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So sicher stehen Fahrräder an Bahnhöfen

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Lena Thiele
Radspeicher Lüneburg soll neues Sicherheitssystem erhalten, Katharina Schmitz (23) aus Lüneburg pendelt täglich zum Studium nach Hamburg

Radspeicher Lüneburg soll neues Sicherheitssystem erhalten, Katharina Schmitz (23) aus Lüneburg pendelt täglich zum Studium nach Hamburg

Foto: Lena Thiele / HA

Radspeicher in Lüneburgsoll nach Diebstählen aufgerüstet werden. Buchholz, Neu Wulmstorf und Winsen setzen auf abschließbare Boxen.

Lüneburg/Winsen/Buchholz.  Morgens strömen die Pendler in Scharen zum Lüneburger Bahnhof: 7500 Berufstätige starten täglich von hier aus zur Arbeit, etwa 1500 kommen mit dem Fahrrad – das sie tagsüber möglichst sicher abstellen wollen. Nach eine Diebstahlserie im vergangenen Jahr soll nun der Radspeicher, den Pendler gegen eine Gebühr nutzen können, mit einem neuen Sicherheitssystem ausgerüstet werden.

Bisher wird das Fahrradparkhaus mit rund 1300 Stellplätzen videoüberwacht, die untere Ebene ist zudem nachts abgeschlossen. Tagsüber sind beide Ebenen über Rampen frei zugänglich. Künftig sollen nur noch Radler, die zuvor gezahlt haben, über ein elektronisches System Zugang zum Radspeicher erhalten.

Zugang soll per Drehkreuz oder Schleuse geregelt werden

„Ziel ist es, die Sicherheit im kostenpflichtigen Fahrradparkhaus möglichst zu erhöhen und so auch eine andere Qualität der Unterbringung bieten zu können gegenüber dem kostenfreien Fahrradparkhaus“, sagt Stadtsprecherin Suzanne Moenck. Denn es gibt ein weiteres Radparkhaus mit 800 Plätzen am Westbahnhof, ebenfalls videoüberwacht, aber für Radfahrer kostenlos. Dieses ist allerdings oft überfüllt, die obere Ebene ist mit dem Rad etwas umständlich zu erreichen. Auch sind beide Ebenen durchgehend geöffnet.

Für den neuen Zugang zum Radspeicher sind zwei Alternativen im Gespräch: zum einen eine Schleuse mit Drehkreuz, zum anderen eine Schranke. Für beide Varianten orientiert sich die Stadt Lüneburg an Zugangsystemen in Kiel. Für die Aufrüstung plant die Stadt 323.200 Euro ein, der Verkehrsausschuss hat bereits einen entsprechenden Beschluss gefasst. Bis auf einen Zuschuss von 800 Euro für LED-Lampen ist keine weitere Förderung in Sicht.

Beim Fahrradclub ADFC werden die Pläne begrüßt. Zwar erschienen die Kosten zunächst sehr hoch, sagt Burkhard von Roeder vom Kreisverband Lüneburg. „Vor dem Hintergrund der organisierten Diebstahlserie erscheint es aber sehr wohl angebracht, über eine Verbesserung der Diebstahlsicherung nachzudenken.“ Der zahlende Kunde könne erwarten, dass sein Fahrrad im Radspeicher sicherer sei als im kostenlosen Parkhaus.

Von Roeder gibt jedoch zu bedenken, dass der Zugang durch ein elektronisches System deutlich zeitaufwändiger werde. „Insbesondere während der morgendlichen und abendlichen Rushhour ist mit Staus und Wartezeiten zu rechnen. Dies wäre ein klarer Nachteil in der Benutzerfreundlichkeit.“

In Winsen entstehen 300 neue Radstellplätze am Bahnhof

In Winsen können demnächst mehr Pendler ihr Rad sicher abstellen. Das neue Parkhaus am Bahnhof, das am 1. März in Betrieb gehen soll, bietet Platz für 300 Fahrräder. Die Stellplätze sind verteilt auf sechs abschließbare Sammelboxen mit doppelstöckigen Gestellen für die Räder. Jeder Nutzer bekommt einen Platz zugewiesen.

An der Nordseite des Winsener Bahnhofs gibt es bereits 550 überdachte, kostenlos zu nutzende Stellplätze sowie 93 Einzelboxen. Im Radhaus an der Südseite ist in drei ebenfalls abschließbaren Sammelräumen Platz für insgesamt 120 Fahrräder, außerdem gibt es 14 Einzelboxen. Der Zugang ist mit einem Chip möglich. Dieses System habe sich bewährt und werde daher auch für den Neubau übernommen, sagt Sebastian Merkle von der Firma Apcoa. Diese wird das neue Parkhaus im Namen der Stadtwerke Winsen betreiben.

Ähnliche Lösungen bieten Buchholz und Neu Wulmstorf an. Von 600 Stellplätzen am Buchholzer Bahnhof befinden sich 75 in Einzelboxen sowie 350 in ebenfalls abschließbaren Sammel­käfigen. Beide Varianten seien stark nachgefragt, es gebe jeweils eine Warteliste, so Stadtsprecher Heinrich Helms. Derzeit werde das System von Schlüsseln auf elektronische Chips umgestellt, beide sind gegen ein Pfand erhältlich, zusätzlich fällt eine Jahresgebühr an. Die restlichen, lediglich überdachten Stellplätze mit Fahrradbügeln können kostenfrei genutzt werden.

Die Gemeinde Neu Wulmstorf gibt ebenfalls gegen eine Jahresgebühr elektronische Transponder aus, mit denen Bahnpendler Zugang zu einem von zwei Sammelkäfigen erhalten. Mit insgesamt 90 Fahrrädern sind diese allerdings schon überbelegt, ursprünglich waren sie für weniger Räder geplant. Auch in Neu Wulmstorf gibt es eine Warteliste, derzeit warten nach Informationen der Gemeinde 17 Radler darauf, einen der begehrten Stellplätze übernehmen zu können.

Alle Systeme sollen die abgestellten Fahrräder möglichst gut vor Diebstählen schützen. Eine absolute Sicherheit könne es aber nicht geben, sagt Suzanne Moenck mit Blick auf die Pläne für den Lüneburger Radspeicher. „Aber wir wollen unser möglichstes tun.“

Das kostet ein Stellplatz fürs Fahrrad

In Lüneburg kostet eine Karte für einen Stellplatz im Radspeicher 70 Euro pro Jahr, 40 Euro pro Halbjahr, acht Euro pro Monat und 2,80 Euro pro Woche. Für eine Tageskarte werden 80 Cent fällig. Studenten der Universität Lüneburg können ihre Fahrräder kostenlos abstellen.

In Winsen zahlen Inhaber einer HVV-Abokarte für einen Platz im neuen Radparkhaus sechs Euro pro Monat oder 60 Euro pro Jahr.

In Buchholz kostet die Einzelbox 42 Euro im Jahr, plus ein Pfand von 15 Euro. Ein Platz im Sammelkäfig kostet zwölf Euro pro Jahr, plus 40 Euro Pfand für den elektronischen Chip. Die verschließbaren Käfige werden derzeit umgerüstet, künftig sollen alle per Chip zugänglich sein.

In Neu Wulmstorf zahlen Bahnpendler 36 Euro im Jahr für einen Fahrradstellplatz im Sammelkäfig.

( let )

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