Harburg
HR-Regional

Ein Seestück aus Finkenwerder

Bei der Jahresausstellung in der Galerie Stroh wird ein Gemälde verlost. Von den Erlösen gibt’s Grünkohl für Heimbewohner

Landschaften, Seestücke, Schiffsmodelle und dokumentarische Fotos: Die Jahresausstellung der Galerie Stroh am Köhlfleet-Hauptdeich ist ganz nach dem Geschmack der alt eingesessenen Finkenwerder. Gut 50 Bilder und Objekte sind zu besichtigen – und längst nicht alle brachte Hausherr Hinrich Stroh senior auf die Leinwand. Außer ihm stellen die Finkenwerder Künstler Werner Schulz, Henri Kehde, Christian Meier, Brigitte Brauer, Renate Harber, Christa Seubert, August Pahl, Hans Versemann, Kurt Wagner, Annegret Feller und Gottfried Emler aus. Alle Kunstwerke stehen zum Verkauf – bis auf acht besonders ausgewählte, denn die werden verlost.

Das ist eine Tradition, die Malermeister Hinrich Stroh senior bereits vor 30 Jahren begründet hat. Mit dem Loserlös lädt er die Bewohner des Bodemannheims, das ist die Seniorenwohnanlage von Finkenwerder, zum winterlichen Grünkohlessen ein. „Das sind immer so 30 Leute, die sich dann anmelden“, sagt Stroh, „denn es kann ja nicht jeder Bewohner. Einige sind nicht mehr mobil und andere vertragen so schwere Kost nicht mehr gut.“

Auch 30 Portionen wollen bezahlt sein. Bislang hat das Geld, was die Lose einbrachten, immer knapp ausgereicht. „Es gab vielleicht mal ein Jahr oder zwei, wo ich ein bisschen dazugeben musste, aber mehr als ein bisschen war das nie“, sagt Stroh.

Neben den Kunstwerken werden auch Hafen- und Stadtrundfahrten verlost. Auch die sind gespendet. Nicht jeder ausstellende Künstler gibt ein eigenes Werk mit in die Verlosung, aber jeder spendet einen Preis. Manche eben eine Rundfahrt. Um die Lose zu erwerben, muss man die Ausstellung besuchen. Das ist ein ganz gewollter Nebeneffekt der Traditionsaktion: die Leute in die Galerie zu holen. „Wir werden dann immer die vorweihnachtliche Klönstube von Finkenwerder“, sagt Hinrich Stroh. „Viele Exilinsulaner kommen extra bei uns vorbei.“

Hinrich Stroh senior ist nicht nur Kunstmaler, sondern auch Malermeister. Den Handwerksbetrieb hat er allerdings schon vor 15 Jahren an seinen Junior übergeben und widmet sich seitdem nur noch der Kunst. Diese Leidenschaft hatte ihm bereits sein Vater in die Wiege gelegt und Strohs Lehrmeister Jan Horstmann hatte sein Talent gepflegt und ausgebildet. Auch Horstmann fuhr zweigleisig: Handwerksbetrieb auf der einen Seite, Künstleratelier auf der anderen. Horstmanns Hafenansichten werden posthum hoch gehandelt.

Auch Hinrich Stroh sollte Furore machen: Unter mehreren tausend Einsendungen gewann sein Bild der „Gorch Fock“ den Wettbewerb um die Gestaltung einer Sonderbriefmarke des südamerikanischen Landes Paraguay anlässlich eines Besuches des Segelschulschiffes dort. Eine große Hamburger Boulevardzeitung mit engen Verbindungen zum damaligen Staatspräsidenten Paraguays hatte den Wettbewerb ausgerufen.

Hinrich Strohs Werk ist dominiert von maritimen Finkenwerder Motiven: Fischkutter und -Ewer unter vollen Segeln in schwerer See findet man häufig, ebenso, wie „den Dampfer“. Allerdings gibt es bei Stroh auch Altländer Landschaften.

Die Ausstellung ist noch bis zum 18. Dezember donnerstags bis sonntags, jeweils von 15 bis 19 Uhr geöffnet. Die Verlosung findet am 18. Dezember statt.