Harburg
Bauprojekt

Landreis Harburg stoppt Ausgrabungen in Ramelsloh

Steffen Lücking bietet am alten Glockenturm in Ramelsloh Grundstücke für insgesamt fünf Einfamilienhäuser zum Verkauf an

Steffen Lücking bietet am alten Glockenturm in Ramelsloh Grundstücke für insgesamt fünf Einfamilienhäuser zum Verkauf an

Foto: Christiane Tauer / HA

Investor will auf historisch bedeutsamem Grund fünf Einfamilienhäuser bauen. Doch die Archäologen dürfen vorerst nicht aufs Gelände.

Ramelsloh.  Zwischen hohen Eichen und Altem Glockenturm soll bald Ramelslohs neuestes kleines Baugebiet entstehen. Investor Steffen Lücking aus Rosengarten hat im vergangenen Jahr das Grundstück der ehemaligen Gärtnerei Meinecke erworben und die alten Gewächshäuser abreißen lassen. Jetzt plant er dort den Bau von fünf Einfamilienhäuser.

Diese dürfen jedoch erst errichtet werden, wenn Archäologen das Areal, das aufgrund seiner Nähe zur Kirche St. Sixtus und Sinnitius historisch äußerst bedeutsam ist, untersucht haben. Und genau hier liegt das Problem.

Nachdem das Archäologische Museum Hamburg unter Leitung von Kreisarchäologe Jochen Brandt vor rund drei Wochen bereits mit Sondierungen begonnen hatte, mussten die Arbeiten wieder eingestellt werden. Denn Steffen Lücking, der als Grundstücksbesitzer auch die Kosten für die Bodenuntersuchungen trägt, hatte für die Arbeiten noch keine Genehmigung vom Landkreis Harburg erhalten. „Ich dachte, ich helfe den Archäologen, wenn sie schon jetzt die gesamte Fläche untersuchen können und nicht Stück für Stück vorgehen müssen“, sagt Lücking.

Doch bisher hat der Landkreis Harburg lediglich einen positiven Bauvorbescheid für die fünf Einfamilienhäuser erteilt und keine Baugenehmigung. Letztere kann es erst geben, wenn die späteren Grundstückskäufer einen Antrag für den Bau stellen. Da sie dies aller Voraussicht nach aber nicht alle zeitgleich machen werden und somit die archäologischen Untersuchungen nur nach und nach möglich wären, preschte Lücking vor.

So wollte er auch den späteren Bauherren einen Vorteil verschaffen. Wenn die Ausgrabungen schon im Vorfeld abgeschlossen sind, wäre der Passus, dass diese noch angeschoben werden müssen, nicht mehr in den Baugenehmigungen enthalten. „Die Leute haben sonst eine große Unsicherheit, wie lange die Arbeiten dauern werden.“ Hinzu kommt, dass dann die Käufer als rechtmäßige Grundstücksbesitzer auch für die Ausgrabungen verantwortlich wären und sie die Kosten tragen müssten. Dies will Lücking vermeiden. Letztlich habe auch er selbst viel mehr Planungssicherheit, wenn bei Verkauf der Flächen alles erledigt sei, sagt der Investor. Die Kosten für die Ausgrabungen, mit denen sich die Archäologen Aufschlüsse über die Zeit bis ins neunte Jahrhundert erhoffen, liegen bei rund 30.000 Euro.

Um nun mit den Bodenuntersuchungen fortfahren zu können, will Lücking mit dem Landkreis eine Vereinbarung abschließen. Darin soll festgelegt sein, dass er freiwillig das Risiko für mögliche Haftungs- und Schadensersatzpflichten übernimmt, sollte es letztlich doch nicht zu Baugenehmigungen für alle Grundstücken kommen. Dass das passieren könnte, ist gar nicht so abwegig, denn nicht alle Nachbarn des neuen Baugebiets sollen von den Plänen begeistert sein. Setzten sie sich durch, bestünde aus Sicht des Landkreises die Gefahr, dass Lücking bei der Verwaltung die Kosten für die archäologischen Arbeiten geltend machen könnte.

„Wir sind derzeit dabei, eine solche Vereinbarung zu prüfen“, bestätigt Kreissprecher Bernhard Frosdorfer. Wenn sie unterzeichnet sei, könne der Landkreis eine sogenannte denkmalrechtliche Genehmigung erteilen.

Steffen Lücking ist optimistisch, dass das Schriftstück in der kommenden Woche vorliegt und es mit den archäologischen Arbeiten weitergehen kann. Spätestens Ende März könnten sie abgeschlossen sein und die jeweils rund 680 Quadratmeter großen Grundstücke, die laut Lücking noch nicht alle vergeben sind, könnten anschließend bebaut werden.