Harburg
Buchholz

Stadtbücherei trotzt dem Abwärtstrend

Sie managen die Bibliothek (v.l.): Martina Fäsecke, Heike Hansen und Uta Golombek

Sie managen die Bibliothek (v.l.): Martina Fäsecke, Heike Hansen und Uta Golombek

Foto: Lutz Kastendieck / HA

Das gedruckte Wort hat mit fast 9000 ausgeliehenen Titeln noch immer eine überragende Bedeutung in der jüngsten Monatsbilanz.

Buchholz.  Für Pessimisten, die permanent um den Fortbestand des gedruckten Wortes fürchten, wäre ein Blick in die Stadtbücherei Buchholz Balsam auf die gestresste Seele. In dem großen Saal an der Kirchenstraße 6 finden sich nicht nur – wohlgeordnet – 39.000 Bücher, rund 81 Zeitschriftentitel sowie ein halbes Dutzend Zeitungen. Die werden auch gelesen – und zwar regelmäßig, wie die jüngsten Zahlen eindrucksvoll dokumentieren.

„Im Oktober haben wir insgesamt 13.394 Titel ausgeliehen. Davon waren 5126 Sachbücher und Romane und 3847 Kinderbücher, also insgesamt fast 9000“, berichtet Uta Golombek vom Leitungsteam der Bibliothek. Damit entfielen also zwei Drittel aller Titel auf klassische Printmedien. Oder wie es Neudeutsch so schön heißt, in den Hard-Cover-Sektor.

Bücher, Zeitschriften und Zeitungen stellen in der Stadtbücherei Buchholz noch immer das Gros aller rund 54.000 verfügbaren Medien, mithin mehr als 72 Prozent. „Das gedruckte Wort ist noch lange nicht tot, sondern noch immer sehr begehrt, quer durch alle Altersklassen“, sagt Martina Fäsecke, Co-Chefin der Bibliothek.

Momentan würden, saisonbedingt, die Zugriffszahlen gerade wieder kräftig steigen. „Herbstzeit ist Lesezeit“, weiß Fäsecke. Da ziehe sich der Buchholzer gern mit einem guten Buch in die warme Stube zurück. Aktuell sind in der Bücherei knapp 5000 Leser registriert. Die meisten seien zwar Buchholzer. Es kämen jedoch immer mehr auch aus dem Landkreis hinzu.

Gemessen an der ständig steigenden Nutzung digitaler Endgeräte wie Smartphones, Tablets und E-Reader ist die Nachfrage nach gedruckten Medien in den vergangenen Jahren nicht so dramatisch gesunken, wie es der allgemeine, teilweise dramatische Auflagenverlust vieler Zeitungen und Zeitschriften vermuten lässt. „2015 hatten wir insgesamt 165.000 Ausleihen, das waren nur etwa zehn Prozent weniger als vor zehn Jahren“, so Uta Golombek. Im Schnitt hätte die Bibliothek 500 Besucher am Tag, die bis zu 117 Titel pro Stunden ausleihen würden.

Natürlich hat daran auch der Non-Book-Bereich mit inzwischen 8500 Titeln einen wachsenden Anteil. Im Oktober waren Audiovisuelle Medien (AVM) wie DVDs und CDs mit 3879 verliehenen Titeln an der Monatsbilanz beteiligt. Erzielten damit aber nur einen unwesentlich höheren Anteil als die Kinderbücher (3847).

Überschaubar blieb auch der Anteil von E-Books mit gerade 549 nachgefragten Titeln. Das lag zwar deutlich über dem Monatsschnitt von 450. Erscheint mit Blick auf das Gesamtangebot in diesem Segment aber dennoch wenig. „Im Geest-Elbe-Heide-Verbund von acht Bibliotheken zwischen Buchholz und Stade stehen immerhin 4000 Titel zur Verfügung, die jederzeit online geordert werden können “, sagt Uta Golombek.

So kann die Bücherei beeindruckende Zahlen en masse vorweisen. Die die Stadt natürlich bestärken, dieses kulturelle Angebot auch weiter nach Kräften zu unterstützen. Das ist vor allem finanziell eine nicht zu unterschätzende Leistung. War die Stadtbücherei bei ihrer Gründung 1951 durch einen engagierten Lehrer noch in einem Zimmer des alten Rathauses untergebracht, so muss die Stadt für das 1991 bezogene, moderne Domizil vis-à-vis der St.-Paulus-Kirche nun seit Jahren Miete zahlen.

„Alles in allem lässt sich die Stadt ihre Bücherei im Schnitt 460.000 Euro pro Jahr kosten“, so Stadtsprecher Heinrich Helms. Das sei aber gut investiertes Geld. Seit September gibt es sogar wieder eine Artothek mit 200 Werken vor allem regionaler Künstler.