Harburg
Eißendorf

Baustelle ruht seit sechs Wochen

Friedrich Lüning wohnt am Eißendorfer Grenzweg. Das Baumaterial verstellt den Fußweg und engt die Straße ein. Seit sechs Wochen geschieht nichts

Friedrich Lüning wohnt am Eißendorfer Grenzweg. Das Baumaterial verstellt den Fußweg und engt die Straße ein. Seit sechs Wochen geschieht nichts

Foto: Katharina Geßler / HA

Die Anwohner des Eißendorfer Grenzwegs sind verärgert. Baumaterial verstellt den Fußweg und engt die Straße ein.

Eissendorf.  In den ersten dreieinhalb Monaten lief es wunderbar: Die Anlieger des Eißendorfer Grenzweges konnten dabei zusehen, wie Abschnitt für Abschnitt der Fußweg ihrer etwa 800 Meter langen Wohnstraße saniert wurde: „Es ging täglich voran“, sagt Friedrich Lüning. der am Eißendorfer Winkel wohnt, und die Baustelle passieren muss, sobald er sein Haus verlässt – um einen Spaziergang zu machen oder in die Stadt zu fahren. Doch von einem Tag zum anderen wurden die Arbeiten eingestellt: „Sechs Wochen ist das jetzt her“, sagt Lüning. Seither hat sich nichts mehr getan. Und ihm und anderen Nachbarn reißt allmählich der Geduldsfaden.

Als Unternehmer ist Lüning ein Mann der Tat. Er rief beim ausführenden Bauunternehmen an. Ohne Erfolg, niemand ging ans Telefon. Und weil sich auch sonst rein gar nichts tat, wendete er sich ans Bezirksamt, ließ sich durchstellen zu einem der Wegewarte. Dass seine Frage, was denn da los sei, am Eißendorfer Grenzweg, auf nichts als Ratlosigkeit stieß, brachte sein Gemüt erst recht in Wallung. „Es kann doch nicht sein, dass da wochenlang nichts passiert, und der Bezirk unternimmt nichts“, empört sich Lüning.

Denn tatsächlich können Passanten Teile des Fußweges derzeit gar nicht benutzen, weil dort Baumaterial lagert, schadhafte Bodenplatten oder auch umgestürzte Bauschilder unter dicker Laubschicht vor sich hingammeln. Autofahrer, die den Eißendorfer Grenzweg befahren, können ihn nur im Slalom passieren, weil die Fahrbahn durch am Seitenrand stehende Baufahrezeuge, Container oder auch ein Dixi-Klo stark eingeengt ist. Oder ein vor Wochen dort aufgeschütteter Sandhaufen sich allmählich immer weiter ausdehnt – Regen, Wind und anderer Witterungseinflüsse sind naturgemäß auch dann noch aktiv, wenn der Mensch das Arbeiten längst eingestellt hat.

Dass es zuweilen auch schon mal zu brenzligen Situationen kommt, hat Lünings Lebensgefährtin Katrin Dettmer erst kürzlich wieder erfahren, als sich gleichzeitig zwei Autos entgegenkamen und auch noch ein drittes Fahrzeug aus einer Einfahrt auf die Straße einbiegen wollte. „Dann wird’s eng, denn es gibt kaum Ausweichmöglichkeiten“, sagt Dettmer. Im Moment ist das alles noch nicht kritisch, solange nur mindestens ein Beteiligter ein Einsehen hat und zurücksetzt. Wirklich kritisch, so fürchten die Anlieger, könne es aber werden, wenn das Wetter umschlägt und es glatt auf Harburgs Straßen wird: „Dann geht hier nichts mehr“, sagt Friedrich Lüning.

Generell fürchten er und seine Nachbarn, dass die Arbeiten am Eißendorfer Grenzweg, die ursprünglich in diesen Wochen schon abgeschlossen sein sollten, sich nun über Gebühr lange hinziehen könnten, wenn die Arbeiten nicht schleunigst wieder aufgenommen werden: „Wenn es richtig kalt wird und der Frost kommt, passiert doch vor dem nächsten Frühjahr nichts mehr“, so Lünings These.

Bettina Maak, Sprecherin des Bezirksamtes Harburg, bestätigte auf Nachfrage, dass auch die Tiefbauabteilung mehrfach aber leider erfolglos versucht habe, Kontakt zu dem Bauunternehmen aufzunehmen – telefonisch, per Anschreiben und auch per Mail, aber: „Die stellen sich alle tot.“ Ob es eine Erklärung dafür gebe? „Der Chef liegt im Krankenhaus, und der Polier geht nichts ans Telefon“, sagt Maak. „So etwas haben wir hier wirklich noch nie erlebt.“

Tatsächlich ist die Firma, die den Zuschlag für die Arbeiten am Fußweg des Eißendorfer Grenzweges erhalten hat - das Projekt ist mit 150.000 Euro veranschlagt – für den Bezirk nicht unbekannt. Man habe schon mehrfach mit ihre zusammengearbeitet, bislang ohne Beanstandung. Nun aber wolle man nicht länger die Hände in den Schoß legen, hatte Bettina Maak angekündigt. Die Rede war von einem Einschreiben, in dem ein Ultimatum (die Rede war vom 1. Dezember) gestellt werden sollte, um das Unternehmen zu irgendeiner Reaktion zu bewegen.

Ob erst die Beschwerde von Friedrich Lüning die Tiefbauabteilung des Bezirks zum Handeln bewog oder diese Aktion aus eigenem Antrieb gestartet wurde, bleibt unbeantwortet. Jedenfalls hat seit Lünings Anruf so eine Art Dominoeffekt eingesetzt: Kaum hatte das Abendblatt nachgefragt, hat sich auch endlich die Baufirma gerührt. Das von Bettina Maak angekündigte Einschreiben bleibt jedenfalls jetzt erst mal in der Schublade, denn: „Der Geschäftsführer hat sich bei der Tiefbauabteilung gemeldet“, sagte Bettina Maak. Ob es irgendwelche Vereinbarungen oder Zusagen gab? Das nicht, sagte Maak, er habe lediglich versprochen, sich wieder zu melden. Näheres soll heute geklärt werden.