Harburg
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Integrationsrat plant sein erstes Pilotprojekt

Studenten der Technischen Universität sollen Schülern der Goethe Schule, die Sprachdefizite haben, Deutschkenntnisse vermitteln

Harburg. Das Wesen der Arbeit des Harburger Integrationsrates wurde bereits bei dessen Gründung Ende 2014 treffend beschrieben. „Integration hat viel mit Willkommenskultur zu tun“, sagte Özlem Naz, Mitglied des zu der Zeit schon aktiven Hamburger Integrationsrates, damals. Und sie ergänzte: „Wir müssen in allen Bereichen eine gleichberechtigte Teilhabe schaffen.“ Schon da war allen Beteiligten klar, dass es ein langer Weg werden würde, bis dieses Ziel erreicht ist.

Der feste Wille, in Harburg etwas zu bewegen, ist auch jetzt, knapp zwei Jahre später, ungebrochen. Das zeigt sich auch in ersten Ergebnissen: Seit November gilt im Bezirk Harburg das vom Integrationsrat entwickelte Leitbild: Zusammenleben in Vielfalt. „Zwölf Monate haben wir dafür gebraucht“, sagt Theodoros Bozoudis vom Vorstand des Rates. Gemessen daran, dass sämtliche Mitglieder des Rates diese Arbeit ehrenamtlich ausüben, eine beachtliche Leistung, wie nicht nur er findet. „Wir treffen uns einmal im Monat, da besprechen wir uns, diskutieren“, erklärt er die Vorgehensweise. Das Engagement der Ratsmitglieder beschränkt sich aber nicht nur auf diese Treffen: „Wir suchen und knüpfen Kontakte – zu Vereinen, Schulen, allen möglichen Einrichtungen.“ Ganz zu schweigen von all den Diskussionen im persönlichen Umfeld. Denn die Mehrheit der 18 Ratsmitglieder ist sozusagen von Natur aus Experte in Sachen Integration. Theodoros Bozoudis beispielsweise wurde in Griechenland geboren, lebt seit mittlerweile 26 Jahren in Harburg und sagt heute: „Mich reizt, den Menschen, die hierher kommen, das zu geben, was ich selber damals nicht gehabt habe.“ Genau diese Motivation teilt auch sein Vorstandskollege Aman Khan. Der Ingenieur, der vor sieben Jahren aus Indien nach Harburg gekommen ist, und aktuell an der Technischen Uni seinen Master macht, weiß aus eigenem Erleben, was es bedeutet, wenn die große Welt auf verhältnismäßig kleinem Raum zusammenkommt: „Im Studentenwohnheim leben Menschen aus allen möglichen Ländern unter einem Dach zusammen.“

Anderen beim Ankommen und dann auch bei der Eingliederung zu helfen, ist für ihn so selbstverständlich wie die Höflichkeit, mit der er seine Gesprächspartner behandelt und sein Engagement im Flüchtlingslager am Schwarzenberg, wo er den Menschen hilft, Deutsch zu lernen.

Ein Arbeitsfeld, das er noch ausweiten wird. Denn nachdem die Harburger Leitlinien nun schwarz auf weiß vorliegen, geht es jetzt an die konkrete Umsetzung all der Ziele: unter anderem Abbau von Diskriminierung und Benachteiligung, Förderung des interkulturellen Dialogs und – dies besonders – gleiche Bildungschancen für alle. Tatsächlich hat der Integrationsrat mittlerweile mehrere Arbeitsgruppen gegründet. Eine beschäftigt sich mit dem Thema Flüchtlinge, eine andere mit Öffentlichkeitsarbeit eine dritte mit dem Bereich Bildung und Arbeit. In letzterer sitzt auch Aman Khan. Und der verfolgt mit seinem Mitstreitern einen konkreten Plan: „Wir starten ein Pilotprojekt.“ In Kooperation mit der Goethe Schule will der Integrationsrat Studenten der Technischen Uni ins Boot holen, die dann Stadtteilschülern, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben, außerhalb des Unterrichts auf die Sprünge helfen, ehrenamtlich. „Wir haben das Konzept, wir haben Räume und wir wissen, dass Studenten mitmachen“, sagt Theodoros Bozoudis: „Was wir jetzt noch brauchen ist ein bisschen Feinschliff und einen Namen für das Projekt.“ Bozoudis und Khan sind dennoch voller Zuversicht und Vorfreude: „Das Projekt ist bestens geeignet, genau das zu repräsentieren, wofür wir stehen.“ Und wenn es erst mal läuft, da sind sich beide sicher, wird es schnell Schule machen.