Harburg
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DRK plant Aufenthaltsstätte für Obdachlose

Jetzt wird geeignetes Haus gesucht, das tagsüber 20 Menschen aufnehmen kann und zudem groß genug für 15 Übernachtungsplätze ist

Harburg.  Die Chancen stehen gut, dass Harburg bald eine Tagesaufenthaltstätte für Obdachlose bekommt, inklusive einiger Übernachtungsplätze. Erste Pläne für ein solches Projekt hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Hamburg-Harburg während der jüngsten Sicherheitskonferenz vorgestellt. Die Reaktionen waren eindeutig, sagt DRK-Vorstand Harald Krüger (59): „Alle Fraktionen haben das begrüßt.“,

Auch beim Bezirk sei das Echo durchweg positiv. Vor Jahren sei der Bedarf für eine solche Richtung auf dieser Ebene noch bestritten worden: „Da ist der Bezirk heute viel offener.“

Dazu beigetragen hat vielleicht auch die Berichterstattung über die obdachlosen Männer, die im November einige Wochen in der Unterführung zwischen Sand und Rathausplatz campiert hatten – unter anderem sehr zum Unmut derjenigen, die dort ein Geschäft betreiben und Umsatzeinbußen hinnehmen mussten, weil die Kunden wegblieben.

Gleichzeitig klagten mehrere Banken darüber, dass ihre Sicherheitszonen zunehmend von Obdachlosen zur Übernachtung genutzt wurden. Die Folge: die Türen wurden nachts geschlossen, die Obdachlosen mussten draußen bleiben – aber eben auch Kunden, die gern Geld am Automaten abheben wollten.

Für Harald Krüger ist ohnehin unstrittig, dass Handlungsbedarf besteht. So habe ihm die Gemeinde Heilig Kreuz in Neugraben berichtet, dass bei den regelmäßigen Essensausgaben bis zu 80 Portionen ausgeteilt werden. Ähnlich verhält es sich bei freikirchlichen Gemeinde Vineyard am Außenmühlenweg 10. Dort werden immer montags ab 18 Uhr von Ehrenamtlichen warme Mahlzeiten für Bedürftige gekocht – jedes Mal 60 und 80 Personen.

Das alles zusammen hat bei Krüger zu der Erkenntnis geführt, dass mehr getan werden muss, um Menschen zu helfen, die kein Dach über dem Kopf haben: Er lud alle ein, die in Harburg in irgendeiner Weise mit dem Thema Obdachlosigkeit zu tun haben. So kamen jetzt ein Dutzend Vertreter unterschiedlicher Stellen und Einrichtungen an einem runden Tisch in der DRK-Geschäftsstelle zusammen. „Es ging mir darum, ein kleines Netzwerk aufzubauen“, sagt Krüger. Sein Ziel: die Hilfe soll ausgeweitet und aufeinander abgestimmt werden: „Wir wollen uns nicht gegenseitig Konkurrenz machen, sondern die Arbeit erleichtern, um besser helfen zu können.“ Die Tagesaufenthaltsstätte mit Übernachtungsplätzen böte eine solche Möglichkeit.

Mit am Tisch saßen unter anderem Vertreter der Polizei, der Fachstelle für Wohnungsnotfälle sowie verschiedener Kirchengemeinden. Übereinstimmend gehen sie davon aus, das sich rund 20 Obdachlose regelmäßig im Bezirk aufhalten.

Die Tagesaufenthaltsstätte, die Krüger vorschwebt, sollte groß genug sein, damit sich dort tagsüber 20 Obdachlose aufhalten könnten. Zudem sollte sie Übernachtungsmöglichkeiten für 15 Menschen bieten, mit einem separatem Zimmer für Frauen sowie einem, in dem auch Obdachlose mit ihren Tieren übernachten können. Die Menschen sollen dort das ganze Jahr über betreut werden; sie sollen dort duschen, ihre Wertsachen sicher verstauen und auch Internet nutzen können. Zudem sollen sie dort mit Kleidung eingedeckt und medizinisch versorgt werden.

Mindestens ebenso wichtig ist Krüger aber auch, dass die Einrichtung jeweils morgens und abends für zwei Stunden geschlossen wird: „Dort soll niemand einziehen, wir planen kein Wohnprojekt.“ Er rechnet mit einem Platzbedarf von insgesamt 280 Quadratmetern und einem jährlichen Kostenaufwand von 80.000 Euro. Davon sollten unter anderem zwei Sozialpädagogen und zwei Mitarbeiter beschäftigt werden, die dort ein Freiwilliges Soziales Jahr bzw. Bundesfreiwilligendienst leisten. Zudem ist auch bei diesem Projekt ehrenamtlichen Engagement gefragt. In diesem Zusammenhang hofft der DRK-Chef, dass einige der Helfer, die sich zuvor in der Flüchtlingshilfe engagiert haben, dort ein neues Betätigungsfeld erschließen.

Ganz unabhängig davon, dass dem Konzept noch der Feinschliff fehlt und auch inhaltlich noch ausgearbeitet werden muss (soll beispielsweise Alkohol erlaubt sein?), hat diese Gleichung noch zwei weitere große Unbekannte: die Finanzierung und der Standort. Wobei die Finanzierung nach Ansicht von Krüger wohl das kleinere Problem ist: „Da können wir sicher etwas über den Europäischen Sozialfonds machen.“ Oder über Spenden und Stiftungen. „Notfalls würden wir das auch erst mal mit Eigenmitteln anschieben“, sagt Krüger. Er hofft aber auch, dass Geschäftsleute und Banken, die jetzt zum Teil viel Geld für Wachdienste ausgeben, dann auch für dieses Projekt in die Tasche greifen.

Viel schwieriger wird es wohl werden, ein geeignetes Objekt zu finden: zentral gelegen und sozialverträglich. „Mir ist schon klar“, sagt Krüger, „dass die Nachbarn wohl kaum jubeln werden, wenn neben ihnen so eine Einrichtung entsteht.“ Tatsächlich habe er schon zwei Objekte im Auge - welche das sind, verrät er noch nicht, weil er erst noch mit den Vermietern sprechen muss: „Das ist noch ein dickes Brett, dass wir da bohren müssen.“ Trotzdem, er ist überzeugt, dass das Projekt im Frühjahr startet, spätestens.