Harburg
Hittfeld

Thomas Fey ist neuer Ortsbürgermeister

Der neue Hittfelder Ortsbürgermeister Thomas Fey (Mitte) mit seinen Stellvertretern Frauke Bai, SPD, (l.) und Gerhard Nobis, Grüne

Der neue Hittfelder Ortsbürgermeister Thomas Fey (Mitte) mit seinen Stellvertretern Frauke Bai, SPD, (l.) und Gerhard Nobis, Grüne

Foto: Christiane Tauer / HA

Der Ton wird rauher im Ortsrat. Freie Wähler, SPD und Grüne setzen ihren Kandidaten durch. Bürger protestierten gegen die Wahl.

Hittfeld.  Wachwechsel in Hittfeld: Thomas Fey tritt die Nachfolge von Norbert Fraederich an. Der 72 Jahre alte Antiquitätenhändler ist am Dienstagabend in geheimer Wahl zum neuen Ortsbürgermeister gewählt worden. Mit elf Stimmen konnte das Mitglied der Freien Wähler die Mehrheit des Ortsrats hinter sich vereinen. Feys Gegenkandidat hieß allerdings nicht Norbert Fraederich, sondern Karsten Friedling. Die CDU/FDP-Gruppe hatte den 48 Jahre alten Polizeibeamten überraschend ins Rennen geschickt. Friedling errang jedoch nur acht Stimmen und musste sich geschlagen geben.

Es war eine denkwürdige konstituierende Sitzung, zu der der Ortsrat im Hittfelder Rathaus zusammengekommen war. Bereits im Vorfeld hatte sich abgezeichnet, dass der bisherige Ortsbürgermeister Norbert Fraederich vermutlich keine Mehrheit mehr erreichen wird (das Abendblatt berichtete). Seit 23 Jahren führt der 69 Jahre alte CDU-Politiker die Geschicke des Ortes. Während er bei der Wahl vor fünf Jahren noch auf die Unterstützung der SPD setzen konnte, hatten die Genossen diesmal erklärt, dass sie inhaltlich mehr Gemeinsamkeiten mit den Freien Wählern und den Grünen sähen. CDU und FDP verfügen im neuen Ortsrat über insgesamt acht Stimmen, SPD, Freie Wähler und Grüne kommen dagegen auf elf Sitze.

Die CDU/FDP-Gruppe reagierte auf die Ankündigung der SPD, indem sie kurz vor der Wahl die Pferde wechselte. „Wir schlagen Karsten Friedling vor, weil er für einen zukunftsgewandten Weg steht und jemand ist, der seine Arbeit dynamisch angeht“, sagte Fraederich. Friedling bringe erhebliche politische Erfahrungen mit, sei zweiter stellvertretender Ortsbürgermeister, Mitglied im Gemeinderat und in Hittfeld stark in der Flüchtlingshilfe sowie im Kirchenvorstand engagiert.

Bei der anschließenden Wahl überzeugten diese Argumente offensichtlich nicht. Der Sieger hieß Thomas Fey, zu seinen Stellvertretern wurden Frauke Bai (SPD) und Gerhard Nobis (Grüne) gewählt. Fey dankte den Ortsratsmitgliedern für ihr Vertrauen und seinem Vorgänger für die geleistete Arbeit, warb aber zugleich um Geduld in den ersten Monaten seiner Amtszeit, da er politisch ein Neuling sei. „Die meisten kennen mich ja lediglich als Bürger“, sagte er.

Gegenüber dem Abendblatt erklärte er zudem, dass die Zukunft des Gasthauses „Zum 100-Jährigen“ sein Schwerpunktthema werden würde. Auch wolle er sich dafür einsetzen, eine Gestaltungssatzung für Hittfeld auf den Weg zu bringen. Dass CDU und FDP nicht erfreut über seine Wahl seien, sei ihm durchaus bewusst, fügte er hinzu. „Wenn ich irgendwo anecke, ist das okay.“ Er hege aber keinen Groll gegen irgendjemanden. Letztlich seien sie doch alle Hittfelder Bürger, die gut zusammenarbeiten sollten.

Auch Norbert Fraederich betonte, dass man jetzt in erster Linie nach vorne blicken müsste und er nach 23 Jahren als Ortsbürgermeister mit dem guten Gefühl aus dem Amt gehe, viele Dinge für Hittfeld bewirkt zu haben. „Heute ist kein Anlass für mich, sich zu freuen, aber auch keiner, um in Trübsal zu verfallen“, sagte er. Natürlich hätte er in dem Amt gerne weitergearbeitet, aber demokratische Entscheidungen müsste man nun einmal akzeptieren.

Den Entschluss, den 48-jährigen Karsten Friedling als neuen Kandidaten aufzustellen, begründete er im Gespräch mit dem Abendblatt als Einleitung eines Generationenwechsels. Ursprünglich habe er ja selbst kandidieren wollen, so Fraederich. Als man aber von dem 72-jährigen Thomas Fey als Gegenkandidaten erfahren habe, sollte die Nominierung Friedlings einen altersmäßigen Kontrast bilden, um die Chancen, dass die CDU/FDP-Gruppe vielleicht doch den neuen Ortsbürgermeister stellt, zu erhöhen. „Leider ist es ja nicht so gekommen.“

Abgesehen davon sei ihm im Vorfeld von den Parteien klar gemacht worden, dass es persönliche Vorbehalte gegen ihn gäbe – zumindest in direkter Weise von den Freien Wählern und eher indirekt von den anderen Parteien. Deshalb sei ihm klar gewesen, dass er bei der anstehenden Abstimmung chancenlos sein würde.

Bei den Bürgern, die zahlreich im Rathaus erschienen waren, kam das Votum der Politiker nicht gut an. Gleich zweimal gab es in der Einwohnerfragestunde scharfe Kritik daran, die Chance für eine Verjüngung im Ortsbürgermeisteramt verpasst zu haben. „Warum unterstützen Sie nicht junge, engagierte Menschen, die sich einbringen wollen?“, fragte eine Frau. Ein weiterer Bürger wollte wissen, wie die Freien Wähler ausgerechnet auf Thomas Fey als Kandidaten gekommen waren – zumal er bei der Kommunalwahl stimmenmäßig deutlich schlechter abgeschnitten habe als Fraederich und Friedling. Fey errang 198 Stimmen, Fraederich 926 und Friedling 381.

Irmelin Schütze, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, begründete die Entscheidung für Fey mit seinem Einsatz für historische Bauten, Senioren, aber auch für Jugend und Arbeitsplätze. Ihr Parteikollege Willy Klingenberg und auch Marianne Landeck (SPD) stuften die Kritik der Bürger als „Unverschämtheit“ und „enttäuschend“ ein. Letztlich sah sich Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen sogar dazu veranlasst, schlichtend einzugreifen. „Jeder Bürger hat das Recht, seine Meinung zu äußern, ob sie uns passt oder nicht“, sagte sie. Die Stimmung wird rauher in Hittfeld.