Harburg
Buchholzer Verein

Behindertensport: Blau-Weiss gewinnt begehrten Preis

Verleihung des niedersächsischen Inklusionspreises 2016 (v.l.): LSB-Vorstandschef Reinhard Rawe, Barbara Erdrich, Arno Reglitzky und Mirko Slomka

Verleihung des niedersächsischen Inklusionspreises 2016 (v.l.): LSB-Vorstandschef Reinhard Rawe, Barbara Erdrich, Arno Reglitzky und Mirko Slomka

Foto: MINKUSIMAGES

Landessportbund Niedersachsen würdigt Vorreiterrolle des Buchholzer Vereins im Behindertensport.

Buchholz.  Mit seinem Sportzentrum am Holzweg ist Blau-Weiss Buchholz ein großer Wurf gelungen. Seit seinem Bestehen gab es immer wieder viel Lob und Anerkennung von Mitgliedern und Gästen für die beeindruckende Anlage und die vielfältigen Sportangebote – auch für Behindertensportler. Die herausragende Qualität erfuhr jetzt eine besondere Würdigung: Blau-Weiß Buchholz wurde mit dem „Inklusionspreis 2016“ des Landessportbundes (LSB) Niedersachsen ausgezeichnet.

„Damit habe ich nicht gerechnet, ich bin völlig von der Rolle“, sagte der Erste Vorsitzende, Arno Reglitzky, dem Abendblatt: „Dass wir uns gegen 31 Mitbewerber durchgesetzt haben, finde ich sensationell für unsere Stadt, unsere Mitglieder, vor allem aber für unsere Behindertensportler.“

Tief beeindruckt zeigte sich bei der Preisübergabe in den Räumen des Deutschen Tennis Vereins Hannover auch Reinhard Rawe, Vorstandschef des LSB Niedersachsen: „Es ist ein Faszinosum an unglaublichen Aktivitäten und Ideenreichtum. Mit wie viel ehrenamtlichem und hauptberuflichem Engagement sich im Verein um das Thema Inklusion bemüht wird, hat mich emotional sehr berührt und mit großem Respekt erfüllt.“

Integrative Außenanlagewurde zum Meilenstein

Als vor mehr als zehn Jahren die Pläne für das Blau-Weiss-Sportzentrum entworfen wurden, gehörte der Behindertensport von Beginn an zu den wichtigsten Säulen des Konzepts. Das 2006 gebaute Hauptgebäude entstand komplett barrierefrei. Durch Rampen und einen Fahrstuhl haben Rollifahrer Zugang zu allen drei Ebenen des Centers. Es gibt Türen, die sich automatisch öffnen sowie behindertengerechte Sanitärräume.

Selbst die Kegelbahn ist auf die Bedürfnisse von Behindertensportlern zugeschnitten. „Mein Schwager hat extra Holzschienen angefertigt, mit deren Hilfe Rollstuhlfahrer die Kugel aus dem Schoß anrollen können“, sagt Barbara Erdrich (56), Leiterin der Abteilung Behindertensport, die sich besondere Verdienste um die gelebte Inklusion bei Blau-Weiss erwarb.

Mit 23 Jahren brach sich die gelernte Goldschmiedin und Mutter dreier Söhne bei einem Sturz vom Heuboden die Wirbelsäule und ist seitdem selbst auf einen Rollstuhl angewiesen. So weiß sie aus ersten Hand, wie Sportanlagen gestaltet sein müssen, um Behindertensportler in möglichst viele Sparten integrieren zu können.

Das ist Blau-Weiss in den vergangenen Jahren auf vorbildliche Weise gelungen. So trainieren in der Leichtathletikabteilung auch 30 Sportler mit verschiedenen körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen, darunter 22 Kinder. Es gibt eine Kindersportabteilung, in der Jungen und Mädchen mit speziellen Bewegungsspielen wie etwa Brennball und Wheelsoccer aktiv werden können.

Am intensivsten ist der gemeinsame Sport von Fußgängern und Behinderten sicher beim Rollstuhlbasketball. In zwei Teams, die in der Oberliga und in der Landesliga spielen, gehen die Blau-Weissen auf Korbjagd. „Rollibasketball gehört heute zu den Kernsportarten des Vereins“, so Reglitzky. Mit ihrem hohen Leistungsstandard hätten die Mannschaften zur großen öffentlichen Anerkennung von Blau-Weiss weit über die Stadtgrenzen hinaus beigetragen.

Knapp 100 Behindertensportler sind inzwischen Mitglied im Verein. Hinzu kommen bis zu 50 gehandicapte Besucher, die regelmäßig die Anlagen am Holzweg nutzen. Dazu zählen nicht nur die Schüler der Förderschule an Boerns Soll. Auch die Behinderten der Lebenshilfe aus Tostedt, die gern die Kegelbahn nutzen.

Ein weiterer Meilenstein ist Blau-Weiss Buchholz 2010 mit dem Bau der 6300 Quadratmeter großen „Integrativen Anlage für Menschen mit und ohne Behinderungen“ mit zehn verschiedenen Sportgeräten und einer 240 Meter langen, asphaltierten Rundbahn gelungen. Das 380.000 Euro teure Pilotprojekt, an dem sich das Land Niedersachsen mit 40 Prozent der Kosten beteiligte, erregte bundesweit Aufsehen und gilt als Paradebeispiel für gelebte Inklusion. Weil die Anlage von Vereinsmitgliedern wie Gästen jederzeit kostenfrei genutzt werden kann.

„Dass im Verein Menschen mit Behinderung auch als Übungsleiter, Abteilungsleiter und Schiedsrichter aktiv sind, ist bei uns selbstverständlich“, sagt Barbara Erdrich, deren Mann Thomas etwa das Landesliga-Team der Rollibasketballer trainiert.