Harburg
Landkreis Harburg

Großkontrolle: Polizei jagt reisende Einbrecher

Die Polizei hatte bei ihrer Großkontrolle vor allem Einbrecher im Visier. Auch ein Spürhund kam zum Einsatz

Die Polizei hatte bei ihrer Großkontrolle vor allem Einbrecher im Visier. Auch ein Spürhund kam zum Einsatz

Foto: JOTO

Zwischen den Gemeinden Tostedt und Kakenstorf wurden 367 Personen überprüft. Ähnliche Aktionen soll es künftig häufiger geben.

Tostedt.  Langsam fährt der silberfarbene Volvo in die Verkehrskontrolle der Polizei hinein. Ein Polizist mit einer Kelle winkt die Fahrerin in Richtung des Parkplatzes, wo sich seit geraumer Zeit 35 Beamte positioniert haben. Doch die Volvo-Fahrerin bremst nicht ab, sondern fährt mit Schritttempo immer weiter auf den Polizeibeamten zu. Erst als er sich vor der Autofahrerin auf die Straße stellt, bremst die ältere Dame ab. Der Beamte winkt wieder mit der Kelle, seine Kollegen übernehmen den Fall. Vor Aufregung habe sie nicht gewusst, was sie machen solle, erklärt sie später.

Die Polizei sieht in der Bundesstraße 75 einen der Hauptreisewege von Einbrechern im Landkreis Harburg. Deswegen bauen 35 Polizeibeamte, unter ihnen 14 Kommissaranwärter, am Mittwoch gegen 10 Uhr auf einem Parkplatz zwei mobilen Kontrollpunkte auf. Einer in Fahrtrichtung Tostedt, der andere in Richtung Kakenstorf. „Diese Kontrollen stellen eine Säule der Bekämpfung der Wohungseinbruchskriminalität da“, sagt Polizeisprecher Jan Krüger. Außerdem gewinne die Polizei durch die Kontrolle wichtige Erkenntnisse über genutzte Fahrzeuge und die Zusammensetzungen von Tätergruppen. Deswegen finden diese Kontrollen immer wieder unangekündigt im Landkreis statt. „Es geht darum, den Kontrolldruck zu erhöhen und Täter abzuschrecken“, sagt Jan Krüger. Doch Einbrecher gehen den Beamten am Mittwoch nicht direkt ins Netz. Dafür werden diverse andere Verkehrsverstöße festgestellt. Kurz nach Beginn der Kontrolle fällt zum Beispiel ein Fahrer, der noch in der Warteschlange steht, dadurch auf, dass er mit seiner Beifahrerin den Platz tauscht. Bei der folgenden Kontrolle wird der Mann positiv auf Drogen getestet.

Während der Kontrollen wird das Tempo auf der Bundesstraße auf 10 km/h verringert. Zwei Polizeibeamte stehen auf der Straße und entscheiden, welche Fahrzeuge von ihren Kollegen auf dem Parkplatz genauer unter die Lupe genommen werden sollten. Diese leiten sie aus dem laufenden Verkehr auf den Parkplatz. „Wer genau kontrolliert wird, entscheidet sich meistens spontan“, erklärt Jan Krüger. Es sei meistens eine Kombination aus dem Fahrzeugtyp, dem Fahrer und dem Kennzeichen ausschlaggebend für eine Kontrolle.

Kurz vor Ende der Überprüfungen fällt den Beamten ein Opel-Fahrer aus Buchholz auf. Die Ordnungshüter haben den Verdacht, dass der Mann Drogen in seinem Wagen versteckt hat. Ein Rauschgiftspürhund soll den Wagen deshalb genauer untersuchen. Die Beamten räumen den Wagen für den Hund frei. Einen Koffer mit Kleiderbügeln und einen Rucksack räumen sie aus dem Kofferraum. Der Hund wird von seiner Hundeführerin in das Fahrzeug gebracht. Dort untersucht er jeden Zentimeter. Tatsächlich schlägt der Hund auf der Fahrerseite unter dem Lenkrad an. Auch das Gepäck wird von dem Spürhund untersucht. Rauschmittel können die Polizisten jedoch nicht finden. Der Hund nimmt jeden noch so kleinen Geruch war, es kann also gut sein, dass vor einigen Monaten in dem Auto Drogen versteckt waren. Der Fahrer muss mit zur Polizeiinspektion nach Buchholz. Dort soll ihm eine Blutprobe abgenommen werden. Bis Redaktionsschluss ist das Ergebnis der Untersuchung nicht klar.

Insgesamt werden am Mittwoch 210 Fahrzeuge und 367 Personen kontrolliert. Mehrere Personen bekommen in den nächsten Tagen Post wegen kleineren Vergehen. Zum Beispiel, weil sie keine Papiere dabei hatten, nicht angeschnallt waren oder während der Fahrt telefoniert haben. Für die Sonderermittler des Sachgebiets „Wohnhaus“ fängt die eigentliche Arbeit aber erst jetzt richtig an. Sie werten die kontrollierten Fahrzeuge und Personen aus. Wenn sie Zusammenhänge zwischen einem Einbruch und einem Fahrzeug oder Personen erkennen, werden in den nächsten Tage weitere Ermittlungen eingeleitet.

Bei der aufgeregten älteren Dame kontrollieren sie den Führerschein, schauen kurz in den Kofferraum. Als dort nichts ungewöhnliches zum Vorschein kommt, kann sie ihre Fahrt fortsetzen. Die Kontrolle dauert nicht einmal fünf Minuten. So schnell geht es am Mittwoch für fast alle der 367 Personen, die von der Polizei zwischen Kakenstorf und Tostedt kontrolliert werden.