Harburg

Finanzierung des Keller-Museums ist gesichert

Ein Blick in das Kellergewölbe unter

Ein Blick in das Kellergewölbe unter

Foto: SHHM/André Zand-Vakili / André Zand-Vakili

Helms-Museumstartet Millionen-Projekt zur Erforschung der Horeburg und eröffnet im historischen Keller des alten Harburger Schlosses eine Außenstelle.

Harburg.  Kurz vor Weihnachten hat sich für die Harburger Geschichtsforscher des Helms-Museums ein Herzenswunsch erfüllt: Die Finanzmittel zur Restaurierung des Kellergewölbes unter dem Westflügel des Harburger Schlosses stehen zur Verfügung. Mit einem Gesamtetat von 1,1 Millionen Euro soll zunächst die Geschossdecke aus statischen Gründen erneuert werden.

Anschließend starten die Archäologen Grabungen im Kellerboden, um Relikte der rund 1000 Jahre alten Horeburg, der Keimzelle Harburgs, zu entdecken. Und im Herbst nächsten Jahres soll in den historischen Räumlichkeiten eine Museums-Filiale die Geschichte Harburgs bis zur Industrialisierung präsentieren.

„Mehr als ein Jahr lang haben wir auf die Zusage der öffentlichen Gelder gewartet, jetzt haben wir grünes Licht“, sagt Thorsten Römer, Kaufmännischer Geschäftsführer des Helms-Museums und des Archäologischen Museums Hamburg. Der Bezirk steuert 275.000 Euro zum Millionen-Projekt bei.

Weitere 375.000 Euro kommen aus dem Etat der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM-Mittel). Einen Teil der Kosten zahlen das Helms-Museum und der Eigentümer, unterstützt vom Denkmalschutzamt und weiteren Förderern im Bereich des Denkmalschutzes.

Der alte Schlossflügel beherbergt Mietwohnungen

Wer auf der Schlossinsel ein hochherrschaftliches Gebäude sucht, wird nicht fündig. Der Westflügel des Schlosses sieht wie ein normales Mehrfamilienhaus mit Mietwohnungen aus und wird seit mehr als 100 Jahren auch als solches genutzt. Thorsten Römer rechnet damit, dass die Arbeiten zur Sanierung der Bausubstanz im Frühjahr beginnen können: „Eine Architektin bereitet gerade das Ausschreibungsverfahren vor. Im Zuge der Bauarbeiten wird das Deckengewölbe – und damit der Fußboden der Erdgeschoss-Wohnung – abgetragen und erneuert. Das Schloss wurde im 16. Jahrhundert erhöht auf einer Aufschüttung gebaut. Sie ist offenbar noch immer etwas instabil, denn das Gebäude arbeitet.“

Wenn die Statik verbessert ist und die Bauarbeiter abziehen, übernehmen die Museums-Archäologen. Sie werden einige Stellen des 120 Quadratmeter großen Kellerbodens aufgraben, um nach historische Spuren der Harburger Stadtgeschichte zu suchen.

Bestenfalls lassen sich Relikte der um das Jahr 1000 gegründeten Horeburg finden, der Harburg seine Bezeichnung und seine Existenz verdankt. Die Bezeichnung Hore geht auf den unwegsamen Grund zurück: Das niederdeutsche Wort steht für Sumpf, Schlamm, Moorboden. „Man weiß bislang sehr wenig über die Horeburg“, sagt der Museumschef, Scherbenfunde deuten auf eine 1000-jährige Geschichte hin. Erstmals erwähnt wurde die Burg in einer Urkunde, die um 1135 entstand.

Als Harburg Herzogssitz war (1527– 1642) wurde die Burganlage zum dreiflügeligen Renaissance-Schloss erweitert. Zum Ende des Dreißigjährigen Krieges (1648) wurde das Schloss zur Festung, zu einer sternförmigen Zitadelle, ausgebaut. Die Kellergewölbe sind jedoch viel älter. Ein historischer Gewölberaum wird auf das Jahr 1440 datiert und gilt als ältester erhaltener Raum Hamburgs.

Römer: „In Köln oder anderen Städten mit römischen Wurzeln gibt es solche Räume zuhauf. Aber hier im Norden wurde viel mit Holz gebaut, so dass wenig erhalten blieb.“ Den Gewölberaum wollen die Archäologen „purifizieren“, also in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen.

Im letzten Schritt soll in den historischen Gewölben eine Filiale des Helms-Museums entstehen. „Wir gehen zurück zu den Wurzeln“, sagt Römer. Er spricht von einem Museumspfad, der die beiden heutigen Standorte an der Knoopstraße und am Harburger Rathausplatz mit der neuen Dependance auf der Schlossinsel verbindet.

Drei „Archäologische Schaufenster“ im Wohnhaus Harburger Schlossstraße 39 sollen als Zwischenstation dienen. Sie werden, interaktiv mit schaulustigen Passanten, über die Historie der Straße und die Funde informieren, die die Museums-Archäologen bei der Ausgrabung zwischen der Straße und dem Kaufhauskanal freigelegt hatten. Die Arbeiten liefen von 2012 bis 2014 und waren höchst ergiebig: Auf einer Fläche von etwa 12.000 Quadratmetern wurden mehr als 36.000 Fundstücke erfasst.

Ein Teil der Funde könnten in der Filiale im Gewölbekeller landen. Thorsten Römer hofft jedoch, dass die Ausstellung zu einem Großteil mit Relikten bestritten werden kann, die direkt am Ort überdauerten: „Die Funde von der Schlossstraße sind ausgesprochen facettenreich. Aber hier können wir die Entstehungsgeschichte bis ins Jahr 1000 zurückverfolgen.“ Doch dazu müssen die Archäologen im Sommer nächsten Jahres erst einmal fündig werden.