Harburg
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So viel Harburg steckt im Weihnachtsmarkt

So viel Harburg steckt im Weihnachtsmarkt:

So viel Harburg steckt im Weihnachtsmarkt:

Foto: Jörg Riefenstahl / HA

Harburgs Weihnachtsmarkt ist einer der schönsten in ganz Hamburg. Doch wie viel Heimat steckt eigentlich drin? Wir haben nachgefragt.

Süßes Schmalzgebäck, heißer Glühpunsch mit Freunden, duftende Bratäpfel: So schön kann Weihnachtsmarkt sein. Aber wie viel Harburg, wie viel Lokalkolorit steckt eigentlich drin im Harburger Weihnachtsmarkt? Wir haben uns umgeschaut und sind auf Spurensuche gegangen. Und dabei einige Überraschungen erlebt. Die Schönste: Im Harburger Weihnachtsmarkt steckt viel mehr Harburg drin, und es sind mehr Harburger daran beteiligt, als der erste Blick auf die Weihnachtspyramide und die zauberhafte Weihnachtskrippe verrät.

Wer sich gegen den Uhrzeigersinn bewegt, stößt neben Bratäpfeln und weihnachtlichem Zuckerwerk auf eine Flammlachshütte. Die ist neu hier. „Die Fische kommen aus Norwegen“, erzählt Jeffrey Geissler. Der Bayer bereitet den Fisch auf offenem Feuer und alle Soßen frisch zu. 6 Euro kostet ein Matrosenbrötchen mit schön viel Lachs auf frischem Salat. Harburg-Faktor? Sehr lecker, aber null Prozent Harburg.

Ein paar Schritte weiter bemalt ein älterer Mann aus Böhmen kunstvoll Weihnachtsschmuck. Gegenüber gibt es originelle Holzpostkarten – einige mit Hamburg-Motiven. Harburg suchen wir vergeblich. Harburg-Faktor? Sehr originell, aber ebenfalls null.

In der Schmalzkuchenbäckerei Jeffrey Rasch backen Dennis und Nadja Schmalzkuchen. Und veredeln sie mit neuen, raffinierten Soßen wie Yogurette, Raffaello, Ferrero Küsschen oder Kinderriegel. Den 100-Gramm Becher gibt’s ab 4 Euro. Ihre hübschen Lebkuchenherzen mit der Aufschrift „Harburger Weihnachtsmarkt“ sind leider unverkäuflich: Sie kommen vom Hamburger Dom. Harburg-Faktor? Herzliche 25 Prozent.

An der traditionellen Würstchenbude auf dem Harburger Weihnachtsmarkt kommt niemand vorbei. Seit 1980 versorgt Heino Winter mit seinem Team die Weihnachtsmarktbesucher mit heißer Wurst, Schaschlik und neuerdings auch mit Ofenkartoffeln. „Ich bin mit Harburg eng verwachsen. Ich kenne den Rathausplatz noch, als hier Asche lag“, erzählt Winter. Er lebt in Schleswig-Holstein, seine Mitarbeiter Alexander, Daniel, Ana und Lala kommen durch die Bank aus Harburg. Dafür gibt es Harburg-Faktor 90 Prozent.

Mitten auf dem Markt dreht sich das Kinderkarussell. Es gehört zu Harburg, wie Josefa Wilczewski, die an der Kasse sitzt. Sie kam als Tochter des Harburger Schaustellers Ernst-Erich-Nolte vor 52 Jahren zur Welt, stilecht im Wohnwagen. Nolte war hier früher stadtbekannt, er baute 1976 in Harburg das erste Kinderkarussell auf dem Markt auf. Das neue Karussell ist etwas kleiner. Es dreht mittlerweile auch schon seit 18 Jahren seine Runden. Harburg-Faktor: kreisrunde 100 Prozent.

Ebenfalls 100 Prozent kann der Harburger Hobby-Historiker Werner Meinecke für sich verbuchen, der mit viel Idealismus eine einzigartige Sammlung historischer Fotos, Filme und Postkarten zusammengestellt hat, mit der er die Herzen der Harburger erobert. In einen Briefkasten können sie Wünsche und Anregungen geben oder historische Fotos hinterlassen. „Ich möchte demnächst Vorträge machen“, sagt Meinecke, der noch bis Sonntag auf dem Markt ist. Der Briefkasten bleibt da. Am Montag wird das Harburger City-Management den Platz übernehmen. Dann gibt es hier Harburg-Kalender und den ultimativen Harburg-Song auf CD – Harburg Faktor: musikalische 100 Prozent.

Am Fuße des Rathauses bietet „Frau Waffel“ Sara Mührl aus Langenbek erstmals süße und salzige, selbstgebackenen Waffeln an. „Die Äpfel für mein selbstgemachtes Bratapfelkompott habe ich auf einer Obstwiese in Langenbek gepflückt. Es kommt mit Marzipan und Vanillesauce auf die heiße Waffel“, verrät die junge Frau. Tannenbaumwaffeln für Kinder gibt es ab 2 Euro. Harburg-Faktor: heiße 100 Prozent.

Ein paar Schritte weiter verkaufen Sevgi Günez aus Wilhelmsburg und Filiz Afacan aus Harburg im Namen von „FairKauf“ selbstgemachte Kleidung und Accessoires zu zivilen Preisen für den guten Zweck. Harburg-Faktor: faire 100 Prozent. Die kriegt ,,Oma Renate Schulz“ ebenfalls, die seit zwölf Jahren auf dem Weihnachtsmarkt Selbstgemachtes wie Kissen mit Weihnachtsmotiven oder Glasperlen-verzierte Deko-Tannen anbietet.

Und dann ist da noch Mike Peters aus Undeloh, der über 20 verschiedene Wurst- und Schinkenprodukte aus der Region aus eigener Herstellung anbietet – vom Hausschwein, Wildschwein, der Heidschnucke aus der Lüneburger Heide und vom Harburger Hirschen. Veganer bitte weghören: Dafür geben wir tierische 100 Prozent Harburg-Faktor.

Wem das alles nicht reicht, der ist an „Omas Punschhütte“ bestens aufgehoben, seit Jahren der angesagte Treffpunkt für alle Harburger auf dem Weihnachtsmarkt. Thomas Rehberg, Sohn eines Wilhelmsburgers, betreibet die Hütte mit viel Herzblut und versorgt seine Gäste seit 20 Jahren mit ehrlichen Getränken. Der Glühwein nach Omas Rezept kostet 2,50 Euro – und schmeckt den Harburger ausgezeichnet. Harburg Faktor: leckere 100 Prozent.