Harburg
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Gute Vernetzung ist Erfolgsgeheimnis

Steffi Grosshardt vor dem harburger Willkommensbüro

Steffi Grosshardt vor dem harburger Willkommensbüro

Foto: Lars hansen / xl

Das interkulturelle Wlilkommensbüro des Harburger Roten Kreuzes soll in Fischbek kopiert werden.

Harburg.  Vor einem Jahr begann das Willkommensbüro des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Hohen Straße mit seiner Arbeit. Es soll Flüchtlingen erste Orientierung in Harburg geben, Kontakte zwischen ihnen und Einheimischen schaffen und kulturelle Differenzen abbauen. Harburgs Politiker wünschen sich mittlerweile ein weiteres Willkommensbüro. Anlass zu einer – etwas verfrühten – Bilanz.

Zweifel daran, dass ihre Arbeit benötigt wird, konnte Steffi Grosshardt, Leiterin und zugleich einzige Mitarbeiterin des Willkommensbüros, eigentlich nie gehabt haben. Noch bevor das Büro im Januar offiziell eröffnet wurde, hatte sie schon so viele Menschen beraten, dass sie bereits jetzt, im Dezember, auf ein Jahr Tätigkeit zurückblicken kann.

Außerdem hat sie für ihre Tätigkeit ein indirektes, aber riesiges Lob erhalten: Die Bezirksversammlung beantragte nahezu einstimmig, dass in der Region Süderelbe ein zweites Willkommensbüro nach dem Vorbild der Harburger Einrichtung geschaffen wird. Wenn Steffi Grosshardt also auf das Jahr zurückblickt, dann auch unter dem Aspekt, welche Tipps sie für ihr mögliches Pendant in Süderelbe hat.

„Geduld und langen Atem muss die Person mitbringen und gleichzeitig den Drive, offen und offensiv auf Menschen zuzugehen“, sagt Grosshardt. „Vor allem braucht man Mut zum Scheitern. Nicht alles, was man plant, klappt auch.“

So kann Steffi Grosshardt in ihrer Sprechstunde für Wohnungssuchende auch keine Wohnungen aus dem Hut zaubern. Stattdessen hilft sie beim Ausfüllen von Formularen, coacht bei der Erstellung von Wohnungsbewerbungsmappen und gibt ihren Klienten so Rüstzeug mit, damit sie überhaupt eine Chance haben.

Zwei Drittel der Ratsuchenden in dieser Sprechstunde sind Geflüchtete, ein Drittel Harburger. „Das Interessante daran ist, dass die Flüchtlinge denken, dass nur Deutsche die Wohnungen bekommen und die Deutschen denken, dass erstmal alle Wohnungen an die Flüchtlinge gehen. Hier auf dem Gang lernen sie sich kennen und stellen fest: Im Moment gibt es für so gut wie niemanden bezahlbare Wohnungen“, sagt Steffi Grosshardt. „So werden Vorurteile abgebaut.“

Während sich in Teil der interkulturellen Arbeit also auf dem Flur von selbst erledigt, hakt es bei den geplanten Angeboten manchmal. „Die Stadtteilspaziergänge mit den Geflüchteten sind nach einiger Zeit eingeschlafen. Das liegt aber auch daran, dass nicht mehr so viele neue Geflüchtete nach Harburg kommen und viele der Bewohner der Erstaufnahmen den Stadtteil nicht mehr erkunden müssen, weil sie schon lange hier sind“, sagt Steffi Grosshardt, „aber das heißt nur, dass man Angebote anpassen muss.“

Ausflüge in die weitere Umgebung, wie in den Wildpark oder zum Stader Weihnachtsmarkt wurden zum Beispiel sehr gut angenommen. Und auch die vom Willkommensbüro initiierte Gruppe, in der Eltern und Kinder der Kindertagesstätte Harmsstraße Familien in der Erstaufnahme Neuland II zum gemeinsamen Spielplatzbesuch abholen, funktioniert und hat persönliche Bindungen geschaffen.

Für das nächste Jahr plant Stefanie Grosshardt ein Fotoprojekt mit Geflüchteten, Titel: „Harbunt – Wir sprechen fotografisch“. Außerdem will sie die interkulturelle Fortbildungsreihe des Büros ausweiten. „Statt nur Helferkreise sollen auch die klassischen Multiplikatoren aus Vereinen eingebunden werden.“

Auch das ist ein Tipp, den sie für ihr Süderelbe-Pendant hat: „Man muss sich vor Ort gut vernetzen. Sonst entstehen Parallelstrukturen. Das wäre unproduktiv. Die Arbeit hier klappt auch deshalb so gut, weil alle Initiativen miteinander verzahnt sind und auch das Bezirksamtgut und offen mit allen zusammenarbeitet“

Wenn sie dann noch einen Wunsch äußern könnte, dann den, mehr Personal einzustellen: „Die Wohnungsberatung bräuchte schon fast eine eigene Stelle, und wenn man alles allein macht zehrt das an Nerven und Kräften. Fällt man mal aus, muss das Büro zubleiben. Das will man natürlich nicht.“