Harburg
Aktion

Naturschützer nutzen Kraftwerk für Licht-Protest

Autobahngegner projizieren bei der Aktion (Licht)Zeichen aus 160 Metern Entfernung ihren Protest auf das Krafttwerk Moorburg

Autobahngegner projizieren bei der Aktion (Licht)Zeichen aus 160 Metern Entfernung ihren Protest auf das Krafttwerk Moorburg

Foto: Olimpia Sprenger / HA

Gegner der geplanten A 26-Ost strahlen Kühlturm in Moorburg mit Protestbildern an. Betreiber Vattenfall gab offenbar Einverständnis

Moorburg.  In spektakulärer Art und Weise haben Autobahngegner am Wochenende in Moorburg ihren Protest gegen die geplante Autobahn A26-Ost zum Ausdruck gebracht. Bei einer gemeinsamen Aktion haben das neu gegründete Bündnis Verkehrswende Hamburg und der Naturschutzbund (NABU) bei Dunkelheit mehrere Bilder mit Protestmotiven auf den Kühlturm des Kraftwerks Moorburg projiziert.

Mehr als 40 Menschen versammelten sich am Sonnabend gegen 18 Uhr zur Aktion „(Licht)“Zeichen“ am Kattwykdamm. Aus einem nahe der Kattwykbrücke geparkten Kleinbus heraus strahlte ein Projektor riesige Lichtbilder auf den etwa 160 Meter entfernten Kühlturm. Nach der Elbphilharmonie mutiert mit dem Kraftwerk Moorburg kurzzeitig ein zweites gewaltiges öffentliche Bauwerk in Hamburg zur Leinwand. Der Kraftwerkbetreiber Vattenfall habe sein Einverständnis zu der Aktion gegeben, sagt der Vorsitzende des Beirates für Stadtteilentwicklung Wilhelmsburg, Lutz Cassel. Die geplante Autobahn würde in etwa 50 Meter Höhe an dem Kraftwerk vorbeiführen. In einem Planfeststellungsverfahren müssten Fachleute prüfen, ob der von dem Kraftwerk ausgehende Wasserdampf Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit haben könnte. Autobahngegner warnen vor Eis- und Nebelbildung.

„A26-Ost - Dreck, Lärm, Zerstörung“ ist auf einem Protestlichtbild zu lesen. „Hafenpassage - nächste Blamage“ ist ein anderer Schriftzug. Hafenpassage Hamburg ist der neueste Name für die geplante A26-Ost, die ursprünglich als „Hafenquerspange bekannt geworden ist. Gespenstisch wehen imposante Wolken aus Wasserdampf über der Leinwand. Passend dazu sind morbide Protestbilder: „Bekassinen-Killer“ steht darauf und „Moorfrosch-Meuchler“. Hintergrund: Mit dem Bau der A26-Ost verlören die als „Meckervogel“ bekannte Bekassine und andere seltene, teilweise vor dem Aussterben bedrohte Tierarten ihren Lebensraum. Auch für das Dorf Moorburg würde die Autobahn den schleichenden Tod bedeuten, behaupten NABU und Bürgerbündnis.

Das vor Kurzem gegründete Bündnis Verkehrswende Hamburg ist ein Zusammenschluss mehrerer Initiativen in Hamburgs Süden. Dazu gehören der Verein Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg, Engagierte Wilhelmsburger, Stop A26 Moorburg, die Siedlergemeinschaft Radeland, „Lärm macht krank Harburg“ und der Beirat für Stadtwicklung Wilhelmsburg. Der NABU arbeitet eng mit dem Bündnis zusammen.

Nach etwa 20 Minuten war die Vorstellung vorüber. Die Teilnehmer beendeten den kreativen Prostest mit einem Lied. Der Duft von Glühwein lag dabei in der eisigen Winterluft.

Eisig scheint inzwischen auch das Verhältnis zwischen Autobahngegnern und der Behörde für Wirtschaft und Verkehr zu sein. Bürgerbündnis und NABU werfen Hamburgs Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof (SPD) vor, keine Alternativen zur geplanten A26-Ost zu prüfen. Dabei hätten sich SPD und Grüne in ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigt, bei umstrittenen Projekten die Bürger frühzeitig zu beteiligen und vor der ersten Verschickung von Planunterlagen Varianten zu erörtern. Die Autobahngegner fordern Staatsrat Rieckhof auf, bei der freiwilligen Bürgerbeteiligung am Mittwoch, 18. Januar, 19 Uhr, im „Moorkathen“ in Moorburg, zu gewährleisten, dass Alternativen zum Autobahnbau diskutiert werden. „Sonst kommt es zu einem Eklat“, sagt Stephan Zins von „Stop A26 Moorburg. „Für eine Pseudo-Beteiligung stehen wir nicht zur Verfügung.“