Harburg
HR-Regional

2017 – Auf Pläne sollen Taten folgen

Wünsch’ dir was! In unserer Serie zum Jahresanfang sagen namhafte Stadt- und Landkreis-Harburger, was für sie 2017 wichtig ist und was sie sich erträumen. Heute: Andreas Tietz, Immobilienentwickler

Das Gute liegt so nah“ – das ist viel mehr als eine Binsenweisheit. Als Geschäftsführer der Buchholzer Spedition terra ist Andreas Tietz viele Jahre lang in alle Welt gereist. Doch seit gut zwei Jahren ist er „fast nur“ noch in der Region unterwegs. Vom „mobilen“ Gewerbe kam er zu den Immobilien. Seine Geschäftsreiseziele bewegen sich jetzt in einem Radius von 500 m bis 50 km um Buchholz herum. Mit dem neu gegründeten Tochterunternehmen terra Real Estate ist Tietz nun als Projektentwickler tätig. In dieser Rolle kann und will er vor allem im Landkreis Harburg viel bewegen. Mit seinen Ideen könnte er vor allem die Zukunft der Stadt Buchholz entscheidend prägen.

Neuestes Projekt ist das ehemalige Woolworth-Haus in der Winsener Fußgängerzone. „Wir gestalten gemeinsam mit einem Immobilienpartner aus dem hässlichsten Haus der Stadt Winsen jetzt eines der schönsten“, sagt Tietz selbstbewusst. Als er in Lüneburg studierte, hatte es ihm die dortige, typisch hanseatische Backsteinarchitektur, angetan. Der 70er-Jahre-Klotz in Winsen soll eine Treppengiebel-Fassade bekommen, ganz wie in der Hansestadt. Ähnliches kann er sich auch für das Woolworth-Gebäude in Buchholz vorstellen.

Doch sein erstes Projekt war zugleich das bisher aufsehenerregendste – obwohl noch gar nicht viel davon zu sehen ist. Denn vor gut zwei Jahren präsentierte sich terra Real Estate als Investor, der nicht weniger als die komplette Buchholzer Bahnhofstraße sanieren und umgestalten will. Dass es dazu kam, war ein bisschen Zufall, ein bisschen glückliche Fügung und eine große Portion soziale Verantwortung. „Ich hatte eine Mitarbeiterin gerade zur Betreuung eines amerikanischen Speditionskunden eingestellt, doch nach wenigen Wochen haben wir diesen Kunden verloren. Wir überlegten dann, wie wir Frau Van Noy weiter einsetzen könnten“, erzählt Andreas Tietz. Um sich inspirieren zu lassen, fuhr er mit ihr durch Buchholz und entdeckte, dass an der Bahnhofstraße mehrere Grundstücke zum Verkauf standen. Das war die Inspiration, die er brauchte. „Als Familie sind wir ohnehin schon traditionell immobilienaffin“, sagt Tietz. Das Unternehmen Terra, das seine Eltern gründeten und in dem sein Bruder Michael ebenfalls Geschäftsführer ist, hat sich im Laufe der Zeit mit eigenen Gebäuden für die Spedition und Wohnhäusern als Anlageobjekten ein zweites Standbein aufgebaut.

Als Zwei-Personen-Unternehmen, nämlich Andreas Tietz und Tari Van Noy, ging schließlich die terra Real Estate an den Start. Schon bald wurde das „Canteleu-Quartier“ der Öffentlichkeit präsentiert. Die Bahnhofstraße soll mit modernen Läden, Wohnungen und Gastronomiebetrieben wieder das Eingangsportal werden, das es einmal war.

Allerdings bedauert Tietz, dass das Projekt wegen der Kommunalwahlen in den letzten Monaten langsamer als geplant vorangekommen ist. Sein Wunsch für 2017 lautet daher zuallererst: „Die Politik muss wieder entscheidungsfähig und vor allem entscheidungsfreudig sein.“ Er hofft, dass die neu zusammengesetzten Stadt- und Gemeinderäte sich bald eingearbeitet haben und positiv über seine Projekte entscheiden. Für das Canteleu-Quartier rechnet er mit dem Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans im ersten Quartal des neuen Jahres. In Hittfeld hat terra Real Estate ein Konzept für den „100-Jährigen“, ein traditionsreiches, mittlerweile aufgegebenes Gasthaus, vorgelegt.

Die Zustimmung des Gemeinderates steht noch aus. Deswegen ist terra vorgesprescht und hat umliegende Flächen zum Bau von bezahlbarem Wohnraum schon angekauft. Tietz ist zuversichtlich: „Da es immer um das Thema bezahlbaren Wohnraum geht, finden wir in den Gemeinden Gehör.“ Doch gewiss spielt noch etwas anderes mit: Für Andreas Tietz ist wichtig, das Traditionelle mit dem Modernen zu verknüpfen, ein Anspruch, der sich als roter Faden durch alle Projekte zieht. So soll beispielsweise in der Buchholzer Bahnhofstraße das 120 Jahre alte Ärztehaus mit den zwei markanten Säulen am Eingang weitestgehend erhalten bleiben, und im „Hundertjährigen“ in Hittfeld soll eine Gastronomie wieder eröffnen. „Das Wechselspiel aus Tradition und Moderne macht viel Spaß“, betont Tietz.

Bei der Planung der Bahnhofstraße war ein Workshopverfahren zum Einsatz gekommen, damit die Interessen und Ideen von Verwaltung, Politik und Anwohnern gleichermaßen einfließen konnten. „Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht. Planungsfehler können so von Anfang an vermieden werden.“ Er hofft, dass dieses Verfahren auch künftig angewendet wird. Hilfreich sei, dass die terra Real Estate bei allen Projekten einen Teil der Immobilien, die sie konzeptioniert und bauen lässt, selbst behält. Auch das kommt bei den Gemeindevertretern gut an.

2017 wird das Jahr, in dem die Projekte umgesetzt werden, also Phase zwei beginnt. „Bisher haben wir nur geplant und geplant. Jetzt haben, zum Beispiel am neuen Wohngebiet Schaftrift in Buchholz, die Erschließungsarbeiten angefangen. Schon bald werden wir etwas sehen und anfassen können“, freut sich Andreas Tietz.

Am liebsten, verrät er, hätte er zudem gern freie Hand beim Buchholzer Bahnhofsgebäude, das terra Real Estate ebenfalls gekauft hat. „Wir haben sehr viel Fantasie, was dessen Umgestaltung angeht. Vorausgesetzt, die Politik trägt das mit. Aber wenn es weiterhin so gut läuft wie bisher, werden wir alle gemeinsam viel Freude am Bahnhofsgebäude haben.“