Harburg
Visionen zum Jahreswechsel

Von einer Frau, die eine Autobahn bauen will

Gesa Schütte ist Fachbereichsleiterin Bau bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Lüneburg

Gesa Schütte ist Fachbereichsleiterin Bau bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Lüneburg

Foto: Rolf Zamponi / HA

In unserer Serie „Wünsch’ dir was!“sagen Stadt- und Landkreis-Harburger, was für sie sich von 2017 erträumen. Heute: Gesa Schütte, Landesbehörde für Straßenbau.

Lüneburg.  Frauen können es häufiger in Führungspositionen schaffen und auch als Mutter im Job bleiben. „Wenn sie nicht mehr zu lange zögern und abwägen und die Chancen vertan sind, wenn sie sich für eine Aufgabe entschieden haben“, sagt Gesa Schütte. Die Vision einer Frau, die Karriere gemacht hat – ausgerechnet in der Baubranche.

Kein Wunder, dass ihr eigene Vision dahin geht. Sie würde gern die Autobahn 39 bis hinunter nach Wolfsburg verlängern. Als Projektleiterin. Das wäre ein neuer Karriereschritt für die Diplom-Bau-Ingenieurin. „Autobahnen bauen war schon immer mein Ding.“

Frauen und Karriere? „Ja, das geht“, ist Schütte überzeugt. Als Voraussetzung dafür würde sie sich wünschen, dass junge Frauen ihr vorsichtiges Agieren vor allem von ihren Müttern nicht mehr anerzogen bekommen. Am ehesten könnten Eltern daran etwas verändern.Denn: „Zurückhaltende Charaktere gibt es wohl auch unter Männern“, sagt die Ingenieurin. Greifen Frauen bei Job-Angeboten zu, machen sie Karriere und verdienen sie mehr als ihr Partner, dürften sie ihren Beruf kaum so rasch zurückstellen wie sie es heute noch oftmals tun, wenn der Partner besser verdient.

"Ich wollte nicht aus dem Job heraus"

Schütte hat es im Beruf geschafft, ohne auf eine Familie zu verzichten. Die 43-Jährige, verheiratet und Mutter von drei Kindern, steht in der Leitung des Lüneburger Geschäftsbereichs der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in der Hierarchie in der zweiten Reihe direkt hinter Behördenchef Dirk Möller.

Zuvor hatte sie sich nach ihrem Abitur in Hennef (Sieg) bei Bonn und dem Studium in Hannover beim dortigen Tiefbauunternehmen Papenburg bis zur Ober-Bauleiterin hochgearbeitet. Als einzige Frau in einer solchen Prosition. Sie bringt damals Projekte für Straßen, Deponien, Wohngebiete und Autobahnen bis zum Abschluss, ist Wochen und Monate auf Montage und sorgt mit dafür, dass der S-Bahn Ring am Berliner Kanzleramt fertig wird.

Dann zwei Kinder. Oftmals das Ende von Karrieren. „Ich habe in der Elternzeit überlegt, wohin ich will und ich wollte nicht aus dem Job heraus“, sagt Schütte. Ohne Zweifel wohl eine Blaupause für Frauen, die sich so ihre Chancen erhalten können.

Beruflich ist sie angekommen

Schütte bewirbt sich bei der Landesbehörde mit ihrem Selbstbewusstsein aus den Zeiten bei Papenburg. Entschlussfreudig und eben ohne zu zögern, wie sie es anderen Frauen rät. Bewusst sucht sie einen öffentlichen Arbeitgeber, bei denen Teilzeitangebote häufiger sind als in der privaten Wirtschaft, wird befristet angestellt, befördert, geht noch einmal in Elternzeit.

Heute ist Schütte eine von vier Fachbereichsleitern der Behörde mit 18 Mitarbeitern. Beruflich angekommen. „Auch für Frauen gilt: Sie müssen wissen, wohin sie wollen. Das ist eine Voraussetzung für eine Karriere“, sagt sie. Gut möglich, dass künftig mehr Betroffene so denken. Denn Frauen verlassen sich weniger auf die Absicherung durch einen Partner, wollen sich vor einer Familienphase beweisen.

Natürlich braucht Karriere auch Förderer und Glück. Bei Schütte ist der Mentor ihr erster Vorgesetzter beim Bauunternehmen Papenburg, dessen Arbeitsstil sie bewundert. Glück bringt ihr das bundesweite Infrastrukturprogramm nach der weltweiten Finanzkrise. Schon nach drei Monaten befristeter Anstellung bei der Behörde kann sie in eine feste Anstellung wechseln.

Im Schnitt 40 Stunden pro Woche

Zu den Visionen für die Zukunft gehören Jobs, die mehr Raum für die Familie lassen, wie die Landesbehörde sie bietet. Bei einer durchschnittlichen 40-Stunden-Woche bleibt ihr im Wechsel mit ihrem Ehemann Zeit für die Kinder. Dabei helfen die kurzen Wege ins Büro per Fahrrad durch Lüneburg. „Nur wenn in der Schule Arbeiten anstehen, denke ich manchmal, es wäre schön mal eher zu Hause zu sein.“

Passiert es, dass sie privat als typische Powerfrau herhalten muss? „Nein, das geschieht nicht zwangsläufig, weil meine Freunde mich nicht anders kennen und ich mich privat, als Mutter, eher zurückhalte.“

Ohne Zweifel gibt Gesa Schütte ein Beispiel dafür, wie Karriere als Frau gelingen kann, mit Familie und Kindern. Doch sie rechnet nicht damit, dass sich der Anteil der Frauen in Vollzeitjobs oder gar in Führungspositionen stark ausweiten wird. „Die Entwicklung bei jungen Leuten wie ich sie erlebe, geht eher dahin mehr auf Freizeit, abgestimmte Arbeitszeiten und kurze Arbeitswege zu achten als pendeln zu müssen“, sagt die Fachbereichsleiterin.

Frauen könnten aber mehr in den Vordergrund rücken, weil auch junge Männer im Job ähnlich denken. Der Reiz der Work-Balance als Hintergrund für mehr Frauen, die es wie Schütte in Führungspositionen schaffen? Warum nicht? Und Gesa Schütte als Projektleiterin für die A39? Mal abwarten.