Harburg
Dauerschaden

Harburger Jobcenter erneut nicht barrierefrei

Der Behindertenfahrstuhl am Jobcenter ist seit Jahren immer wieder defekt.

Der Behindertenfahrstuhl am Jobcenter ist seit Jahren immer wieder defekt.

Foto: Lars Hansen / xl

Um zum Eingang zu gelangen, muss man Treppen steigen oder Fahrstuhl fahren. Doch der Lift fällt immer wieder aus.

Harburg.  „Die Benutzung des Aufzuges ist ausschließlich für den Transport von Kinderwagen, Personen mit eingeschränkter Mobilität und für Lieferanten gestattet. Betriebszeiten: Mo. – Fr., 7.00 – 18.00 Uhr“ Es gibt mehrere Gründe, warum man den Hinweis am Außenaufzug des Harburger Jobcenters kaum lesen kann. Einer der wichtigsten: Schon ein gutes Stück vor dem Aufzug versperrt gestreiftes Plastikband den Weg. Der Aufzug ist außer Betrieb. Einmal mehr. Und dem Verwitterungsgrad des Absperrbands nach zu urteilen, schon einige Monate.

Das ist für den Personenkreis, der den Aufzug benutzen dürfte, mehr als ärgerlich, denn der kleine Fahrstuhl dient nicht ihrer Bequemlichkeit. Er dient der Barrierefreiheit. Das Jobcenter lässt sich nur über die ehemalige Laderampe des Technikkaufhauses erreichen, das sich einmal hier befand. Über eine Treppe gelangen Besucher auf die Rampenhöhe. Wer nicht Treppen steigen kann, ist auf die Hebeplattform angewiesen.

Auch die Harburger Bezirkspolitik hat das Thema erkannt: Der Hauptausschuss der Bezirksversammlung beschloss einen entsprechenden Antrag: „Der Vorsitzende der Bezirksversammlung wird gebeten, umgehend von dem Jobcenter.Team.arbeit Hamburg oder. dem Vermieter darüber Auskunft zu verlangen, warum der Fahrstuhl an der Außentreppe zum Jobcenter wieder außer Betrieb ist. Darüber hinaus möge er auf das Jobcenter.Team.arbeit.Hamburg oder. den Vermieter dahingehend nachdrücklich einwirken, dass für die Besucher/innen des Jobcenters ein zuverlässiger und barrierefreier Zugang gesichert wird“ , lautet der Beschlusstext. Der Antrag kam von den Linken.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Bezirksversammlung so einen Antrag beschließt. Bereits 2013 wurde ein fast wortgleicher Beschluss gefasst. Antragsteller waren ebenfalls die Linken,selbst die CDU stimmte geschlossen zu.

„Ein öffentliches Gebäude muss barrierefrei sein“, sagt Jörn Lohmann, Fraktionsvorsitzender der Linken in der Bezirksversammlung, „da kann es kein Wenn und Aber geben.“ Gibt es anscheinend aber doch, das weiß auch Lohmann: „Wir haben ja oftmals Info-Stände vor dem Jobcenter“, sagt er, „und wir sehen den Aufzug selten in Betrieb. Mobilitätseingeschränkte Besucher des Jobcenters sind dann auf Hilfe von innen angewiesen. Oft rufen sie von unten an und ihr Sachbearbeiter oder ein Wachmann kommen dann nach unten. Einen Elektrorollstuhl bekommt man die Treppe allerdings nicht hoch.“

Allerdings sind auch Rollstuhlfahrer Kunden des Jobcenters. „Gerade in Hamburg werden die Grenzen für Arbeitsunfähigkeit sehr hoch gelegt“, weiß Lohmann, „weil dann die Lücke zwischen Rente und Existenzminimum als Sozialhilfe von der Stadt gezahlt werden müsste. Also versucht man, auch mobilitätsbehinderte Arbeitslose möglichst lange im Arbeitslosengeld II zu halten. Dafür müssen sie zum Jobcenter. Und dann sind sie auf den Fahrstuhl angewiesen.“

Schon nach dem ersten Antrag hatten die Linken einen Ortstermin mit einem Spezialisten. „Dieser Techniker sagte uns, dass dieser Aufzug für öffentlichen Dauerbetrieb nicht sehr gut geeignet sei“, sagt Jörn Lohmann, „ausgetauscht wurde er allerdings nie.“

Angeblich sei die Steuerung des Geräts sehr empfindlich und falle immer wieder aus.

Auch beim Jobcenter ist man nicht glücklich mit der Situation: „Wir stehen im Kontakt mit dem Vermieter, weil es seine Aufgabe ist, dass der Aufzug funktioniert“, sagt Jobcenter-Pressesprecher Matthias Thammling. „Der Vermieter hat uns zugesagt, dass er Techniker beauftragt hat, die sich heute kümmern wollen. Das passiert immer zeitnah. Nur bei großer Kälte kommen die Techniker von Thyssen -Krupp nicht“

Ein kurzer Kontrollblick nach dem Telefonat mit Thammling fällt auf einen immer noch defekten Aufzug mit den schlecht lesbaren Hinweisen: „Bitte beachten sie die Bedienungshinweise am Fahrkorb. Türen schließen und öffnen automatisch!“ Doch das tun sie leider nicht.