Harburg
Landkreis Harburg

VW-Händler schließen sich zusammen

Das neue Team von Kuhn und Witte und Köhnke VW im Landkreis Harburg

Das neue Team von Kuhn und Witte und Köhnke VW im Landkreis Harburg

Foto: KWK / HA

Nach der Übernahme des Buchholzer Rivalen Köhnke plant das Jesteburger Autohaus Kuhn+Witte ein neues Audi-Zentrum an der Autobahn 7.

Jesteburg/Buchholz.  Wer sich künftig beim traditionsreichen, 1932 gegründeten Buchholzer Autohaus Köhnke ein Auto kauft oder in die Werkstatt fährt, bekommt es eigentlich mit den Jesteburgern von Kuhn+Witte zu tun. In der gravierendsten Krise des Mutterkonzerns Volkswagen hat sich der größte VW-Vertragshändler des Landkreises neu aufgestellt und den Konkurrenten Köhnke übernommen.

„Konzentrationsprozesse machen auch vor dem Kraftfahrzeughandel nicht Halt. Der Zusammenschluss unter einem gemeinsamen Dach ermöglicht es nun beiden Betrieben, sich den geänderten Marktanforderungen zu stellen und dem zunehmenden Druck durch gemeinsames Wachstum entgegenzuwirken“, sagt Jan Rommel, Geschäftsführer bei Kuhn+Witte.

Gab es vor 20 Jahren bundesweit noch etwa 5500 VW/Audi-Vertragshändler, so sind es aktuell noch 1250. Im Landkreis sank die Zahl im gleichen Zeitraum von 21 auf 9. Geblieben ist laut Co-Geschäftsführer Oliver Bohn unterdessen der Hang der Kunden, ihr Auto möglichst wohnortnah zu kaufen und warten zu lassen.

„Ja, 90 Prozent aller Autokäufer orientieren sich erst einmal im Internet. 60 Prozent aller Gebrauchtwagen werden dann aber in einem Radius von 50 Kilometern geordert. Und Kunden die dafür mehr als 200 Kilometer zurücklegen, gehören schon zu den Ausnahmen“, so Bohn, bei Kuhn+Witte der Experte für Vertrieb und Marketing.

Was beim Autokauf noch immer zähle, sei „das gute Bauchgefühl“. Früher sei man ganz selbstverständlich zum Händler im Ort gegangen. Damit auch nach dem Kauf die Wege zur Werkstatt kurz bleiben. Bohn: „An dieser grundsätzlichen Haltung hat sich nicht viel geändert. Doch für den Händler haben sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren dramatisch verändert. Wer nicht wächst, bleibt unweigerlich früher oder später auf der Strecke.“

Das sieht auch Norbert Köhnke so. „Alle Autohäuser stehen vor der Entscheidung, den Markt entweder selber aktiv zu gestalten, oder ihn anderen zu überlassen“, sagt er. Besonders für mittelständische Betriebe sei der Handlungsspielraum seit geraumer Zeit immer kleiner geworden. „Daher sehen wir im Zusammenschluss mit Kuhn+Witte eine große Chance, im Wettbewerb von morgen weiter bestehen zu können“, so Köhnke. Der sich selbst aber zurückziehen wird. Und die Geschäftsleitung nun der Führungscrew von Kuhn+Witte überlässt. Zu der neben Rommel und Bohn auch Kerstin Witte, Tochter des Firmengründers Harald Witte, und Franz Lewandowski gehören.

Um dem Eindruck einer „feindlichen Übernahme“ entgegenzuwirken, wird der Firmenname Köhnke (und Rohn) in Buchholz präsent bleiben. „Köhnke ist eine ähnlich starke Marke wie Kuhn+Witte. Warum sollten wir diesen Vorteil einfach wegschenken?“ fragt Rommel. Mit einem Firmennamen verbinde sich schließlich auch viel lokale Identität, die die Kunden bewahren sollen.

Das gelte im Übrigen auch für die 140 Köhnke-Mitarbeiter. Wichtig sei der Geschäftsführung „ein gemeinsamer Teamgeist“ der nun insgesamt 365 Beschäftigten. Er soll „kooperativ fortentwickelt“ werden. So habe es am 30. November nicht nur eine gemeinsame Weihnachtsfeier für die Belegschaft beider Betriebe im Jesteburger Nutzfahrzeugzentrum von Kuhn+Witte gegeben, an der etwa 270 Mitarbeiter teilnahmen. Am vergangenen Wochenende gab es auch Treffen für die Mitarbeiter, um einander und das Partnerunternehmen besser kennenlernen zu können.

Mit vereinten Kräften soll der Kundschaft fortan ein noch besserer Service offeriert werden. „Unser gesamtes Portfolio, also der Pkw- und Nutzfahrzeugvertrieb wie auch sämtliche Serviceleistungen können künftig aus einer Hand koordiniert und gemanagt werden. Das bedeutet für Terminvereinbarungen, Probefahrten und Werkstattbesuche viele Vorteile für die Kunden“, erklärt Jan Rommel.

Nachdem das Autohaus in diesem Jahr trotz Abgasskandal des Mutterkonzerns 2450 Gebrauchtwagen und 1700 Neufahrzeuge abgesetzt hat, sind mit der Fusion im kommenden Jahr 3500 und 2700 prognostiziert.

Um neue Marktpotenziale zu erschließen, plant Kuhn+Witte bereits die nächste Offensive. Nördlich der A 7-Anschlussstelle Fleestedt hat sich das Unternehmen ein 17.000 Quadratmeter großes Grundstück unweit der Hamburger Stadtgrenze gesichert, auf dem ein neues Audi-Zentrum mit 80 Arbeitsplätzen entstehen wird. Baubeginn ist bereits im Frühjahr 2017, die Fertigstellung und Eröffnung sind derzeit für Mitte 2018 geplant.