Harburg
Leerstand

Bürger befürchten Abriss-Offensive in Neuenfelde

Corien Veithen und Claudia Smittal sorgen sich um das Bild des Neuenfelder Ortskerns

Corien Veithen und Claudia Smittal sorgen sich um das Bild des Neuenfelder Ortskerns

Foto: Lars Hansen / xl

Die lange Leerstandsgeschichte im Neuenfelder Ortskern geht weiter. Anwohner wollen wissen, was geschieht.

Neuenfelde.  Claudia Smital und Corine Veithen machen sich Sorgen: Um zahlreiche leerstehende Häuser an der Hasselwerder Straße und am Organistenweg in Neuenfelde sind Bauzäune errichtet worden. Die beiden Anwohnerinnen befürchten, dass die Häuser abgerissen werden sollen. Zum Teil zu Recht.

Im alten Neuenfelder Dorfkern stehen zahlreiche Häuser seit Beginn des Jahrtausends leer und verfallen. Eigentlich ist es erklärtes Ziel der Stadt, den Leerstand, den sie selbst geschaffen hat, zu beenden. Für einige Häuser ist es allerdings zu spät.

Was Claudia Smittal, Corine Veithen und viele andere Neuenfelder ärgert, ist, dass die Anwohner in die Entwicklungen nicht eingeweiht werden. „Die SAGA spricht mit den Bezirkspolitikern und dem Bezirksamt, aber nicht mit uns“, sagt Corine Veithen.

Die SAGA ist Besitzerin fast aller Häuser an der Hasselwerder Straße. Auch Corine Veith und Claudia Smital sind SAGA-Mieterinnen. „Als Vermieter ist die SAGA gar nicht schlecht“, sagt Veithen. „Aber diese Informationspolitik lässt uns etwas verzweifeln. Wir wollen keine Baulücken im Ortskern!“

Die Entvölkerung der Hasselfelder Straße begann 2001. Um zu vermeiden, dass Einwohner von Neuenfelde Lärmschutzklagen wegen der verlängerten Landebahn des Airbus-Werks einreichen, kaufte der Senat des Bürgermeisters von Beust die ersten Häuser auf. Die Aufkaufaktion dauerte bis 2005. Dann waren 67 Häuser im städtischen Besitz und ihre ursprünglichen Bewohner ausgezogen.

Eine Hand voll wurden vermietet, bis die Freie und Hansestadt zu fürchten begann, dass auch Mieter Lärmschutzklagen einreichen könnten. So wurde die Weitervermietrung nach nur drei Monaten gestoppt.

Viele Häuser blieben deshalb leer. An der Hasselwerder Straße gingen die Lichter allerdings nicht ganz aus: Zeitschaltuhren für Zimmerlampen, heizende Hausmeister und grünpflegende Gärtner sollten nach außen den Eindruck erwecken, hier herrschte Leben – warum auch immer: Neuenfelde ist ein Dorf und jeder im Dorf wusste, dass in diesen Häusern niemand mehr wohnt.

Die Wende kam erst zehn Jahre später: Erstens ergab ein Lärmgutachten, dass der Geräuschpegel in Neuenfelde durch die Starts und Landungen auf der Luftwerft nicht klagefähig angehoben wurde, zweitens hatte Hamburg mit Olaf Scholz einen Bürgermeister gewählt, der sich beim Thema Wohnraum nicht dessen künstliche Verknappung und Verteuerung, sondern dessen Schaffung auf die Fahnen geschrieben hatte.

Die Häuser verkaufte sich die Stadt 2014 quasi selbst

Die Häuser, die sich 2011 sofort wieder vermieten ließen, wurden auch wieder vermietet. Im Leerstand verblieb immer noch gut die Hälfte, 47 Wohnungen in etwa drei dutzend Häusern. Die Häuser verkaufte sich die Stadt 2014 quasi selbst: Sie gingen vom Landesbetrieb Immobilien (LIG) in den Besitz der Wohnungsbaugesellschaft SAGA über, die sich ihrerseits im Besitz der Hansestadt befindet.

Das war keine Neuenfelder Besonderheit: Der LIG gab 2014 alle seine Wohnimmobilien an die SAGA ab. Zuvor hatte die SAGA die Häuser in Neuenfelde schon für den LIG verwaltet und auch einige saniert.

Die Bauzäune hat die SAGA aufgestellt. Sie bedeuten nicht unbedingt, dass die eingezäunten Häuser abgerissen werden, sagt SAGA-Pressesprecher Gunnar Gläser: „Da wir unbefugtes Betreten und das Abstellen von Fremdfahrzeugen vermeiden wollen, haben wir Bauzäune auf den entsprechenden Grundstücken aufgestellt. Diese Maßnahme erfolgte unabhängig vom weiteren Vorgehen mit den Gebäuden.“

Laut Gläser befinden sich in Neuenfelde derzeit drei Gebäude in der Modernisierung, zwei weitere werden Anfang dieses Jahres folgen. Weitere 47 Wohneinheiten stünden wegen des bevorstehenden Abbruchs oder einer umfangreichen Modernisierung leer.

Baulücken müssten die Anwohner nicht befürchten: „Wir planen derzeit den Neubau von 51 Wohneinheiten. Davon soll ein Drittel mit öffentlicher Förderung finanziert werden. Da die Planungen jedoch noch nicht abgeschlossen sind, sind diese Zahlen vorläufig.“

Die Neuenfelder Grünen-Politikerin Gudrun Schittek ist da skeptisch: „In den Gesprächsrunden hat die SAGA des Öfteren betont, dass Sanierung und Neubau hier nicht wirtschaftlich sind. Die SAGA soll aber wirtschaftlich arbeiten.“ Am Mittwoch, 11. Januar. sind Vertreter der SAGA in dieser Angelegenheit in den Regionalausschuss Süderelbe im Dienstleistungszentrum Neugraben eingeladen. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr.