Harburg
Handeloh

Anklage nach Massenrausch der Heilpraktiker

Seminarteilnehmer litten nach Betäubungsmitteleinnahme unter Halluzinationen

Handeloh. Die Staatsanwaltschaft Stade hat nach dem „Massen-Rausch von Handeloh“ Anklage gegen eine 49-jährige Heilpraktikerin aus Aachen und deren 51-jährigen Ehemann – ein Diplom-Psychologe und Psychotherapeut mit einer Praxis in Aachen – vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Stade erhoben. Den Angeschuldigten wird Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vorgeworfen. Laut Anklageschrift hatten die beiden Angeschuldigten im September 2015 in einer Tagungsstätte in Handeloh gemeinsam ein Seminar für 27 Teilnehmer abgehalten, in dem die „persönliche Selbsterfahrung“ und die „Förderung der Bewusstseinsentwicklung“ thematisiert wurde.

In diesem Zusammenhang sollen die Angeschuldigten verschiedene Betäubungsmittel – darunter die bewusstseinserweiternde Droge 2C-E – zur Durchführung einer sogenannten Psycholyse für das Seminar mitgebracht und verteilt haben. In der Folge mussten die 27 Seminarteilnehmer mit zum Teil lebensbedrohlichen Zuständen, Krampfanfällen, Atemnot, Halluzinationen und Wahnvorstellungen in Krankenhäuser gebracht werden.

„Da es sich bei den Angeschuldigten um Personen handelt, die keine Erlaubnis zur Abgabe und zum Einsatz der verwendeten Substanzen besitzen, haben sie sich auch wegen unerlaubtem Überlassen von Betäubungsmitteln zum unmittelbaren Verbrauch zu verantworten“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade, Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas.

Ein Verfahren gegen zwei Seminarteilnehmer wegen Beihilfe ist mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt worden. Ihnen konnte nicht sicher nachgewiesen werden, dass sie bei der Unterstützung der Seminarveranstalter auch Kenntnis davon hatten, dass Betäubungsmittel verteilt werden sollten.

Die Staatsanwaltschaft hat bei den Seminarteilnehmern zum Zeitpunkt der Einnahme der bewusstseinserweiternden Drogen eine sogenannte „eigenverantwortliche Selbstgefährdung“ angenommen, weshalb der Vorwurf der Körperverletzung fallen gelassen wurde. Mit der Anklage strebt die Staatsanwaltschaft neben einer Verurteilung der zwei Angeschuldigten auch einen Verfall der von den Angeschuldigten vereinnahmten Netto-Honorare für das Seminar in Höhe von etwa 7000 Euro an. Beiden Medizinern droht im Falle einer Verurteilung ein Berufsverbot.