Harburg
Fachaufsichtsbeschwerde

Heimfeld: Beschwerde gegen Umweltsenator

Guido Schwarz (l.) und Marcus Pietsch gehen den Eißendorfer Pferdeweg entlang. Sie fordern, die Straße in die Lärmkartei aufzunehmen

Guido Schwarz (l.) und Marcus Pietsch gehen den Eißendorfer Pferdeweg entlang. Sie fordern, die Straße in die Lärmkartei aufzunehmen

Foto: Thomas Sulzyc

Anwohner sind der Auffassung, die Umweltbehörde verstoße bei der Lärmkartierung gegen EU-Recht.

Heimfeld.  Der Verkehr in den Straßen des Hamburger Stadtteil Heimfeld fließt lauter als erlaubt - davon jedenfalls sind Anwohner überzeugt. Der Erziehungswissenschaftler Marcus Pietsch hat deswegen bei Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) eine Fachaufsichtsbeschwerde eingereicht. Er wirft der Behörde für Umwelt und Energie vor, die Lärmkarten der Stadt Hamburg nicht gesetzeskonform nach EU- und Bundesrecht zu erstellen.

Seit Monaten wundern sich die in der Initiative Verkehrssicherheit Heimfeld organisierten Anwohner, warum Straßen in Heimfeld, die gefühlt stark befahren sind, nicht in den Lärmkarten der Stadt auftauchen.

Die Lärmkartierung ist Voraussetzung dafür, wenn Anwohner Maßnahmen zur Reduzierung von Verkehrslärm erkämpfen wollen. Ist eine Straße nicht in der Lärmkartei erfasst, besteht keine Chance auf einen Lärmaktionsplan mit dem Ziel, schädliche Auswirkungen des Verkehrs zu verhindern.

Nach Auffassung der Initiative geht es im Eißendorfer Pferdeweg lauter zu als die Behörde behauptet. Die Wohnstraße zieht sich durch Heimfeld, hübsche Ein- und Mehrfamilienhäuser säumen sie, oft mit großen Gärten.

Hier befindet sich auch das Asklepios Klinikum Harburg. Transporter, die das Klinikum mit Bettwäsche und anderem Bedarf versorgen, würden nachts mit überhöhter Geschwindigkeit und damit subjektiv sehr laut die Straße entlang fahren, berichten Anwohner. „Wie schnell die Leute tatsächlich fahren, findet bei der Lärmkartierung keine Berücksichtigung“, sagt Guido Schwarz von der Initiative Verkehrssicherheit Heimfeld.

Bei den Messungen zur Lärmbelastung gelte als Grundlage, dass alle Fahrzeuge mit den erlaubten 50 Stundenkilometern fahren. Geschwindigkeitsmessungen der Harburger Polizei im November 2015 hätten gezeigt, dass 57 Prozent der Fahrzeuge im Eißendorfer Pferdeweg schneller als mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit unterwegs seien.

Laut der Messung nutzen insgesamt 9200 Fahrzeuge am Tag den Eißendorfer Pferdeweg. Damit ist eine Verkehrsstärke erreicht, dass die Straße bei der Lärmkartierung berücksichtigt werden müsste.

Die Behörde für Umwelt und Energie setzt die Schwelle bei 8200 Kraftfahrzeugen pro Tag an, das bedeutet mehr als drei Millionen Fahrzeugbewegungen im Jahr. Das hat sie der Heimfelder Initiative im Mai 2016 mitgeteilt. Dennoch taucht der Eißendorfer Pferdeweg bisher nicht in Hamburgs Lärmkartei auf. Das stößt bei den Anwohnern auf Unverständnis.

Marcus Pietsch ist davon überzeugt, dass der von der Hamburger Behörde genannte Grenzwert gegen EU- und Bundesrecht verstoße. In Ballungsräumen mit mehr als 100.000 Einwohnern seien vielmehr alle Straßen zu kartieren, von denen erheblicher Umgebungslärm ausgehe. Laut EU-Umgebungslärmrichtlinie sei das Kriterium von mindestens drei Millionen Kraftfahrzeugen pro Jahr nur auf Hauptverkehrsstraßen außerhalb von Ballungsräumen anzuwenden.

Die Freie und Hansestadt Hamburg müsse demnach alle Straßen kartieren sind, auf denen der Lärm des Verkehrs einen Wert von 55 Dezibel am Tag oder 50 Dezibel in der Nacht überschreitet. Dies entspreche einem Verkehrsaufkommen von nur 1000 Kraftfahrzeugen pro Tag.

Die Folge: Viele Straßen in Heimfeld müssten in die Lärmkartierung aufgenommen werden. Marcus Pietsch nennt neben dem Eißendorfer Pferdeweg, den Ehestorfer Weg, den Hainholzweg, den Lohmannsweg, den Milchgrund, die Denickestraße, die Triftstraße und die Heimfelder Straße.

Die Initiative Verkehrssicherheit Heimfeld fordert, in dem Stadtteil auf allen Straßen in Zuständigkeit des Bezirksamts Harburg flächendeckend Tempo 30 einzuführen. Heimfeld, so ihre Idee, könnte ein Modellstadtteil für E-Mobilität sein.

Insgesamt 5400 Fahrzeuge fahren pro Tag die Heimfelder Straße entlang. In der Nacht bewegen sich insgesamt acht Linienbusse pro Stunde an den Häusern vorbei. „Ein Bus verursacht einen Lärm wie 23 Pkw“, sagt Marcus Pietsch. Er habe nichts gegen Busse, fahre selbst oft mit ihnen, sagt der Heimfelder.

In der Nacht aber, wenn nur drei Fahrgäste unterwegs seien, könnte die Hochbahn statt riesiger mit Diesel betriebener Busse kleine und leisere Elektrobusse einsetzen, schlägt Marcus Pietsch vor. Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) spreche immer von Innovation. „In Heimfeld“, sagt Marcus Pietsch, „könnte der Senator doch eine Teststrecke für E-Busse schaffen.“