l.) Stefan Mündel und Sandy Hamann stehen auf dem Moorwerder Hauptdeich. In der Ortschaft Moorwerder wird in diesem Jahr der Ausbau mit schnellem Internet beginnen

Michael Weinreich (v.l.) Stefan Mündel und Sandy Hamann stehen auf dem Moorwerder Hauptdeich. In der Ortschaft Moorwerder wird in diesem Jahr der Ausbau mit schnellem Internet beginnen

Foto: Thomas Sulzyc

Ein weißer Fleck verschwindet. 940 Hamburger können bald effektiver als bisher online gehen.

Moorwerder.  Stefan Mündel weiß, was es bedeutet, wenn zu langsames Internet den Alltag erschwert. Der 27 Jahre alte Mechatroniker studiert am Wochenende im Fernstudium Maschinenbau. Um ein Zeichenprogramm aus dem Internet herunterzuladen, hat er kurzerhand seinen Rechner abgebaut und ist zu Bekannten in den 44 Kilometer entfernten Hamburger Stadtteil Poppenbüttel gefahren.

Dabei lebt Stefan Mündel selbst in Hamburg. Viele halten das nicht für möglich, aber in der zweitgrößten Stadt Deutschlands gibt es sogenannte weiße Flecken auf dem Breitbandatlas. Der Ortsteil Moorwerder auf der Elbinsel Wilhelmsburg ist so einer – aber das wird sich in diesem Jahr ändern. Sehr zur Freude der 940 Einwohner.

„Ab Mitte dieses Jahres wird der Ausbau des Breitbandnetzes beginnen. Moorwerder wird demnächst schneller surfen können“, sagt der Bürgerschaftsabgeordnete Michael Weinreich (SPD). Diese Information hat er auf Nachfrage aus der in Hamburg für den Internetaufbau zuständigen Senatskanzlei erhalten.

Der mit Bundesmitteln geförderte Ausbau soll nach dem aktuellen Planungsziel im Laufe des Jahres 2018 abgeschlossen sein. Dabei sei es unwahrscheinlich, dass die Anschlüsse an den Häusern direkt mit Glasfaser angebunden werden sollen, da es für das Versorgungsziel nicht notwendig sei. Details lassen sich erst nach Abschluss des Vergabeverfahrens wahrscheinlich Mitte Mai sagen.

Seit dem Sommer 2015 haben sich der Wilhelmsburger Bürgerschaftsabgeordnete Michael Weinreich (SPD) und die SPD-Fraktion in dem für die Elbinsel zuständigen Regionalausschuss

der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte für schnelles Internet in Moorwerder stark gemacht. Beim Schützenfest in dem ländlichen Ortsteil hatten gleich mehrere Besucher den Bürgerschaftsabgeordneten aus Wilhelmsburg darauf angesprochen.

In diesem Jahr hatten sich Bund und Länder auf eine Verteilung der Versteigerungserlöse aus der sogenannten „Digitalen Dividende II“ geeinigt und damit eine Grundlage für die finanzielle Förderung des Breitbandausbaus geschaffen. Die Bundesregierung stellt der Freien und Hansestadt Hamburg insgesamt 16 Millionen Euro für den Ausbau der Breitbandnetze zur Verfügung. Geld davon wird in diesem Jahr in Moorwerder investiert.

Der 661 Hektar große Ortsteil mit seinen landwirtschaftlich genutzten Marschflächen gilt als unterversorgt. Für Provider gelte Moorwerder als nicht wirtschaftlich, deshalb seien Bundesmittel nötig, sagt Michael Weinreich. Weite Teile gelten als Fördergebiet. Auch wenn Michael Weinreich die Senatskanzlei erst darüber aufklären musste, dass Moorwerder sich nicht in den Vier- und Marschlanden, sondern auf der Elbinsel Wilhelmsburg befindet.

379 Kbit pro Sekunde ist das Internet langsam in Moorwerder – Stefan Mündels Nachbar hat es schriftlich von seinem Provider. Laut Definition der Bundesnetzagentur gilt ein Anschluss mit einer Downloadgeschwindigkeit von mindestens einem Megabit pro Sekunde als „schnell“. Aber auch bei dieser Geschwindigkeit dauert der Download eines Musikalbums beinahe 21 Minuten. Die Aufrüstung in Moorwerder müsse zu Zugangsleistungen von mindestens 30 Mbit pro Sekunde führen, werde aber wahrscheinlich bei vielen Anschlüssen schneller sein, sagt Michael Weinreich.

Sandy Hamann (25) wäre es recht. Die Erzieherin kennt es, wenn der Internetempfang ab 18 Uhr „ganz übel“ wird, wie sie sagt. Filme aus dem Internet zu streamen, für den Großstädter die normalste Sache der Welt, sei bei dem Schneckentempo nicht möglich. Vieles ist heute von schnellem Internet abhängig.

Die Kommunikation des Schützenvereins Moorwerder zum Beispiel. Stefan Mündel gehört dem Vorstand an, ist zweiter Kassierer. Die Finanzplanung erledigt er über eine Dropbox. Einladungen gehen über das Internet hinaus. „Das schnell Internet gehört heute zur grundlegenden Infrastruktur, es ist eine bedeutende Informationsquelle und Unterhaltungsmedium. Deshalb ist es wichtig, dass sich jetzt in Moorwerder etwas verändert“, sagt Kesbana Klein, SPD-Sprecherin im Regionalausschuss Wilhelmsburg.

Moorwerder ist nicht der einzige weiße Fleck auf der Breitbandkarte Hamburgs. „Im Gewerbegebiet Billbrook fahren Sekretärinnen mit dem USB-Stick nach Hause und versenden die Daten“, sagt Michael Weinreich.

Wie aus der Antwort des Senates auf eine Kleine Anfrage des Bürgerschaftsabgeordneten Carsten Ovens (CDU) aus dem Jahr 2015 hervorgeht, bestehen Versorgungslücken in den Gebieten von Cranz und Grenzbereichen Hausbruchs, in weiten Teilen der Vier- und Marschlande, in gewerblich genutzten Teilen Billbrooks, aber auch in einigen Straßen am Altonaer Volkspark, in einigen an den Flughafen angrenzenden Straßen in Niendorf und Groß-Borstel. Hier werde eine Bandbreite von 30 MBit pro Sekunden nicht flächendeckend erreicht.

Nach Angaben des TÜV Rheinland aus dem Jahr 2015 seien in Hamburg in 97,4 Prozent der haushalte mindestens 30MBit pro Sekunde verfügbar.