Harburg
Zu Fuß auf Streife

Das ist Heimfelds neuer Stadtteilpolizist

Auf Tour im Quartier: Horst Niens ist Stadtteilpolizist in Heimfeld. Nur für das Foto hat er sich in der Harburger Rathausstraße aufgestellt

Auf Tour im Quartier: Horst Niens ist Stadtteilpolizist in Heimfeld. Nur für das Foto hat er sich in der Harburger Rathausstraße aufgestellt

Foto: Jörg Riefenstahl / HA

Vom Zivilfahnder zum Ansprechpartner für alle Fälle: Horst Niens geht ab sofort im Quartier zu Fuß Streife.

Heimfeld.  Lässig steht Horst Niens morgens mit seiner grünen Mappe unter der mächtigen Platane auf dem Harburger Rathausplatz. Der Oberkommissar vom Polizeikommissariat 46 ist auf dem Weg zur Arbeit. Sein Einsatzgebiet ist Heimfeld. „15 Jahre lang habe ich in dem Harburger Ortsteil vor allem nachts als Zivilfahnder gearbeitet. Ab sofort bin ich in Heimfeld tagsüber als Stadtteilpolizist unterwegs“, sagt der Kommissar.

Die neue Rolle gefällt dem Familienvater, der mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern (14 und 19) in einem 4000-Seelen-Dorf im Landkreis Rotenburg-Wümme zwischen Bremen und Hamburg lebt. „Ich bin jetzt in einer Altersklasse, da muss man den Nachtdienst nicht mehr unbedingt haben“, sagt der 52-Jährige.

„Die größte Überraschung für mich als Stadtteilpolizist ist, dass in Heimfeld ganz normale Menschen leben.“ Während er sich bisher die Nächte als Fahnder im Drogenmilieu um die Ohren schlug, ist er nun in seiner dunkelblauen Uniform auf der Straße unterwegs. Ein Schutzmann zum Anfassen, sozusagen. „Ich bin als Stadtteilpolizist für jeden ansprechbar und gleichzeitig positives Aushängeschild der Polizei.“

Niens begann seine Karriere vor 32 Jahren bei der Hamburger Bereitschaftspolizei. Er ging zu Fuß Streife, fuhr später einen Streifenwagen, bevor er schließlich Zivilfahnder wurde. Und nun Stadtteilpolizist. „Ich liebe meinen Beruf und bin zu 100 Prozent davon überzeugt. Ich sehe ihn als Berufung und würde ihn immer wieder ergreifen“, sagt Niens. Seine positive Lebenseinstellung und sein Humor hätten ihm geholfen. „Ich konnte mir in meinem Beruf immer die Dinge heraussuchen, die mir Spaß machten.“

Aus der Zeit als Zivilfahnder ist er weitgehend ohne nennenswerte Blessuren herausgekommen. „Wir haben viel mit Drogenkriminalität zu tun gehabt. Auch mit Einbrüchen und Raubdelikten“, erzählt Niens. Einmal habe er vor gut zehn Jahren bei einem Einsatz in der Wilstorfer Straße seinen Kollegen die Tür aufgehalten. Plötzlich sprang ein Kickboxer auf den Polizisten zu und zertrümmerte seine rechte Hand. „Die Gelenkschmiere trat aus, es war sehr schmerzhaft“, erinnert sich Niens.

Es kam auch vor, dass Serientäter, die der Kommissar schon mehrfach überführt hatte, Niens erkannten. „Es war für mich eine zusätzliche Herausforderung, mich in solchen Fällen so zu bewegen, dass man mich nicht sieht.“ Statt nachts arbeitet er nun Gleitzeit, zwischen 6 und 20 Uhr. „Es war eine positive Erkenntnis für mich, zu erleben, wie nett und freundlich die Menschen sind, die in Heimfeld wohnen“, sagt Niens, der die ersten Wochen als Stadtteilpolizist hinter sich hat. „Ich lerne den Stadteil gerade noch einmal völlig neu kennen.“

Vieles lasse sich einfach regeln, wenn man über die Dinge redet. Nachbarschaftsstreitigkeiten zum Beispiel. Da gehe es etwa darum, dass ein Kinderwagen das Treppenhaus versperrt. Oder der Nachbar seinen Müll vor der Tür lagert. „,Übrigens, was ich Ihnen schon immer einmal sagen wollte’, ist ein typischer Einstieg“, sagt Niens. „Die Leute fragen mich, ,Darf der einen Baum fällen?’ Oder: ,Darf der da parken?’“ Grundsätzlich kann man mich mit jeder Frage löchern.

Seine Erfahrung helfe ihm dabei, ein freundliches Gesicht zu machen, die passenden Worte zu finden und die Dinge richtig einzuordnen. „Tipps geben, Kontakte vermitteln. Als Stadtteilpolizist braucht man Lebenserfahrung und Eigeninitiative.“ Und wenn Niens einmal nicht weiter weiß, macht er sich eben schlau und ruft später zurück.

Als „Cop4U“ ist er zudem Ansprechpartner für Schüler und Lehrer an Schulen. Gewaltprävention, Schulpflicht und Schulwegsicherung sind typische Themen. „Wenn es jemand mit der Schulpflicht nicht so genau nimmt, gehe ich auch schon mal zu den Eltern nach Hause“, sagt Niens, der für die Grundschule Grumbrechtstraße, das Friedrich-Ebert-Gymnasium und die Michael Schule zuständig ist. Mit Kitas, Kirchen und Geschäftsleuten hat er ebenfalls das Gespräch gesucht.

Wer Heimfelds neuen Stadtteilpolizisten persönlich treffen will, hat dazu vielleicht heute Abend Gelegenheit: Beim Auftritt von Kabarettist Dieter Nuhr um 19 Uhr in der Friedrich-Ebert-Halle ist Niens vor Ort.