Harburg
Neues Konzept

Elbe-Touristik setzt auf Wanderer und E-Biker

Foto: Martin Jäschke

Flusslandschaft Elbe GmbH präsentiert neues Tourismus-Konzept zum Urlaub am Fluss. Zahl der Übernachtungen ist weiter gestiegen.

Lüneburg/Winsen.  Der Tourismus an der Elbe von der Hamburger Landesgrenze bis Hitzacker lebt von Naturliebhabern und sollte sie noch gezielter mit speziellen Angeboten ansprechen, etwa mit attraktiven Wanderwegen und einer guten Infrastruktur für Nutzer von Elektro-Fahrrädern (E-Bikes). Auch beim Wassertourismus sieht die Flusslandschaft Elbe GmbH, die von den Landkreisen Harburg und Lüneburg getragen wird, deutliches Entwicklungspotenzial. So steht es im gerade präsentierten Tourismuskonzept 2016 bis 2020.

In den vergangenen acht Jahren – seit Gründung der Flusslandschaft Elbe GmbH – habe sich der Tourismus in den Elbgemeinden recht positiv entwickelt, sagt deren Geschäftsführer Jens Kowald. Die Übernachtungszahlen seien um 24 Prozent auf rund 380.000 im Jahr 2015 gestiegen. Die intakte Natur und die Elbe mit ihren Nebenflüssen sind dabei die Besuchermagneten. So wurde der Elberadweg zum zwölften Mal in Folge zu Deutschlands beliebtesten Fernradweg gewählt, nachzulesen in der Radreiseanalyse 2016 des ADFC. Auf diese Stärken der Region will sich Kowald fokussieren: „Künftig wird sich alles um die zentrale Zielgruppe der Naturliebhaber drehen. Sie hat hohe Ansprüche. Deshalb nehmen wir jetzt stärker die Qualität und den Service der Angebote in den Blick.“

Qualität, Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit seien Hauptsäulen der touristischen Entwicklung, heißt es in dem Konzept. Ein Ziel müsse sein, ohne Auto in die Region zu kommen oder sich in ihr zu bewegen. Deshalb sollen mehr E-Bikes gemietet werden können und mehr als die bestehenden fünf Ladestationen zur Verfügung stehen. Auch Fahrradbusse wie der in den Sommermonaten durch die Winsener Marsch zuckelnde Elb-Shuttle sollten vermehrt fahren – „das Angebot der Shuttle-Verkehre muss ausgebaut und verstetigt werden“, sagt Kowald. Naturliebhaber legen besondern Wert auf eine intakte Umwelt, aber auch auf ökologisches Verhalten. Sie wollen umweltschonend leben, bevorzugen Produkte aus der Region. Auch hier sieht das Konzept noch Verbesserungspotenzial.

Naturtouristen sind zudem mobiler als der Durchschnittsurlauber oder -tagesausflügler. Radfahren spielt in der Flusslandschaft Elbe eine große Rolle. Aber auch Angeln, Kanu und Sportbootfahren zählen zu den bevorzugten Freizeitvergnügen in der Region. Für die Wassersportler baut das Konzept auf mehr Qualität in den Häfen, weitere Anleger sowie mehr Gastronomie direkt an der Elbe inklusive Außenterrassen. Und: Gerade an den kleineren Flüssen gelte es, „neue Strategien zur Erhaltung der Infrastrukturen zu etablieren“. Namentlich erwähnt das Konzept die Ilmenau. Da der Wasserweg mit seinen drei außer Betrieb befindlichen Schleusen nicht mehr unterhalten wird, ist die 28 Kilometer lange Strecke von der Elbe (bei Hoopte) nach Lüneburg nur noch für Kanuten schiffbar.

Wanderer tragen bislang wenig zum Elbtourismus bei, wohl auch weil die Region flach ist und geografisch betrachtet wenig Höhepunkte zu bieten hat. Aussichtstürme mit Panoramablick könnten Abhilfe schaffen. Auf jeden Fall wolle die Region die Tatsache, dass Wandern allgemein und auch bei jungen Menschen auf dem Vormarsch sei, für sich nutzen und zukünftig hochwertige Wege und Routen anbieten, so Kowald. Themen- und Pilgerwege seien denkbar, ebenso Routen für Inlineskater.

Der Tourismus bietet in der weitgehend strukturschwachen Region 1670 Arbeitsplätze. Kommunen mit hohen Übernachtungszahlen sind vor allem im Landkreis Harburg zu finden. In der Samtgemeinde Elbmarsch liegen die Campingplätze Stover Strand und Tespe mit zusammen rund 1000 Stellplätzen. Und die Gemeinde Seevetal profitiert durch ihre Nähe zu Hamburg von Geschäftsreisenden. Nach Angaben des Landesamts für Statistik Niedersachsen gibt es in Seevetal (zwölf gemeldete Beherbergungsbetriebe) und Winsen (zehn Betriebe) die meisten Hotels innerhalb der acht (Samt-)Gemeinden im Gebiet der Flusslandschaft Elbe (ohne Ostheide).

Ein Problem für den hiesigen Tourismus ist die relativ kurze Saison von Mai bis Oktober. Die Region brauche mehr „Unter-Dach-Angebote“ wie Erlebnisparks, Museen, Künstlerateliers oder andere Kulturangebote, Gesundheits- und Wellnessoasen, kurz: „touristische Leuchttürme“ mit Anziehungskraft. Sie könnten ein weiteres Problem lösen helfen: das „geringe Ausgabeverhalten der Gäste“. Reisende, auch Tagesbesucher, lassen zu wenig Geld in der Region.

Einige gute Ansätze sieht Kowald bereits im Landkreis Lüneburg mit dem Biosphaerium Elbtalaue in Bleckede und dem Archezentrum im Amt Neuhaus. Dem Landkreis Harburg fehlten solche Einrichtungen. Kowald könnte sich zum Beispiel im Bereich des Stöckter Hafens ein Besucherzentrum rund um das Thema Wasser vorstellen.

Bei vielen der präsentierten Ideen braucht es private Investoren, um sie zu realisieren. Interessierte Geschäftsleute müssen dafür gewonnen werden, Geld in die Region zu stecken. Kürzlich präsentierte Kowald sein Konzept den Kreisräten Kai Uffelmann (Landkreis Harburg) und Jürgen Krumböhmer (Landkreis Lüneburg). Beide lobten, dass das Papier zusammen mit Akteuren aus der Wirtschaft, Politik und Verwaltung erarbeitet worden sei. „Jetzt ist es an der Zeit, die genannten Ziele in die Tat umzusetzen“, sagten sie abschließend einstimmig.