Harburg/Sinstorf

Musical Kids proben „Das magische Amulett“

| Lesedauer: 4 Minuten
Lars Hansen

Die Theatertruppe entstand durch Zufall. Mittlerweile ist sie eine feste Größe. Uwe Heynitz schreibt die Stücke und auch die Eltern sind für Garderobe und Bühnenbild fest eingebunden

Harburg/Sinstorf. Das wundert den Waldgeist: Das Hinterteil des Einhorns kann sprechen, wie kann das sein? „Wir sind im Fabelland, du Blödi“, sagt da der Märchenwesenschinken, „da geht so etwas“.

Noch tragen die Märchenwesen Jeans und T-Shirt. Noch stehen sie auch nicht auf der Bühne des Harburger Theatersaals. Aber bei der Probe der „Musical Kids“ für „Das magische Amulett“ ist die Aula des Sinstorfer Immanuel-Kant-Gymnasiums voll mit Menschen. Eltern sehen ihren Kindern beim Proben zu, Beleuchter machen sich schon ein paar Notizen, Regieassistenten sowieso. Darsteller, die gerade nicht auf der Bühne dran sind, sehen zu oder proben auf den Gängen oder in Nebenräumen eigene Szenen. Überall im Gebäude ist Betrieb.

Wie ein ruhender Pol sitzt Uwe Heynitz dazwischen, den Stuhl auf Schräglage gekippt, die Füße lässig auf dem Bühnenrand abgelegt, einen Tablet-Computer auf dem Schoß, verfolgt er das Geschehen auf der Bühne und greift korrigierend ein: Hier schneller sprechen, dort weniger kichern, da schneller laufen und immer so stehen, dass jeder Akteur auf der Bühne zu sehen ist. Nur noch knapp zwei Wochen bis zur Aufführung am 14. und 15. Februar im Helms-Saal. Noch läuft vieles grob, was am Ende fein sein soll, aber Uwe Heynitz wird nicht hektisch. „Das wird“, sagt er aus Erfahrung.

Und diese Erfahrung hat er. Heynitz ist Autor des Stücks, Komponist der Musik und Gründer der Truppe. Auf englisch würde man ihn „Mastermind“ nennen, den Kopf, der hinter allem steckt, aber so viel Ruhm will Heynitz gar nicht haben. Dass er die „Musical Kids“ gründet, hat der mittlerweile 60-jährige nie geplant.

„Das war eher ein Zufall“, sagt er. „An der Grundschule meiner Tochter war der Musiklehrer ausgefallen und ohne mich vorher zu fragen, hat meine Tochter gesagt, dass ich das dann ja machen könnte.“

Da hatte die Tochter Recht. Immerhin ist Heynitz studierter Musiker. Damit der Musikunterricht nicht langweilig wurde, schrieb Heynitz den Drittklässlern ein kleines Musical auf den Leib und bezog auch die Eltern mit ein: Mütter und Väter hämmerten, schraubten und nähten an Kostümen und Bühnenbild. Nach der Aufführung zum Schuljahresende wollte die Truppe nicht aufhören. Die „Musical Kids“ waren geboren und hatten ihre erste Aufführung 2007 im Helms-Saal.

Mittlerweile sind es gut 40 Kinder und Jugendliche, die zum Ensemble gehören. Das reicht beim aktuellen Stück „Das magische Amulett“ für zwei Besetzungen. „Am Anfang hatten wir die Regel, dass die Kinder mit 13 ausscheiden sollen“, sagt Heynitz, „aber in dem Alter fangen sie erst an, richtig gut zu werden. Also haben wir die Altersgrenze gekippt. Das heißt aber, dass wir weniger frisches Blut in die Truppe bekommen.“

Abseits der Bühne haben Sophina, und Nele gerade Pause. Auch die beiden Zwölfjährigen schwärmen vom Theaterleben. „Und ich lache wieder“, sagt Nele. Sophina bestärkt: „In dieser Gruppe etwas zu machen bringt richtig Spaß, und man erreicht auch etwas.“

Neben den Jugendlichen bleiben auch die Eltern weiter aktiv bei der Truppe, einige sogar länger, als ihre Kinder. „Und auch unter den Eltern haben wir immer ganz besondere Talente“, sagt Heynitz. „Da hat uns zum Beispiel ein Ingenieur einfach mal eine Drehbühne konstruiert. Oder unsere Kostüme: Die werden von Bettina Eichblatt entworfen, der Designerin der Oakleaf-Stelzentruppe.“

Neun große Produktionen und diverse Weihnachtsmärchen haben die „Musical Kids“ bislang auf die Bühne gebracht, allesamt erdacht und komponiert von Uwe Heynitz. Die Stücke werden inzwischen von anderen Jugend-Theatertruppen in ganz Deutschland übernommen. „Das ist für mich nicht nur eine Anerkennung, das ist auch meine Altersabsicherung“, sagt Heynitz verschmitzt.

Der Waldgeist und der sprechende Einhornhintern werden im Lauf der Akte übrigens noch dicke Freunde.

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