Harburg
HR-Regional

Papierlose Weihnachtsgrüße

Bei Briten und Amerikanern ist es verbreiteter als bei uns: Das Weihnachtskartenschreiben. Jenseits des salzigen Wassers gehört es zur Adventszeit, wie bei uns das Keksebacken, jedem, den man mag, einen kartonierten Gruß zu schicken und selbst welche zu empfangen. Die Karten werden auf dem Kaminsims aufgestellt und je mehr man bekommt, für desto beliebter kann man sich halten. Selbst heute, wo viele Wohnungen keine Kamine mehr haben, haben viele englische Wohnzimmer noch ein kleines „Kaminsims“-Regal an einer Wand. Nur für die Karten. Die zu betrachten, entschleunigt den Briten und macht ihn besinnlich.

Hier bei uns schicken hauptsächlich Firmen und Institutionen Karten. Das dient zur Bindung von Kunden, Kooperationspartnern und Menschen, die einem gewogen sein sollen. Journalisten zum Beispiel. Uns schicken die Parteien gern Karten. Selbst die eine Umweltpartei bei der man am besten einen Solarstromgrill im Garten hat, statt Kohle zu verbrennen und in der Elbe nur Flachwasser statt Fahrrinnen, schickt mir Grüße auf geprägtem 250er-Hochglanzkarton aus 100 Prozent Primärfasern. Das rührt mich. Weihnachten springt man mal über seinen Schatten.

Da ich Freunde und Verwandte in England, Irland, Amerika und Kanada habe, denke ich oft an die britische Tradition des Kartenschickens und kaufe Ende November so einige Weihnachtskarten, die ich denn gleich am nächsten Wochenende schreibe. Wenn ich dazu komme. Sonst nächstes Wochenende. Wenn... Sie ahnen es. Dann ist wieder so plötzlich Weihnachten und die Karte würde es gar nicht mehr rechtzeitig schaffen. Weihnachtspost gibt es in England so viel, dass sie mindestens eine Woche braucht. Dann wird’s halt eine E-Mail. Ganz umweltfreundlich. Dann müssen Jörn am Yukon und Liz in Leicester sich eben den Laptop über den Kamin stellen. Das entschleunigt auch, wenn man nicht arbeiten kann.