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Jesteburg

SPD will Aussichtsplattform auf dem Kunsthaus

So wie auf dieser Skizze könnte das Kunsthaus Jesteburg nach dem Umbau aussehen

So wie auf dieser Skizze könnte das Kunsthaus Jesteburg nach dem Umbau aussehen

Foto: Simon Hänsel

Seeve-Gemeinde soll touristisch noch attraktiver werden. Mitglied des Kunstvereins legt ersten Entwurf vor. Machbarkeitsstudie kostet 10.000 Euro.

Jesteburg.  An großartigen Plänen und Visionen hat es in der beschaulichen Seeve-Gemeinde Jesteburg nur selten gemangelt. Nur mit der Realisierung gab es in der jüngeren Vergangenheit des Öfteren Probleme. Das neue Versorgungszentrum an der Schützenstraße und das umstrittene Gesundheitszentrum lassen noch immer auf sich warten, da wird schon ein neues „Leuchtturmprojekt“ diskutiert: Eine Aussichtsplattform auf dem Dach des Kunsthauses.

Eigentlich sollte die Idee bereits in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur Mitte Dezember erörtert werden. Doch angesichts einer überbordenden Tagesordnung mit vielen, beratungsintensiven Zuschussanträgen von Jesteburger Kunst- und Kulturschaffenden hatte der Ausschussvorsitzende Hans-Jürgen Börner seinen eigenen Antrag wieder von der Agenda genommen. „Gleich bei der nächsten Sitzung im neuen Jahr werden wir uns des Projekts aber wieder annehmen“, versicherte er im Gespräch mit dem Abendblatt.

Angst vor harscher Kritik und ätzendem Spott treiben ihn offenbar nicht um. „Eine solche Aussichtsplattform würde einen einmaligen Blick über das Dorf bis zur Seeve-Niederung bieten, außerdem Platz für Skulpturen-Ausstellungen. Das wäre eine zusätzliche Attraktion für die Kulturgemeinde Jesteburg“, begründet er seinen Antrag. Überdies sei die Idee ja nicht gänzlich neu und schon „mit der ersten Nutzung der ehemaligen Volksbank als Café Miró und Kunsthaus ventiliert“ worden.

Nun hat der einstige NDR-Redakteur, der Anfang der 90er-Jahre die Satiresendung „extra 3“ moderierte und das Konzept für „DAS“ entwarf, die Gemeinde Jesteburg aufgefordert, in einer Machbarkeitsstudie die Realisierung des Projekts zu prüfen. Und zwar auf der Grundlage eines Entwurfs des Architekten Simon Hänsel.

„Denkbar ist eine Konstruktion, die auf das Dach aufgelegt wird“, so Hänsel, der selbst Mitglied des Kunstvereins ist. Zuvor müsse aber geprüft werden, ob das Bestandsgebäude die zusätzliche vertikale Erschließung mittels einer Spindeltreppe, das Stahltragraster samt Abdichtung und Bodenbelag sowie die aufkommende Verkehrslast durch die Besucher aufnehmen könne.

Sollte dies nicht der Fall sein, regt Hänsel zusätzliche Tragsysteme an. Dabei könne es sich sowohl um ertüchtigende Innenstützen als auch zusätzliche Wandscheiben handeln. Alternativ sei aber auch ein autarkes Tragsystem mittels Stahlträgern vorstellbar, die über die Außenkanten des Daches hinausragen und mittels einer filigranen Stützkon­struktion mit den Außenwänden des Kunsthauses verbunden werden. „Aus meiner Sicht ist der Umbau des Kunsthauses für eine zusätzliche Dachnutzung samt Stahltreppe in jedem Fall möglich“, so Hänsel.

Prognostizierte Investitionskosten finden sich im besagtem Börner-Antrag zwar nicht. Doch auch ohne statische Grundkenntnisse ist absehbar, dass der Finanzierungsaufwand beträchtlich sein dürfte. Allein die Machbarkeitsstudie kostet geschätzte 10.000 Euro. Das weiß auch der kunstsinnige Börner. Und hat seinem Antrag deshalb gleich mehrere Beschlussempfehlungen angefügt. „Der Rat muss entscheiden, ob er das Projekt als realistisch ansieht, es selbst finanzieren will, oder aber dem Kunstverein Planung und Realisierung überlässt“, so der 71-Jährige.

Auf Abendblatt-Nachfrage ließ Gemeindedirektor Hans-Heinrich Höper bereits wissen, dass er die Idee durchaus spannend fände, sie für die Gemeinde finanziell aber überhaupt nicht darstellbar sei. Sicher auch vor dem Hintergrund, dass zuvor einige Sanierungsmaßnahmen am Kunsthaus selbst nötig wären (das Abendblatt berichtete).

Zahlreiche Kontakte zuStiftungen und Sponsoren

Aber auch das ficht Börner nicht an. Er ist der festen Überzeugung, dass der Kunstverein genügend Unterstützer für seine Idee finden wird – wenn die Gemeinde ihn denn gewähren lässt. In Zeiten, als er und CDU-Spitzenmann Hans-Heinrich Aldag dem Verein noch vorstanden, hätten sie für ihn zwischen 60.000 und 100.000 Euro besorgt. „Die Kontakte zur Niedersachsen-Stiftung, zur Reemtsma-Stiftung und zu anderen privaten Sponsoren sind da. Mit der Aufwertung wird das Kunsthaus auch touristisch attraktiver und bekäme dadurch mehr Zulauf. Das Geld wäre in jedem Fall gut investiert“, so Börner.

Das wird die Schar der Kritiker an der überproportionalen Kulturförderung in Jesteburg kaum beschwichtigen. So sei allein schon der Kaufpreis für das Kunsthaus von 362.000 Euro vor drei Jahren völlig überhöht gewesen.

Als die SPD das Projekt Aussichtsplattform auf ihrem Blog „Gemeinde-Nachrichten“ kürzlich überschwänglich lobte, erinnerte ein User namens Axel H. daran, dass es in Jesteburg doch jede Menge anderer Aufgaben gebe, die noch immer nicht abgearbeitet seien, vom fehlenden Kreisel Lüllauer Straße über die Ortsumgehung bis zur Pflege verwahrloster Parks. Und er schließt mit der Mahnung: „Erst das Notwendige erledigen und dann der Luxus!“