Harburg
Eißendorf

Anlieger werden zur Kasse gebeten

Zwischen der Landesgrenze und der Jahnhöhe soll der Ehestorfer Weg grundsaniert werden

Zwischen der Landesgrenze und der Jahnhöhe soll der Ehestorfer Weg grundsaniert werden

Foto: Lars Hansen / xl

Den Ehestorfer Weg gibt es seit Jahrhunderten. Jetzt soll er „erstmalig öffentlich hergestellt“ werden.

Eißendorf.  „Stell’ dir vor, du sollst 20.000 Euro bezahlen und weißt nicht warum“: So ergeht es derzeit den Anwohnern des Ehestorfer Wegs zwischen Auf der Jahnhöhe und der Landesgrenze. Im Sommer landete die Ankündigung in ihren Briefkästen, das die Stadt die Straße grundsanieren möchte, und dass sie, die Anwohner, für die Kosten herangezogen werden.

Die Rede war von 20 Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche – und die Grundstücke in diesem Teil Eißendorfs sind groß. Die Begründung der Gebührenerhebung: Bei dieser Grundsanierung handelt es sich aus Sicht der Freien und Hansestadt Hamburg um die erstmalige endgültige Herstellung der Straße und dafür müssen Anlieger mitbezahlen. Am Donnerstag legte die Stadt auf einer Informationsveranstaltung ihre Argumente dar – und die Anlieger ihre Gegenpositionen.

Der Saal der Gaststätte „Majestätische Aussicht“ – auch sie ist betroffen – war gut gefüllt, als Projektingenieurin Marie-Luise Süllwold darlegte, was die Stadt machen will, und warum. Alle zwei Jahre, so Süllwold, würde der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) den Zustand der Hamburger Hauptstraßen erfassen und marode Straßen in den Fünfjahresplan für die Straßensanierung aufnehmen.

Seit 1979 wird der Ehestorfer Weg als Hauptstraße geführt, deshalb wird auch er regelmäßig untersucht. „Wir haben Bohrkerne genommen und festgestellt, dass der Ehestorfer Weg in diesem Abschnitt komplett neu aufgebaut werden muss“, sagte Süllwold, „und zwar inklusive des Unterbaus.“

Beim Wiederaufbau müsse man die Hauptstraßenfunktion des Ehestorfer Weges in Betracht ziehen, und die Tatsache, dass die Straße Teil eines Fahrradfernweges sei. Deshalb würden einige Kuppen und Senken der Straße abgeflacht, so weit es die Anschlusshöhen Anliegergrundstücke zulassen.

Außerdem würden zwei Fahrradstreifen die Fahrbahn ergänzen, da weder der Gehweg auf der bebauten Seite, noch der gegenüber liegende Waldweg einen vorschriftsmäßigen Zweirichtungsradweg aufnehmen könnten. Ganz unten würde die Straße eine neue Entwässerung erhalten.

Dass die alte Entwässerung nicht funktioniert, wurde aus den Klagen einiger Anwesender deutlich, bei denen das Oberflächenwasser der Straße landet. Auch, dass sich Anwohner über Vibrationen durch vorbeifahrende Busse beklagten, spräche laut Süllwold für die Sanierung: „Das ist ein Zeichen dafür, dass der Unterbau der Straße nicht in Ordnung ist.“

Insgesamt, so Süllwold, würde man nicht einmal so großzügig planen, wie man es tun würde, wenn man neu baut. Dafür sei zwischen Grundstücken auf der einen Seite und Wald auf der anderen nicht genügend Platz.

Die Kosten für die Sanierung des 1,2 Kilometer langen Wegestückes stehen noch nicht fest, wohl aber die Anliegerbeiträge. Die werden nach festen Sätzen berechnet, egal wie hoch die wirklichen Baukosten ausfallen. 900.000 Euro legt die Finanzbehörde auf die Anlieger um, 18 Euro pro Quadratmeter, zahlbar vier Wochen nach Bescheideingang, Raten nur auf Antrag.

Das allerdings wollen die Anwohner nicht einsehen. „Diese Straße existiert urkundlich seit mindestens 1842“, sagte Anwohnersprecher Dirk Schreiber. „Und jetzt soll sie erst erstmalig hergestellt werden? Das können wir nicht glauben! Und auch die Radwegeplanung auf unsere Kosten nehmen wir nicht hin“

Laut Schreiber haben viele Anlieger in der Vergangenheit bereits Straßenausbaubeiträge bezahlt. Er selbst hat in seinen Unterlagen eine Quittung der Stadt Harburg über 1300 Reichsmark aus dem Jahr 1928. „Man will hier doppelt kassieren“, vermutet er.