Harburg
Neu Wulmstorf

Neue Kulturbeauftragte: „Ich schnacke nicht, ich mache“

Karin Schröder, die neue Vereins- und Kulturbeauftragte von Neu Wulmstorf

Karin Schröder, die neue Vereins- und Kulturbeauftragte von Neu Wulmstorf

Foto: Bianca Wilkens / HA

Karin Schröder ist Neu Wulmstorfs erste Kulturbeauftragte. Sie will Metalbands genauso wie Spielmannszüge unterstützen.

Neu Wulmstorf.  Karin Schröder soll das tun, was bis zu seiner Auflösung der Neu Wulmstorfer Kulturverein übernommen hatte: die Kultur in der Gemeinde voranbringen. Das Ende des Vereins Anfang 2015 hat eine Lücke gerissen, die Karin Schröder seit vergangenem September füllt.

Die 59-Jährige ist als Kultur- und Vereinsbeauftragte bei der Gemeindeverwaltung beschäftigt. Die Verwaltung sprang also da ein, wo das Ehrenamt an seine Grenzen stieß. Zwei Jahre lang hatte der Vorstand des Kulturvereins um eine Nachfolge gerungen. Doch niemand erklärte sich bereit, den Vorstand zu übernehmen. Deshalb verkündeten der Vorsitzende Bernd Hartmann und sein Stellvertreter Frank Müller Anfang 2015 das Ende des Kulturvereins. Damit war nach 25 Jahren Schluss, und die kulturelle Arbeit in Neu Wulmstorf lag ein Jahr lang am Boden – bis die Gemeinde entschied, auf 450-Euro-Basis in der Verwaltung eine Anlaufstelle für die kulturelle Arbeit und die Vereinsangebote zu schaffen.

„Wir wollten ein gewisses Kulturangebot vor Ort gewährleisten“, sagt Sprecherin Sandra Lyck. „Das war auch politisch absoluter Konsens.“ Karin Schröder verfüge über ein großes Netzwerk und kenne viele Hintergründe.„Sie ist die perfekte Person für die Position.“ Denn Karin Schröder hat sich bereits in der Vergangenheit stark in der Gemeinde engagiert. „Ich bin nicht unbekannt in Neu Wulmstorf“, sagt sie selbst. „Die Menschen wissen, dass ich nicht nur schnacke, sondern auch mache.“

Nach ihrem Studium an der Hochschule 21 in Buxtehude arbeitete sie für 14 Jahre als Bauingenieurin, schlug dann eine journalistische Laufbahn ein und verantwortete viele Jahre als Redaktionsleiterin die Ausgaben des Hier-Magazins für Neu Wulmstorf und Hollenstedt. Zehn Jahre saß sie für die Unabhängige Wählergemeinschaft im Gemeinderat. Von 2001 bis 2011 war sie Vorsitzende des Kulturvereins. Dass sie ihre Ehrenämter nie länger als ein Jahrzehnt ausgeführt hat, hat System. „Ich besetze ein Ehrenamt nie länger als zehn Jahre“, sagt Karin Schröder. „Nach einem solchen Zeitraum entsteht so viel Routine, dass sich so etwas wie Amtsmüdigkeit einstellt.“

Als Kultur- und Vereinsbeauftragte begab sie sich im vergangenen September zurück zu ihren Wurzeln. „Kultur macht mir einfach Spaß.“ Sie mag es, Leute zu animieren und ihnen Mut zu machen, nach draußen zu gehen und zu zeigen, was sie können. Die ersten Wochen hat sie genutzt, um Kontakte aufzufrischen und einen Überblick von Kulturschaffenden und Vereinen in Neu Wulmstorf zu erhalten.

In einem zweiten Schritt geht es jetzt darum, wie die Akteure eingebunden und welche Angebote kreiert werden können. Schröder ist der Auffassung, dass sich in Neu Wulmstorf bereits viele Menschen auf dem kulturellen Feld tummeln – angefangen bei den zahlreichen Chören und den Lesungen in der Bücherei bis hin zu Aufführungen in der Schule und First-Class-Sessions im Jugend- und Veranstaltungszentrum Blue Star. Demnächst will sie einen Aufruf starten, um einen kompletten Überblick zu bekommen, wer sich in der Kulturarbeit engagiert. Dabei soll es keine Beschränkungen in Genres geben „Der Metal-Bash fällt genauso darunter wie die Spielmannszüge im Ort“, sagt Schröder.

Sie hofft mit ihrer Tätigkeit, viele kleine „Kulturinseln“ zu schaffen, die sich untereinander vernetzen, um so die Kulturszene zu fördern. Um den Filmemacher Jan-Philip Lange scheint sich gerade eine neue „Kulturinsel“ anzubahnen. Lange hat Kulturschaffende und Interessenten um sich geschart, die neue Kulturveranstaltungen in Neu Wulmstorf anstoßen wollen.

Um solchen Initiativen nicht im Wege zu stehen, hält sich Karin Schröder mit eigenen Veranstaltungen zurück und beschränkt sich auf eine kulturelle Grundversorgung. Die ersten Termine stehen bereits. So hat sie für Freitag, 3. März, 20 Uhr, einen Musikszene-Abend organisiert (siehe Infokasten) und kann sich vorstellen, daraus eine Veranstaltungsreihe zu machen. Für andere Kulturschaffende steht sie in Fragen beispielsweise zu Technik, Veranstaltungsräumen und Gebühren bereit. „Das ist immer ein Angebot, kein Muss. Wenn jemand allein wurschteln möchte, darf er natürlich allein wurschteln“, sagt Schröder.

Für eine kleine Gemeinde wie Neu Wulmstorf, ist es nicht einfach, sich in der Vielfalt der Angebote zu behaupten. Zumal der Weg nach Buxtehude und Hamburg mit ihren prall gefüllten Kulturkalendern nicht weit ist.

„Bei den meisten Dingen muss man in Neu Wulmstorf einen längeren Atem haben“, sagt Karin Schröder. Sie sieht in einem Kulturangebot vor Ort in kleinem Rahmen allerdings unschätzbare Vorteile. „Wenn man es nicht weit nach Hause hat, kann man vieles viel besser nachwirken lassen“, sagt sie. „In kleinen Veranstaltungsräumen bekommt man außerdem einen ganz eigenen und persönlichen Blickwinkel, der in großen Hallen gar nicht entstehen kann.“