Harburg
Stelle

Landrat besucht umstrittene Fundtierstelle

Tierärztin Tatjana Rusch kümmert sich um Fundtiere aus Seevetal, Neu Wulmstorf, Stelle, Winsen und der Samtgemeinde Elbmarsch

Tierärztin Tatjana Rusch kümmert sich um Fundtiere aus Seevetal, Neu Wulmstorf, Stelle, Winsen und der Samtgemeinde Elbmarsch

Foto: Christiane Tauer / HA

Angedrohte Schließung: Rainer Rempe sucht vor Ort eine Lösung im Streit mit Tierärztin Rusch – weiteres Gespräch im Januar geplant.

Stelle/Winsen.  Tierärztin Tatjana Rusch ist erleichtert. Gestern ist Landrat Rainer Rempe in ihrer Kleintierpraxis in Stelle gewesen und hat sich selbst ein Bild von den Gegebenheiten ihrer Fundtierstelle gemacht, die der Landkreis schließen wollte. Rusch nimmt dort Fundtiere aus fünf Kommunen auf.

„Das Gespräch mit ihm hat zwei Stunden gedauert und ist weitaus lösungsorientierter verlaufen als alle Gespräche vorher“, sagt sie. Im Januar wolle man sich erneut zusammensetzen, um dann mit Juristen zu klären, um was es sich bei ihrer Einrichtung handelt: ein Tierheim oder eine normale Tierarztpraxis, in der Fundtiere nur vorübergehend stationär gehalten werden.

Genau an dieser Frage hatte sich der Streit zwischen Landkreis und Tierärztin entzündet, der in der Aufforderung des Landkreises gipfelte, Tatjana Rusch müsse den Betrieb der Fundtierstelle für die Gemeinden Seevetal, Neu Wulmstorf, Stelle, die Samtgemeinde Elbmarsch und die Stadt Winsen zu Ende März 2017 einstellen (das Abendblatt berichtete). Die Ursache der Auseinandersetzung ist ein fehlender Antrag auf Genehmigung einer tierheimähnlichen Einrichtung.

Tatjana Rusch selbst bewertet ihre Einrichtung jedoch anders als der Landkreis: Nicht als Tierheim, sondern als normale Tierarztpraxis mit vorübergehender stationärer Tierhaltung, da die herrenlosen Hunde oder Katzen oft nur wenige Stunden bei ihr sind.

Der Großteil wird im Durchschnitt innerhalb von zwei Stunden wieder an die Halter übergeben, und selbst die Tiere, die nicht wieder abgeholt werden, vermittelt sie in kürzester Zeit an neue Besitzer.

Der Landkreis argumentiert unter anderem, dass selbst bei vorübergehender Tierhaltung gewisse Standards bezüglich der Größe der Käfige eingehalten werden müssten, was bei ihr nicht der Fall sei.

Nach dem Abendblatt-Bericht hatte Tatjana Rusch eine sehr große Welle der Sympathie erfahren. Vollkommen unbekannte Menschen haben sie und ihr Team angerufen und sie in ihrer Arbeit bestärkt. Auch eine Online-Petition ist mittlerweile gestartet, die bis gestern Mittag von 518 Personen unterzeichnet worden ist.

Um die Sache zu klären, hat Tatjana Rusch zwar mittlerweile doch einen entsprechenden Genehmigungsantrag gestellt. Aus Sicht der Landkreisverwaltung ist der bisher aber noch unvollständig.